Der Garten Eden liegt bei Florenz

Die Renaissance-Villa La Massa ist der ideale Zufluchtsort in der Nähe von Florenz ohne dessen touristische Hektik.

Luxus ohne Bling-Bling: Die Villa La Massa am Ufer des Arno. Foto: PD

Luxus ohne Bling-Bling: Die Villa La Massa am Ufer des Arno. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

War man schon ein paar Mal in Florenz, gehen einem selbst als Touristin die Touristen auf den Geist. Sie stehen Schlange vor den Uffizien, verstopfen den Domplatz und kriechen im Schneckentempo über die Ponte Vecchio, wo es weiss Gott nichts anders zu ­sehen gibt ausser langweilige Schmuckläden und ab und zu einen spektakulären Sonnenuntergang.

Diesem Florenz, im Sommer oft unerträglich heiss, kann man entfliehen: Man folgt zehn Minuten lang mit dem Auto dem dreckigen Stadtfluss Arno in östlicher Richtung bis nach Bagno a Ripoli, einer wohlhabenden Gemeinde am Rande des Chianti-Gebiets. Aristokratische Sommerfrischler haben hier ihre Villen gebaut. Im Ortsteil Candeli befindet sich die Medici-Villa La Massa. Das Renaissance-Haus, seit 1948 ein Hotel, ist so gelegen, wie es sich für eine Luxusherberge gehört: abgeschieden und in eine so idyllische Umgebung gebettet, dass man sich am Schluss überwinden muss, heimzufahren. Wer zwischendurch einmal für einen Restaurantbesuch in die Stadt möchte, für den steht ein Bus-Shuttle bereit.

Die 37 Zimmer sind im historischen Haupthaus, einer sogenannten Villa Nobile aus dem 16. Jahrhundert, sowie in einer jüngeren Dépendance untergebracht. Auch ein Restaurant in einer ehemaligen Mühle, ein Spa, das sich im Keller versteckt, sowie ein neun Hektar grosser Park mit Swimmingpool gehören zum Anwesen. Dieses liegt ­direkt am Arno.

Toskanisches Landhaus: Die Farbtöne Gelb und Grün, Baldachinbett. Foto: PD

Spazierwege führen zu Oliven- und Apfelbäumen sowie auch durch einen Irisgarten. Ein leichtes, trockenes Windchen streift übers trockene Gras. Kein Auto ist zu hören. Auf der anderen Seite des Ufers spaziert ein Mann barfuss das Flussbett entlang. So muss die Welt ausgesehen haben, als die Renaissance-Künstler Michelangelo und Leonardo da Vinci noch lebten.

Würden die beiden ins Jetzt befördert, würde ihnen in der Villa La Massa wohl erst beim Blick auf die Flachbildschirme in den Zimmern auffallen, dass seit ihrem Tod mehrere Hundert Jahre vergangen sind: Die Villa Nobile, die im Innern als mehrstöckiger Lichthof mit umlaufenden Gängen aufgebaut ist, wurde sorgfältigen Renovationen unterzogen. Sie ist frei von Bling-Bling, wie er in der Luxushotellerie gern zum Einsatz kommt. In einigen Suiten, die in kräftigen Blau-, Rot- und Gelbtönen eingerichtet sind, gibt es Fresken an den Wänden, Holzdecken, Baldachin-Betten und Terrakotta-Steinböden, wie man sie in toskanischen Landhäusern findet. Zentrum des Fünfsternhauses ist im Sommer allerdings der Garten. Es geht hier nicht ums Sehen und Gesehen werden, sondern darum, den Tag möglichst unauffällig im Liegestuhl zu verbringen und zu lesen. Das hat schon Winston Churchill getan, als er einst hier weilte.

Ein Tischchen für die Handtasche

Die Unauffälligkeit und Ruhe, die hier die meisten Ü-60-Gäste befällt, ist nicht mit Steifheit zu verwechseln. Es ist deshalb durchaus möglich, unter dem grossen Baum beim Pool ein paar Decken auszubreiten, um mit der kleinen Tochter ein Picknick zu veranstalten. Das ist an Orten, an denen Gäste auch gern mal mit dem Ferrari fahren, doch eher selten. Und dem Personal geschuldet, das immer Zeit für ein Schwätzchen hat. Die Stimmung ist familiär.

Das gilt abends auch für das Restaurant Verrocchio, das direkt am Fluss liegt. Die Kellner drücken durchaus ein Auge zu, wenn man nicht im Blazer, sondern im zerknitterten Sommerrock aufkreuzt. Und es scheint, als würde diese forcierte, triste Romantic-Evening-Stimmung nicht so drückend wie an anderen Orten, wo sich Ehepaare anschweigen. Man darf gern ­lachen. Auch darüber, dass unter den Tischen noch kleinere Tischchen stehen, auf denen die Damen ihre Täschchen abstellen können.

Bei der Verabschiedung im Restaurant rät uns der Kellner, den Lift in die oberste Etage des Haupthauses zu nehmen. Ein kleines Fenster gibt den Blick frei auf die scheinbar unberührte Landschaft. Und wie in einer Fata Morgana taucht am Horizont der in der Nacht beleuchtete Duomo auf. Die Kuppel ist bestens zu sehen. Schliesslich ist sie ja nur acht Kilometer entfernt. Sie ist sprichwörtlich so nah und doch so fern. Mit den Leuten, die sich gerade auf dem Domplatz gegenseitig auf die Füsse stehen, möchte man nicht tauschen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 16.08.2017, 16:17 Uhr

Villa La Massa, Via della Massa, 24, 50012 Candeli, Italien, Doppelzimmer ab 500 Franken.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Wer wird Präsident? Ein traditionell gekleideter Chilene, ein sogenannter Huaso, verlässt nach seiner Stimmabgabe in Santiago die Wahlkabine. (19. November 2017)
(Bild: Esteban Felix/AP) Mehr...