Ein Strauss Rosen für die Fürstin

Ihr da unten, wir da oben: Monacos Touristen bilden eine Zweiklassengesellschaft zwischen Privatjachten und Pizzaläden.

Fürstentum Monaco: Mit der Jacht mal schnell nach Nizza oder St-Tropez. Foto: Getty Images

Fürstentum Monaco: Mit der Jacht mal schnell nach Nizza oder St-Tropez. Foto: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Gedränge ist enorm. Im alten Hafen von Monaco sieht man vor lauter Schiffen kaum mehr Wasser. Was heisst Schiffe?

Jachten der obersten Hubraumklasse haben hier festgemacht, schwimmende Villen, wie man sie in James-Bond-Filmen bewundert.

Adrett gekleidete Crewmitglieder lümmeln an Deck herum, das sie auf der Double Trouble mit einem Range Rover und einem Beiboot teilen müssen. Auf der perlmuttfarbenen King Louis ist gerade der Frühlingsputz in Gang. Die meisten Eigner werden die Sommerferien auf ihren Prestigedampfern verbringen, schippern von Monaco aus zum Shopping nach Nizza, zum Lunch nach St-Tropez oder zur Strandparty nach Korsika.

Eine Jacht ist was für Superreiche

Die drei Häfen von Monaco sind ausgebucht, die Wartelisten lang. «Monaco bleibt ein Anziehungspunkt», urteilt Peter Hürzeler, Chef von Ocean Independence, einem weltweit tätigen Jacht-Broker mit Sitz in Küsnacht ZH. Eine Privatjacht mit Kapazität für eine ansehnliche Reisegesellschaft kostet einen schönen zweistelligen Millionenbetrag. Es gibt genügend Superreiche, die sich den Spass auf See leisten. «Faustregel in diesem Geschäft», sagt Hürzeler, «die Investition in eine Jacht sollte ein Zehntel des Gesamtvermögens des Besitzers nicht übersteigen.»

Im und zum Fürstentum sind die Wege kurz. Nachdem wir für die Reise vom Airport Nizza nach Monaco nur sieben Minuten im Heli brauchten, schweben wir jetzt im Nu vom Hafen ins Stadtzen­trum, einem Lift im Berg sei Dank.

Am Square Beaumarchais thront das Hotel Hermitage. Das 1920 gebaute Ensemble mit mehreren Flügeln, Jugendstilkuppel und Wellnessoase beherbergt in der sommerlichen Hochsaison viele betuchte Russen und Araber. Der erfahrene General Manager Sergio Mangini sorgt mit einer 500-köpfigen Mannschaft dafür, dass es den Herrschaften an nichts fehlt – erwartet von den Gästen aus den Tiefen Sibiriens oder der Wüste aber auch gebührliches Benehmen: In der Hotelhalle weist eine Tafel darauf hin, dass die Restaurants nicht in Shorts und Latschen besucht werden dürfen.

Das Casinogeschäft darbt

Gleich nebenan wird das The One hochgezogen, ein futuristischer Komplex mit 60 teuren Appartements sowie Shops und Büros. Das The One bildet wie das Hermi­tage, weitere Hotels, das Casino Monte Carlo, die Therme, die Oper, Restaurants und andere Vergnügungsstätten das Tafelsilber der Société des Bains de Mer (SBM). Ohne das halbstaatliche Unternehmen, das 3000 Angestellte beschäftigt, geht wenig in Monaco.

Einst hatte sich der legendäre griechische Reeder Onassis mit Fürst Rainier um die SBM gezankt. Heute versucht der Entertainment- und Immobilienkonzern das Casinogeschäft wieder in Schwung zu bringen. Die lahmende Wirtschaft im nahen Italien und in Russland sowie zu hohe Personalkosten trüben die Bilanz.

Walliser Bauernsohn fand sein Glück

«In Monaco muss man oft zwei Schritte vorwärts und einen rückwärts machen», sagt Michel Rey. Der langjährige General Manager des Zürcher Nobelhotels Baur au Lac gehört dem Verwaltungsrat der SBM an. Er signalisiert vorsichtigen Optimismus: «Monaco besitzt weltweit ein einmaliges Potenzial. Wo sonst finden Sie auf so kleinem Raum ein derart hochstehendes Angebot an Unterhaltung, Restaurants und Hotels an schönster Lage? «Rey ist schweizerisch-monegassischer Doppelbürger. Den Pass des Fürstentums besitzt er, weil sein Urgrossvater als armer Bauernsohn aus dem Wallis an die Côte d’Azur ausgewandert war. Die Familie brachte es in Monaco zu Ansehen. Erst Reys Vater kehrte dauerhaft in die Schweiz zurück.

Mit einer Fläche von 230 Hektaren gehört Monaco zu den kleinsten Staaten auf dem Globus – und ist dank 38 000 Einwohnern der dicht besiedeltste. Weil jeder Fleck genutzt wird und ständig Renovationen anstehen, gleicht das Fürstentum zuweilen einer Megabaustelle. «Die Konkurrenz», sagt Hermitage-Direktor Mangini, «schläft nicht. Wenn wir mit Dubai oder Macau mithalten wollen, müssen wir investieren.»

Besichtigungstour am Strand und durch die Formel-1-Tunnel

Auf die Dauer lebt Monaco nicht alleine von den betuchten Gästen und Steuerflüchtlingen, die stolz Bentleys und Rolls-Royces spazieren fahren – und deren Begleiterinnen putzige, mit rosa Mäschchen dekorierte Schosshunde ausführen. Pro Jahr legen in Monaco 300 Kreuzfahrtschiffe an. Aus dem Hotelzimmer im Hermitage beobachten wir, wie die Queen Victoria am neuen Cruise-Terminal festmacht. Gleichentags liegen zwei kleinere amerikanische Luxuskreuzer auf der Reede.

Die Passagiere können das Besichtigungsprogramm zu Fuss absolvieren. Bestaunen die gelben und ockerfarbigen Häuser, die sich an die Steilküste schmiegen, das legendäre, zurzeit geschlossene Hotel de Paris und den berühmten, grobkörnigen Strand von Monte Carlo. Sie begehen die Tunnel, durch die am nächsten Sonntag die Formel-1-Boliden röhren. An der Strandpromenade warten in Beton gegossene Sohlen von Fussballheroen wie Franz Anton Beckenbauer, Diego Maradona oder Dino Zoff.

Unprätentiöse Wachablösung

Ihr da unten, wir da oben: Der staunende Kreuzfahrer oder Tagestourist mag erst einige Busstationen weiter in den Geldbeutel langen. In Monaco-Ville, der Altstadt, buhlen anstelle von Bulgari und Louis Vuitton Pizzaläden, Quiche-Theken und Souvenirshops um Kundschaft. Weiter im Devotionalien-Sortiment: Minirennwagen oder das Modell der Kathedrale. Notre-Dame-Immaculée liegt um die Ecke – im Innern zeigt Blumenschmuck die Popularitätswerte der Verblichenen. Auf der Grabplatte von «Rainerius III., Monoeci Princeps» warten zwei einsame weisse Seidenrosen, die Marmortafel über der letzten Ruhestätte der 1982 verunfallten Fürstin Gracia Patricia dekoriert neben Seidenrosen ein grosser Strauss echter Rosen.

Der amtierende Fürst Albert, den «Monaco Matin» täglich beim Besuch eines Altersheimes oder bei der Einweihung einer aufgehübschten Strasse begleitet, scheint zu Hause zu sein. Das Banner der Fürstenfamilie flattert über dem Palast. Unprätentiös die Wach­ablösung der monegassischen Garde. Zwei Soldaten in weissen Uniformen und Helmen schicken ihre Kameraden mit knappem Gruss in die Ruhepause.

Die Smartphones der faszinierten Zaungäste arbeiten – da schiebt sich knatternd ein Betonmischer ins Bild. Es wird weitergebaut in Monaco.


Die Reise wurde unterstützt vom Fremdenverkehrsbüro Monaco. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 15:32 Uhr

Essen und Logieren im Fürstentum

Anreise
Swiss ab Zürich und Easyjet ab Basel und Genf fliegen täglich nach Nizza. Von dort per Bahn, Bus oder Helikopter nach Monaco.

Hotels
Hermitage – momentan führendes Luxushotel mit Rundumangebot; DZ ab 244 Euro.
Metropole – sympathisches Traditionshaus in kleinem Park, hervorragendes japanisches Restaurant Joshi, DZ ab 480 Euro.

Essen
In der Markthalle auf der Place des Armes gibts mediterrane und monegassische Spezialitäten in unkomplizierter Ambiance.

Beste Reisezeit
Im Herbst fallen die Preise im Fürstentum.

Allgemeine Infos
Link,www.visitmonaco.com, www.monte-carlo.mc.

Artikel zum Thema

Kinderreiche Feier im Fürstentum Monaco

Am Nationalfeiertag in Monaco hat das Fürstenpaar dem Volk seinen Nachwuchs präsentiert. Die Zwillinge Prinz Jacques und Prinzessin Gabriella hatten einen grossen Auftritt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Mamablog Beisshemmung vor der Zahnspange

Geldblog Softwarefirma profitiert von Banken unter Druck

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Nichts für schwache Arme: Chinesische Arbeiter formen ein Tonfass in einer Porzellanfabrik in Jingdezhen (23. September 2017).
Mehr...