Bock auf die Alpenstadt

Tirols Hauptstadt Innsbruck pflegt ihr sportliches Image – zunehmend auch im Sommer.

Direkt in die Berge: Die Inssbrucker Nordkettenbahn. Foto: PD

Direkt in die Berge: Die Inssbrucker Nordkettenbahn. Foto: PD

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Angriffslustig senkt der Steinbock den Schädel mit den mächtigen geschwungenen Hörnern, rückt auf dem schmalen Weg immer näher. Plötzlich schüttelt er das weise Haupt, biegt ab und schlägt sich in die Büsche.

Monika Unterholzner vergisst die Begegnung mit dem vierbeinigen König der Berge nicht so schnell. «Ich war mit meinem Labradorhund unterwegs», erinnert sie sich. «Der Schnee im Karwendelgebirge muss das Steinwild talwärts getrieben haben.» Das überraschende Treffen von Frauchen und Hund mit dem Steinbock ereignete sich nur ein paar hundert Meter von der Innsbrucker Stadtgrenze entfernt, auf einem harmlosen Spaziergang an der Südflanke der Nordkette.

«Die Winterspiele haben unsere Stadt geprägt.»Elisabeth Grassmayr, Gästeführerin

Okay, im Limmattal fiel auch schon ein Wolf der S-Bahn zum Opfer, aber dabei handelte es sich wohl um einen Irrgänger. Der Steinbock hingegen passt prima zur Alpenstadt Innsbruck mit ihren 140'000 Einwohnern. Sie liegt zwar nur auf 550 Meter über Meer, doch nicht weniger als neun Wander- und Skigebiete sind mit Bergbahnen und Bus in höchstens 40 Minuten zu erreichen. Direkt vom Stadtzentrum aus führen eine Standseil- und eine Gondelbahn in 30 Minuten auf die Seegrube, 1905 Meter über Meer. «Die Olympischen Winterspiele 1964 und 1976 haben unsere Stadt geprägt», sagt Elisabeth Grassmayr. Die Spiele bescherten der Tiroler Hauptstadt eine für die damalige Zeit bemerkenswerte Infrastruktur – vom Eiskanal in Igls über einen ersten Ausbau der Bergisel-Schanze bis zum Eisschnelllauf-Stadion.

Die Ampeln an den Fussgängerstreifen beschwören Innsbrucks sportliches Image: Sie zeigen fliegende Skispringer und rasende Abfahrer in Grün oder in Rot einen geduldig wartenden Rodler mit dem leeren Schlitten an der Seite. Aber weil auch im Tirol die Winter kürzer werden, pflegt Innsbruck zunehmend den Sommer und dessen Sportarten. 2008 war die Alpenstadt Austragungsort der Fussball-Euro; 2018 finden die Rad-Weltmeisterschaften am Inn statt.

Früher Franzosen, heute Deutsche und Italiener

Elisabeth Grassmayr, 77-jährig, ist wie ihre Tochter Monika Unterholzner Gästeführerin aus Leidenschaft. Sie hat den Innsbrucker Wandel in allen Facetten miterlebt. «Als ich anfing, Touristen durch meine Stadt zu führen, waren viele Kunden Franzosen - ehemalige Besatzungssoldaten, die ihren Familien den Ort der Stationierung zeigen wollten.» Heute kommen vor allem Deutsche und Italiener nach Innsbruck. Früher lief der Verkehr in die andere Richtung. Elisabeth Grassmayr: «Wenn wir uns neu einkleiden wollten, fuhren wir über den Brenner nach Südtirol.»

Tempi passati: Innsbruck ist eine Shoppingmetropole, auch dank zweier bemerkenswerter Einkaufstempel: Das Kaufhaus Tirol und die Rathaus-Galerie an der prächtigen Maria-Theresien-Strasse verbinden moderne Architektur und Barockfassaden, weltläufiges Sortiment und Tiroler Gemütlichkeit. Die Fussgängerzone zieht sich hinein in die mittelalterliche Altstadt mit Laubengängen, malerischen Innenhöfen und den bunten Häusern.

Am Goldenen Dachl geht niemand achtlos vorbei.

Am Wahrzeichen von Innsbruck geht niemand achtlos vorbei: Das Goldene Dachl wurde 1500 vom späteren Kaiser Maximilian I. in Auftrag gegeben – um alle Welt und die ungeliebte zweite Frau Maria Bianca Sforza von Mailand zu beeindrucken. Sechs Kilo Gold veredeln das Dach eines Erkers. Maximilian machte aus Innsbruck eine imperiale Stadt, er liess mit dem Bau von Hofburg und -kirche beginnen.

Laune der Geschichte: Sein von 18 berühmten Statuen bewachter Sarkophag in der Hofkirche ist leer. 1519 verwehrten die Innsbrucker dem Kaiser und dessen 300-köpfigen Jagdgesellschaft den Zutritt in die Stadt, weil er hier grosse Schulden hatte. Der Monarch ritt wutenbrannt davon, starb in Wels vermutlich an Darmkrebs und wurde in der Wiener Neustadt zur letzten Ruhe gebettet.


www.innsbruck.info

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 14.03.2017, 14:05 Uhr

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