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Startklar für Überraschungen

Der einstige Flughafen Tempelhof ist heute eine Oase der Ruhe mitten in Berlin – und eines von mehreren touristischen Highlights.

Picknick auf dem Tempelhofer Feld: In dieser Idylle landeten vor 70 Jahren die Flugzeuge im 30-Sekunden-Takt, um die Stadt zu versorgen Foto: Gordon Welters (Laif)
Picknick auf dem Tempelhofer Feld: In dieser Idylle landeten vor 70 Jahren die Flugzeuge im 30-Sekunden-Takt, um die Stadt zu versorgen Foto: Gordon Welters (Laif)

Eine Weltmetropole wie Berlin erfindet immer wieder Neues. Schliesslich sollen die 3,5 Millionen Einwohner und die 13 Millionen Touristen, die pro Jahr an die Spree reisen, bei Laune gehalten werden. Wer das Brandenburger Tor oder die Museumsinsel kennt, über den Ku’damm oder Unter den Linden flanierte, ist reif für drei Sehenswürdigkeiten, die viel mit Berliner Geschichte zu tun haben.

Tempelhof:Freie Bahn für die Natur

www.thf-berlin.de

Eine steife Brise zerrt an den Frisuren. Feldlerchen jubilieren am Himmel. Jogger, Skater und Velofahrer liefern sich auf dem Oval des sechs Kilometer langen ehemaligen Taxiways Wettrennen.

Kaum zu glauben, dass vor bald 70 Jahren amerikanische Flugzeuge im 30-Sekunden-Takt in dieser Idylle landeten. Die westlichen Alliierten versorgten über Tempelhof die von den Sowjets eingekesselte Stadt. Der «Platz der Luftbrücke» erinnert vor dem Flughafen daran. 2008 verschwanden die letzten Flugzeuge vom Areal, das mit 355 Hektaren die grösste innerstädtische Freifläche der Welt bildet.

Was damit geschehen soll, bleibt unklar. Die Berliner Stimmbürger sprachen sich im Mai 2014 überraschend gegen eine teilweise Bebauung und kommerzielle Nutzung des Tempelhofer Feldes aus. So gehört der Park weiterhin den Outdoorsportlern, Spaziergängern und picknickenden Familien.

Die wahre Attraktion bleibt das gigantische Flughafengebäude mit Terminals und integrierten Hangars. Ein fast 400 Meter langes Dach schützte die Passagiere beim Ein- und Aussteigen vor Regen. Tempelhof war ein Prestigeprojekt Adolf Hitlers. Nach drei Jahren Bauzeit mussten 1939 die Arbeiten unterbrochen werden, das Terminalgebäude wurde 1951 von den Amerikanern vollendet. In den letzten Jahren legte Tempelhof eine kurze Karriere als coole Event-Location hin. Seit die Stadt das viertgrösste Gebäude Europas als Flüchtlingsunterkunft nutzt, gibt es jedoch kaum mehr Veranstaltungen.

Spy Museum:Blick in die Schattenwelt

Deutsches Spionagemuseum, Leipziger Platz 9, www.deutsches-spionagemuseum.de

Giesskanne, Zündholzschachtel, Lippenstift – unspektakuläre Allerweltsgegenstände mit spektakulärer Wirkung: Mit der doppelbödigen Giesskanne fotografierten als Friedhofsgärtner getarnte Agenten feindliche Trauergesellschaften. Und in der Schachtel befand sich eine Minikamera. Auslöser: zwei Streichhölzer, die man zusammenschob. Der Lippenstift, sowjetisches Modell, funktionierte als Ein-Schuss-Pistole.

Die Preziosen aus der Schattenwelt sind im 2015 eröffneten Deutschen Spionagemuseum zu bewundern. Das Berlin des Kalten Krieges war ein Paradies für Agenten, Chiffrierer und Spione. Das einzige Spionemuseum Deutschlands schlägt einen weiten historischen Bogen von den biblischen Kundschaftern bis zu den Hackern des digitalen Zeitalters.

«Wir wollen nicht missionieren», betont Christoph Ewering, der durch das 3000 Quadratmeter grosse Museum führt. «Jeder Besucher soll sich selber eine Meinung bilden.» Ewering geleitete kürzlich eine Gruppe grauer Herren. Sie nickten anerkennend raffinierten Kameras zu, die sich hinter Hemd und Krawatte oder im Decolleté verbergen liessen. Sie studierten das Enigma-Monster, mit dem Wehrmacht und Alliierte dank dreier rotierender Buchstabenwalzen Meldungen verschlüsselten, und sie betrachteten mit unbewegter Miene das Bild der Glienicker Brücke zwischen Ost und West, wo nicht nur in düsteren Spionagefilmen Agenten ausgetauscht wurden. Als ranghohe Stasi-Mitarbeiter waren die jetzt harmlosen Besucher einst selbst Teil des Systems.

Deutsches Filmmuseum:Besuch bei Marlene

Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Str. 2, www.deutsche-kinemathek.de

Old Shatterhand, Romy Schneider und Mutter Magda oder Horst Buchholz als europäischer James Dean begleiten den Besucher auf dem zum Teil geheimnisvoll verspiegelten Weg durch das Deutsche Filmmuseum am Potsdamer Platz. Es zeigt nur fünf Promille des Bestandes der Deutschen Kinemathek, schafft es aber mühelos, die Geschichte von Film und Kino zu erzählen und die wichtigsten nationalen Protagonisten zu würdigen. Ein ganzer Raum ist Marlene Dietrich gewidmet. Die gebürtige Berlinerin übersiedelte von Nazideutschland nach Amerika und kam erst in den 60ern in die Heimat zurück, wo sie von Teilen der Bevölkerung und Presse als «Vaterlandsverräterin» beschimpft wurde. Die legendäre Schauspielerin, Hollywood- und Stilikone zog Paris als Wohnort vor. Ihre Familie hat dem Museum einiges vom Nachlass übergeben. So bewundert man Film-, Auftritts- und Privatkostüme und delektiert sich nebenbei an Marlenes Liebhabern, von Jean Gabin bis John Wayne. Zwar war sie ein Leben lang mit demselben Mann verheiratet, doch hatte sie Liebesaffären mit zahlreichen Männern und Frauen. Und in einer Vitrine wartet ein Schmuckstück: das Modell des Dampfschiffes, das Werner Herzog in «Fitzcarraldo» im südamerikanischen Dschungel eingesetzt hatte. Er liess zwar ein Schiff in Originalgrösse von Komparsen über einen Gebirgszug ziehen, für den Einsatz im wilden Wasser setzte der Regisseur aber vorsichtshalber auf das Modell.

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