In Friedrichshafen legen nicht nur Fähren an

Wer Wasser liebt, kommt in der Industrie- und Messestadt am Bodensee auf seine Kosten – ob man Spass sucht oder als Segler Ambitionen hat.

Seepromenade und lauschige Uferwege: Friedrichshafen ist aufs Wasser ausgerichtet. Fotos: Getty Images

Seepromenade und lauschige Uferwege: Friedrichshafen ist aufs Wasser ausgerichtet. Fotos: Getty Images

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Über Konstanz türmen sich schwarze Wolken. Böen bringen den Bodensee zum Kochen. Hektisch irrlichtert die Sturmwarnung von Immenstaad. Wie aus dem Nichts tauchen zwei Surfer in der Manzeller Bucht auf, montieren die Segel und stechen in See. «Wir Friedrichshäfler sind ein sportliches Völklein», sagt Peter Wurst. Der pensionierte Lehrer hat vor einem Monat noch die letzte Skitour der Saison absolviert, jetzt steht er am Eingang des Strandbades von Fischbach am Stadtrand von Friedrichshafen und kündigt an: «Sobald die Temperaturen etwas steigen, springe ich täglich in den Bodensee.»

Wie Wurst halten es viele in der 60'000 Einwohner zählenden Industrie- und Messestadt. Promenade, lauschige Uferwege, diverse Strandbäder und Badebuchten: Friedrichshafen richtet sich ganz aufs Wasser aus. Frank Abersbach hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Von Mai bis Ende September tourt er mit einem 40'000 Euro teuren Rippenschlauchboot über den Bodensee.

Die Mutigen probieren die Tubes aus

Im Schlepptau der 100-PS-Maschine: eine gelbe Kunststoffbanane, wie man sie aus Rimini kennt, oder bis zu drei Tubes, eine Art überdimensionierte Lastwagenschläuche. Auf den Schwimmkörpern ein gut gelauntes Publikum, das Nervenkitzel sucht. «Ich kann mit meinen Manövern jeden ins Wasser spedieren», sagt Abersbach. «Natürlich schaue ich mir die Leute an, gehe nie ein Risiko ein.» Neongrüne Helme sind Pflicht, empfehlenswert Schwimmwesten. «Auf den Tubes geht es ganz schön zur Sache», so der Chef von Wasserspass Bodensee, «sie gehorchen den Gesetzen der Fliehkraft, schwingen weit aus.» Der gelernte Offsetdrucker hat die Bootsvermietung beim städtischen Strandbad vor zwei Jahren übernommen. Der Extremsommer 2018 brachte grossen Zulauf, doch das Niedrigwasser hatte seine Tücken: «Zwei Schiffsschrauben gingen kaputt», sagt Abersbach, «obwohl wir die Motoren beim Anlanden jeweils hochziehen.»

Solch ein Missgeschick kann Moritz Rieger nicht unterlaufen, wenn er mit seinem Bruder Max und den Kameraden vom Württembergischen Yacht-Club aufkreuzt. Moritz und Max führen nicht nur in dritter Generation das City Hotel Krone in Friedrichshafens Fussgängerzone. Die Zwillinge gehören auch zum Kader der Bundesligamannschaft ihres Clubs. Max ist Steuermann, Moritz bedient als Trimmer Vorsegel und Gennaker.

In der Crew auf der schnittigen Kieljolle der Bootsklasse J/70 arbeiten auch ein Taktiker und ein Vorschiffsmann. Segler aus Friedrichshafen gehören zu den besten Deutschlands. «Auf dem Bodensee lernt man, mit schwierigen Bedingungen umzugehen», erläutert Moritz Rieger, «Winde drehen schnell, die Böen sind unberechenbar. Man muss die Landschaft kennen, um zu antizipieren», sagt der junge Hotelier.

Das Schussen-Delta hält reichlich Nahrung bereit

Wenn Gerhard Kersting an der Mündung der Schussen steht, sieht der Biologe die Segelboote nur aus der Ferne. Um das Delta ist der Bodensee seicht, erwärmt sich schnell. Wasserpflanzen, Mückenlarven und weiteres Kleingetier bilden reichlich Nahrung für Fische und Vögel. Kersting ist Leiter des Naturschutzzentrums Eriskircher Ried.

Das 5,5 Quadratkilometer umfassende Schwemmland an der Peripherie Friedrichshafens wurden 1939 unter Schutz gestellt. Das Reservat beherbergt im Winter riesige Schwärme rastender Zugvögel. «Im November zählten wir 30'000 Enten», sagt Kersting. «Auch die Singschwäne aus Finnland waren wieder hier.» Schwarzpappeln und Silberweiden werfen Schatten auf die Streuwiesen, wo die wunderbare Sibirische Schwertlilie gedeiht. Am Himmel steht ein Turmfalke.

Kersting horcht hinein in die von Altläufen durchzogene Wildnis, hört den Gesang der Grasmücke und den hellen Schrei des Eisvogels. Aber trotz des Konzerts zeigt sich keine Erleichterung auf dem Gesicht des Wissenschaftlers. «Wo bleibt die Nachtigall?», fragt er. «Sie müsste schon längst hier sein.» Wie zum Trost startet ein Kuckuck seinen melodischen Lockruf, und in der Ferne ertönt das Horn des Katamarans, der nach Konstanz ablegt.

Die Reise wurde unterstützt von der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH und www.germany.travel

Erstellt: 18.05.2019, 16:36 Uhr

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Anreise: Mit der Fähre von Romanshorn, www.sbb.ch; mit dem Katamaran von Konstanz nach Friedrichshafen, www.der-katamaran.de

Unterkunft: City Hotel Krone: DZ ab 159 Euro, www.hotel-city-krone.de

Arrangement: Veloreise «Bodenseeveloweg», 6 Tage ab 655 Fr.p.P., www.baumeler.ch

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