Das Meer frisch in Szene gesetzt

Die Genfer Reederei MSC Cruises mischt mit dem neuen Flaggschiff MSC Seaside die Kreuzfahrtbranche auf. Grosszügige, tief angelegte Aussenflächen versprechen mehr Nähe zum Wasser.

Vom Pooldeck 7 hinten hat man einen einmaligen Blick auf die Weite der See: Die MSC Seaside bei der Präsentation im Hafen von Triest. Foto: PD

Vom Pooldeck 7 hinten hat man einen einmaligen Blick auf die Weite der See: Die MSC Seaside bei der Präsentation im Hafen von Triest. Foto: PD

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Wie die Front eines Aparthotels am Strand von Miami Beach, die Balkone in dezentem Art-déco-Stil, ragt der schmale, dominante Heckaufbau des neuen Kreuzfahrtschiffes in die Höhe. Zwei Panoramalifte führen auf Deck 16, wo sich 40 Meter über dem Wasserspiegel eine Glasbrücke über den Abgrund schwingt. Selbst Mutige wagen nur zaudernd einen Blick in die Tiefe auf das hinten von der Weite des Meeres umgebene Pooldeck 7. Diese unmittelbare Nähe zum Wasser ist auch auf den breiten seitlichen Aussenpromenaden zu erleben, die das Schiff auf Deck 8 fast umrunden. Draussen flanieren, parlieren und speisen: Freiluftaktivitäten erhalten auf der MSC Seaside eine neue Bedeutung.

Das hautnahe Erlebnis Meer, eigentlich wichtige Motivation für eine Seereise, ging auf vielen grossen Kreuzfahrtschiffen über die Jahre etwas verloren. Die auf älteren Schiffen noch anzutreffende Frischluftpromenade oder das ausladende Heck mussten auf neuen Ozeanriesen zunehmend einer vielfältigen und spektakulären Bordinfrastruktur im Innern und einer maximalen Zahl an Kabinen weichen – nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen. Die Reedereien wollen möglichst viele Passagiere auf den Schiffen beherbergen, die in den Spezialitätenrestaurants, Bars und Shops tüchtig konsumieren und einkaufen. Die Anbordeinnahmen werden angesichts des intensiven Preiswettbewerbs für viele Reedereien zur «Butter aufs Brot».

Bars an der frischen Luft

So haben sich Kreuzfahrtschiffe zu eigentlichen Destinationen entwickelt, wo sich das Aussenleben meist nur auf den obersten Decks abspielt. Aussenpromenaden verkümmerten zu wenig attraktiven Durchgängen unter den Rettungsbooten. Dies mag bei Schiffen, die in Nordeuropa oder Alaska kreuzen, durchaus sinnvoll sein. Die meisten Cruiseliner tummeln sich aber in sonnigen Warmwasserrevieren wie der Karibik oder dem Mittelmeer, wo das Bedürfnis nach mehr Nähe zum weiten Meer offensichtlich ist.

Dies hat vor einigen Jahren bereits Norwegian Cruise Line begriffen und auf der Norwegian Breakaway mit der Waterfront eine neuartige und mit Ablegern von Bars und Restaurants belebte Promenade an der frischen Luft lanciert. Dieses Konzept wurde derweil auch auf Neubauten der Reedereien Costa, Aida und Carnival übertragen.

Das Atrium versprüht als zentraler abendlicher Treffpunkt weiträumige Grandezza. Foto: PD

Die MSC Seaside geht noch einen Schritt weiter. Sie bietet nicht nur die grössten Aussenflächen im Verhältnis zur Passagierzahl, sondern setzt auch mit dem im Beach-Club-Design gehaltenen Heck neue Akzente. «Wir nehmen heute die Vorreiterin einer neuen Generation von Warmwasserschiffen in Betrieb», erklärte Reedereichef Pierfran-cesco Vago kürzlich an der Präsentation des Schiffes in Triest nicht zu Unrecht. Mit einer Bruttoregisterzahl (BRZ) von 153'516 vermessen, ist das 14. Schiff der Flotte von MSC Cruises zugleich das grösste je in Italien gebaute Kreuzfahrtschiff. Bei Doppelbelegung der Kabinen finden auf dem Neubau 4132 Passagiere Platz, was eine im Volumensegment übliche Verhältniszahl («space ratio», BRZ geteilt durch Passagiere) von 37 ergibt. Im Premium- und Luxussegment liegt der Wert bei 50 bis 70.

Es ist offensichtlich, dass sich die Schiffsbauer einiges einfallen liessen, um die Passagierströme an Bord so gut wie möglich zu entflechten – ja kein Massengefühl aufkommen zu lassen, ist heute die Devise auf grossen Cruiselinern. Auf eine dominante, innen gelegene Flaniermeile wurde bei der MSC Seaside verzichtet. Die unzähligen Restaurants, Bars, Clubs, Shops und weitere Lokalitäten sind auf drei Decks über das ganze Schiff verteilt. Nur das in Weiss, Silber und Anthrazit schillernde Atrium versprüht als zentraler abendlicher Treffpunkt weiträumige Grandezza. Dank insgesamt vier Pools, verteilen sich tagsüber auch die Sonnenanbeter auf verschiedenen Lieblingsplätze.

Grosszügige Familienkabinen

Natürlich wurde auf der Seaside auch die «Destination Schiff» weiterentwickelt, das vielfältige, kompakte Bordangebot eines schwimmenden Ferienresorts. Für die Kulinarik stehen zwei Haupt- und zwei Buffetrestaurants und sechs Spezialitätenrestaurants zur Verfügung, darunter das dreigeteilte Asian Market Kitchen von Spitzenkoch Roy Yamaguchi. Nebst 20 Bars, Clubs und Lounges oder den Shows im grossen Theater sorgen eine Bowlingbahn, das 5-D-Kino oder ein Formel-1-Bolide für Kurzweil.

Die taktische Ausrichtung von MSC Cruises als Kreuzfahrtreederei für die ganze Familie prägt auch die neue MSC Seaside. Ein Renner für Jung und Alt ist oben an Deck der grosse Aquapark mit zum Teil interaktiven Rutschen, die über die Seitenwand des Schiffes hinausragen. Nervenkitzel verspricht ebenso die Zipline, eine Seilrutsche, die sich hoch über das Deck spannt. Innovativ sind die neuen modularen Familienkabinen für bis zu zehn Personen. Wer sich mehr Luxus in einem abgesonderten, gediegenen Bereich gönnen möchte, kann auch auf diesem Schiff den MSC Yacht Club buchen, inklusive eigenem Restaurant, Lounge und Sonnendeck mit Pool.

Die Seaside hat inzwischen Europa verlassen und kreuzt auf dem Nordatlantik nach Miami, ihrem Heimathafen. Hier wird das Schiff am 21. Dezember von Sophia Loren getauft und unternimmt danach ganzjährig Seereisen in der Karibik. «Bereits die Vorausbuchungen zeigen, dass die MSC Seaside unser stärkstes Schiff in der Karibik wird», sagt Sylvie Boulant, Schweiz-Managerin von MSC Cruises. Wer nicht so weit reisen möchte, um das spezielle Schiff zu erleben, muss sich in Geduld üben: Im nächsten Sommer nimmt die Reederei das erste Schwesterschiff MSC Seaview in Betrieb, das im Mittelmeer unterwegs sein wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.12.2017, 17:46 Uhr

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Tipps und Infos

MSC Seaside: 323 Meter lang, 41 Meter breit, 16'000 Tonnen, Geschwindigkeit 21,3 Knoten, 20 Decks, 2066 Kabinen.

Routen – Östliche Karibik: 8 Tage Miami/Florida–Philipsburg/St. Maarten–San Juan/Puerto Rico–Nassau/Bahamas–Miami.

Routen – Westliche Karibik: 8 Tage Miami/Florida–Ocho Rios/Jamaika–Georgetown/Cayman- Inseln–Cozumel/Mexiko–Nassau/Bahamas–Miami.

Preise: Innenkabine je nach Saison zwischen 599 und 1399 Fr. p. Person, Balkonkabine zwischen 969 und 2189 Fr. p. Person (ohne Flug).

Buchen: Bei spezialisierten Veranstaltern wie Hotelplan, Kuoni, Knecht und Kreuzfahrt-Agenturen Cruisecenter, Cruisetour, Cruiseline) oder bei MSC Cruises in Basel. www.msckreuzfahrten.ch.

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