Musik aus der Seele

Für einen Fado-Abend in Lissabon sollte man genügend Zeit einplanen – und keinesfalls schwatzen.

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Die Stimme von Sandra Correia rührt zu Tränen. Die Fado-Sängerin steht mitten in der kleinen Taverne, das Licht ist gedämpft. Ohne Mikrofon singt sie von verflossener Liebe und Schmerz. An den Tischen sitzen Menschen aus der ganzen Welt: ein Ärzteehepaar aus Boston, betrunkene Norweger, italienische Hipster. Mit anerkennenden Rufen outen sich andere als Portugiesen.

Das Lied ist zu Ende, das Licht flammt wieder auf. Aus der Hipstergruppe löst sich ein junger Mann, geht auf Correia zu und bedankt sich mit feuchten Augen. «Aber Sie verstehen doch gar nicht, was ich singe», sagt sie. «Doch, doch, ich verstehe», antwortet der Italiener ergriffen und umfasst ihre Hände.

Fado ist die Musik Lissabons. «Fado kommt aus der Seele, es ist immer eine Geschichte, die erzählt wird. Die Leidenschaft darin will ich übertragen», sagt Sandra Correia während einer Gesangspause. «Mein Vorbild ist Amália Rodrigues, die Fado-Königin. Als ich sie als Dreijährige zum ersten Mal hörte, wusste ich, dass ich Fadosängerin werden möchte.» Dann senkt sie die Stimme und erklärt: «Zur Fado-Sängerin musst du geboren sein. Ich habe das nie gelernt, es passierte einfach.»

Sandra Correia singt im kleinen Lokal Tasca Bela drei bis fünf Lieder. Danach gibt es eine Pause, in der die Gäste essen und trinken können. Serviert werden Petiscos, mit Tapas vergleichbar, kleine Schalen gefüllt mit Oliven, Kichererbsen mit Kabeljau, Salaten und Tintenfisch. Getrunken werden Bier und viel Wein.

Zwei Gitarristen begleiten Sandra Correia. Einer spielt die klassische sechssaitige Gitarre, der andere eine portugiesische Variante mit zwölf Saiten, das ist die traditionelle Fado-Besetzung. Die klassische Gitarre spielt Akkorde und kurze Bassläufe, die portugiesische übernimmt Melodiefragmente und unterstützt die Sängerin.

«Du musst dir die ganze Nacht reservieren»

Manuel Marçal ist Fado-Sänger und führt Touristen in die Welt des Fado ein. «Ein Fado wird nie zweimal genau gleich gesungen. Es gibt traditionelle Fados, zu denen verschiedene Texte gesungen werden können. Die Sänger erzählen immer eine Geschichte, meistens fehlt ein Refrain.» Manuel betont, wie wichtig die korrekte Phrasierung ist. Und er verlangt absolute Ruhe, wenn die Musiker spielen.

Als ein Cajon-Trommler dazustösst, verdüstert sich seine Miene, und er verlässt das Lokal. Wir folgen ihm und fragen, was los sei. «Es ist nicht dasselbe, wenn die Musiker der Trommel folgen müssen. Im Fado bleibt es entscheidend, dass die Musiker dem Sänger folgen, nicht umgekehrt», sagt Manuel. Er hat nicht unrecht, es geht mit der Trommel tatsächlich etwas von dem feinen Gleichgewicht zwischen Gitarristen und Sängerin verloren.

Neben Trommeln gibt es für Manuel ein zweites Ärgernis: Besucher, die sich für einen Fado- Abend nicht genügend Zeit nehmen. «Du musst dir die ganze Nacht reservieren, du kannst nicht um 23 Uhr im Bett liegen.»

Die Reise wurde unterstützt von TAP Air Portugal. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.08.2018, 17:55 Uhr

Zu einem Abend in Lissabon gehören der Fado von Sandra Correia.

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