Tanz um Schmalznudeln und Krustenbraten

In München kommt Deftiges auf den Tisch. Auch deshalb ist die Bayern-Metropole äusserst beliebt bei Schweizern – einige Tipps.

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In knapp drei Wochen beginnt in München das Oktoberfest – die berühmteste Volksbelustigung auf dem Globus. Da es in der Schweiz selbst in Provinzkäffern längst straff orchestrierte Oktoberfeste gibt, darf der zu feuchtfröhlicher Gemütlichkeit neigende Eidgenosse die original «Wies’n» getrost auslassen. Ein Besuch in der bayerischen Hauptstadt lohnt sich aber vor und nach dem Ozapft-is-Massenevent.

«Die Schweizer lieben München» sagt Helga Strohmayr, erfahrene Mitarbeiterin bei München Tourismus, «sie nehmen München als überschaubare Grossstadt wahr und reisen für Kultur, Shopping, Fussball und Genuss an.» Die Tipps der Sonntags­Zeitung für München-Besucher, die keine Kostverächter sind:

Bier nur aus dem Holzfass

Selbst für Spassbremsen ist ein Besuch in einem Münchner Brauhaus Pflicht. Sechs grosse Brauereien stellen innerhalb der Stadtgrenzen Bier her – die kultigste ist die Augustiner-Bräu. Sie verkauft den Gerstensaft, der offen gezapft wird, nur in Holzfässern und nur in einem engen Radius um München, der Qualität zuliebe. Unverfälschte Münchner Ambiance herrscht im Augustiner am Dom, wo Stadtoriginale, Bayern-Fans und staunende Touristen an Holztischen sitzen und sich bei Knödel, Krustenbraten und Leberkäs versündigen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Lärmpegel in dem urigen Lokal; die Bedienung arbeitet unzimperlich, aber flink.

Slowfood und Fettgebäck

Spinat-Cannelloni mit Ricotta­füllung, Lammleber an Rosmarin, Entrecôte vom bayerischen Ochs: Die Speisekarte im Conviva an der Rückseite der Münchner Kammerspiele deutet auf ein trendiges Slowfood- Lokal hin – und das Essen schmeckt prima. Ungewöhnlich ist nicht etwa das Fernbleiben der lokalen Bussi-Bussi-Gesellschaft im «Blauen Haus», sondern die Zusammensetzung der Crew: Von 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leben 18 mit einem geistigen oder psychischen Handicap. Auf das Tempo hat das keinen Einfluss. Das Essen kommt zur Mittagszeit im voll besetzten Conviva flugs.

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Eine Münchner Institution ist die Schmalznudel im Café Frischhut beim Viktualienmarkt. Für kleines Geld wird ofen­warmes Fettgebäck wie Striezel und «Aus’zogne» Schmalznudeln serviert. Für Nachtschwärmer: Das Frischhut öffnet schon um 5 Uhr morgens. Schmalznudel-Café Frischhut, Prälat-Zistl-Strasse 8, 80331 München, Tel. +49 89 260 23156

Mühlenbrot und Italianità

Gleich neben dem berühmten Hofbräuhaus verkauft eine Bäckerei traditionelle Backwaren wie Semmelweckerl, Kurfürst­laiberl oder Münchner Schwarzbrot. Das Besondere: Das Mehl kommt aus der hauseigenen Mühle, 1703 als kurfürstliche Walzmühle gegründet. Das am längsten halt­bare Souvenir aus der Hof­bräu-Kunstmühle ist das Schüttelbrot, das auch nach einem Jahr noch schmeckt.

Gleich um die Ecke dudeln Cantatori aus den Lautsprechern – es riecht nach Espresso, eingelegten Oliven und Salami. Eataly ist ein Indoor-Markt mit italienischen Köstlichkeiten und südländischem Flair. Das Sortiment stammt von kleinen italienischen Herstellern, im Keller findet sich eine Kochschule, im Ober­geschoss ein Restaurant mit regionaler italienischer Küche. Eataly wurde 2015 eröffnet in der wiederaufgebauten Schrannenhalle, die ab 1856 den Münchner Getreidegrossmarkt und später einen Laden für Billigfleisch beherbergt hatte.

Wohnstube am Marienplatz

Mitten in der Bayern-Metropole eröffnet demnächst Münchens ungewöhnlichstes Hotel: Die Residenz Beyond by Geisel hat 19 Zimmer und Suiten, die sich auf zwei Etagen um eine riesige Wohnstube gruppieren. Zugang zum von den Geisel-Privathotels betriebenen Haus geniessen nur Hotelgäste, für die ein Koch nach Wunsch das Lieblingsgericht zubereitet. www.beyond-muc.de

Allgemeine Informationen www.muenchen.de


Die Reise wurde unterstützt von www.railtour.ch. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.08.2017, 15:31 Uhr

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