Trotz Flugscham an die Wintersonne

Das nasskalte Winterwetter ist nicht jedermanns Sache. Warme – oder zumindest wärmere – Destinationen lassen sich auch per Zug erreichen.

Mit steigender Flugscham und wissenschaftlich bewiesenen Auswirkungen des Fliegens auf das Klima lohnt es sich, Nahziele wie Nizza für die Winterferien ins Auge zu fassen. Foto: Unsplash

Mit steigender Flugscham und wissenschaftlich bewiesenen Auswirkungen des Fliegens auf das Klima lohnt es sich, Nahziele wie Nizza für die Winterferien ins Auge zu fassen. Foto: Unsplash

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Kälte, Nässe, kurze Tage, dicke Kleider: Es gibt Menschen, die den Winter mögen. Die sich auf Skipisten, Loipen und Eisbahnen tummeln oder in Saunen, Spas und Wellnessoasen aufwärmen. Andere aber vermissen Sonne und Wärme und wollen dennoch nicht mit dem Flugzeug an ferne Gestade verreisen.

Es müssen wirklich nicht die Karibik, die Malediven oder das Rote Meer sein. Auch im südlichen Europa finden sich angenehme Orte, an denen es im Winter sonnig und mild ist. Und: Diese Orte sind alle mit dem Zug erreichbar.

Triest (ITA)

Fotos: Pixabay

«Meine Seele ist in Triest», schrieb der irische Schriftsteller James Joyce, der von 1905 bis 1915 dort lebte, als Triest noch zum Kaiserreich Österreich-Ungarn gehörte. Diese Atmosphäre ist heute noch zu spüren, etwa in den monumentalen Bauten der einstigen maritimen Versicherungsanstalten und ganz besonders in den Kaffeehäusern. Wintertemperaturen von acht bis zehn Grad sind zwar nicht wirklich frühlingshaft. Aber ein Spaziergang entlang des Meeres, Flanieren in der schön restaurierten Altstadt oder ein Besuch des Castello di San Giusto und der Kathedrale San Giusto oberhalb der Stadt stimmen einen mild.

Ab Zürich beträgt die Reisezeit gut acht Stunden: mit Umsteigen auf den Hochgeschwindigkeitszug Frecciarossa entweder in Milano Centrale oder in Venezia Mestre.

Apulien (ITA)

Wärmer, bis zu 15 Grad, ist es in Apulien am «Absatz» des italienischen Stiefels. Dazu bietet die Gegend zahllose Sehenswürdigkeiten und attraktive Orte, etwa die Barockstadt Lecce, die Hafenstädte Bari und Brindisi, die weisse Stadt Ostuni auf einem Bergrücken, Alberobello mit den charakteristischen Rundhäusern, den Trulli, oder das mittelalterliche Otranto. Apulien ist berühmt für sein Olivenöl. Auch der Weinbau ist weit verbreitet. Zusammen mit dem Fang aus dem Meer kommen so kulinarische Köstlichkeiten auf den Tisch, die man sich gern einverleibt.

Eine Bahnreise nach Apulien kostet Zeit: ab Zürich 14 bis 15 Stunden. Von Milano Centrale gibt es direkte Züge nach Bari, Brindisi und Lecce. Oder man fährt nach Milano Centrale, steigt dort in den Zug nach Piacenza um, wo man den Nachtzug nach Bari oder Brindisi nimmt und die Fahrt schlafend hinter sich bringt.

Catania (ITA)

Auf Sizilien sind die Wintermonate noch milder: 15 bis 20 Grad. Man reist zum Beispiel nach Catania, eine der fantastischen spätbarocken Städte im Val di Noto, zu denen auch Modica, Ragusa, Scicli und weitere gehören. Ihre Attraktivität haben sie einem zerstörerischen Erdbeben von 1693 zu verdanken, nach welchem sie im einheitlichen Stil wiederaufgebaut wurden. Die Unesco nahm sie 2002 als «herausragendes Zeugnis für den überschwänglichen Genius spätbarocker Kunst und Architektur» ins Verzeichnis des Weltkulturerbes auf. Rund um Catania gibt es weitläufige Strände, die zwar im Winter nicht zum Baden, aber zu ausgedehnten Spaziergängen laden.

17 bis 19 Zugstunden muss man ab Zürich rechnen: Von Milano Centrale fährt man mit dem Frecciarossa nach Roma Termini oder Neapel und nimmt dort den direkten Nachtzug (elf Stunden ab Rom, acht ab Neapel), der den Golf von Sizilien auf einer Fähre überquert.

Nizza und Cannes (FRA)

Viel näher liegt die südfranzösische Côte d’Azur. Und doch ist es z.B. in Cannes oder Nizza auch in den Wintermonaten bis 15 Grad warm, genug, um sich tagsüber an der Sonne einen Kaffee oder einen Aperitif auf der Strandpromenade zu genehmigen. Diese heisst übrigens in Nizza Promenade des Anglais und ist sieben Kilometer lang; in Cannes nennt sie sich Croisette und hat eine Länge von zwei Kilometern. Nizza ist eine Grossstadt mit vielen Kirchen, Museen, Einkaufsstrassen und einer attraktiven Altstadt mit vielen kleinen Bistros. Cannes ist viel kleiner, gilt aber als Treffpunkt der Reichen und Schönen.

Die Bahnfahrt ab Zürich mit Umsteigen in Milano Centrale dauert rund neun Stunden. Alternativ fährt man mit dem TGV nach Dijon und von dort ebenfalls im TGV nach Nizza.

Barcelona und Valencia (ESP)

Die Millionenstadt Barcelona bietet mit Höchsttemperaturen um 15 Grad ein angenehmes Winterklima. Allerdings ist die Metropole Kataloniens einer der Hotspots des Städtetourismus, und man riskiert, auch im Winter auf Menschenmassen zu stossen, vor allem auf der Flaniermeile La Rambla, rund um die Jugendstil-Kathedrale Sagrada Familia und im «Gotischen Viertel», der Altstadt. Wer noch mehr Wärme (16 bis 25 Grad) sucht, fährt weiter südwestwärts, zum Beispiel nach Valencia. Die Stadt, Ursprungsort des Nationalgerichts Paella, bietet zahlreiche kulturelle und architektonische Schätze, Museen, historische Brücken und dazu eine bekannte Partymeile, die Ruta Destroy.

Bis 2012 gab es einen Nachtzug zwischen Zürich und Barcelona, Pau Casals genannt. Dieser ist Geschichte. Doch immer noch gelangt man in rund elf Stunden in die Hauptstadt Kataloniens, und zwar via Paris Gare de Lyon mit dem TGV oder mit Umsteigen in Genf und Lyon und von dort mit dem spanischen Hochgeschwindigkeitszug AVE. Nach Valencia sind es ab Barcelona nochmals drei Bahnstunden.

Lissabon (POR)

Die Hauptstadt Portugals am Atlantik gehört zu den attraktivsten europäischen Destinationen. Das Stadtbild stammt aus dem 18. Jahrhundert, weil die Stadt 1755 durch ein Erdbeben, einen Tsunami und einen Grossbrand vollständig zerstört wurde. Die Stadt strömt eine ganz besondere, leicht melancholische Atmosphäre aus, ausgedrückt im Fado, dem in vielen Lokalen vorgetragenen Gesang, der den ganzen Weltschmerz ausdrückt. In Lissabon kann man im Winter mit Höchsttemperaturen von etwa 16 Grad rechnen. Noch wärmer, nämlich bis 20 Grad, ist es an der Algarve, zum Beispiel im Badeort Albufeira.

Der «Nachtzug nach Lissabon» ist dank dem Bestseller gleichen Namens ein stehender Begriff geworden. Im Roman verkehrt der Zug ab der Stadt Irún im spanischen Baskenland, in Wirklichkeit ab dem französischen Nachbarort Hendaye. Dorthin zu gelangen, ist mühsam, vor allem, weil man in Paris den Bahnhof wechseln muss (vom Gare de Lyon zum Gare Montparnasse). Insgesamt ergibt das eine Fahrt, die sich vermutlich nur eingefleischte Bahnfans antun wollen: volle 24 Stunden, 13 davon im Nachtzug. Wer nach Albufeira weiterreisen möchte, muss noch mal zweieinhalb Stunden rechnen.


Ein Beitrag von Travelcontent.

Erstellt: 06.11.2019, 16:01 Uhr

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