Der Renner ist das Mittelmeer

Schweizer Schiffsreisende buchen lieber Balkon- als Innenkabinen. Fakten und Trends zur vielseitigen Ferienformel Kreuzfahrt.

Schiff ahoi. Das Kreuzfahrtschiff Costa Diadema im Hafen von Triest. Foto: PD

Schiff ahoi. Das Kreuzfahrtschiff Costa Diadema im Hafen von Triest. Foto: PD

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26 Millionen Menschen haben im letzten Jahr weltweit eine Hochseekreuzfahrt unternommen – das ist ein neuer Rekord. Für die Schweiz geht die Industrielobby Clia (Cruise Lines International Association) von jährlich 140'000 Passagieren aus, was einem Anteil am globalen Aufkommen von gerade mal 0,5 Prozent entspricht. Mit dieser Zahl sind die Anbieter von Schiffsreisen nicht unzufrieden, wie eine Umfrage der SonntagsZeitung bei führenden Veranstaltern und Spezialisten zeigt. Die Schweizer sind bekannt dafür, sich etwas zu gönnen, buchen lieber eine Balkonkabine als eine Innenkabine und schätzen auch längere Seereisen. «Sie wählen dabei oft eine Premium- oder Luxusreederei», sagt Marco Strub von Hotelplan.

Die Schweizer Passagierzahlen stag-nierten gemäss Clia allerdings in den letzten Jahren, während weltweit die Kreuzfahrtnachfrage steigt. Das könnte damit zusammenhängen, dass immer noch Buchungen in Deutschland getätigt werden, «obwohl die Harmonisierung der Preise mit dem Ausland bereits stattgefunden hat», wie George Studer vom Cruise Center ausführt. Addiert man die geschätzte Zahl der Crossborder-Buchungen, dürfte sich der Markt Schweiz heute effektiv zwischen 160'000 und 170'000 Passagieren bewegen.

Das Durchschnittsalter der Reisenden ist gesunken

Einige Anbieter vermuten, dass Superlative rund um die spektakulären neuen Megaliner für 5000 Passagiere und mehr Kundschaft abschrecken könnten. Für diese Art von Schiffs- reisen müsse man ein neues Publikum gewinnen. «Denn Kreuzfahrten gelten bei jüngeren Gästen nicht unbedingt als cool», sagt Sabrina Landi von The Cruise Line. Das einstige Vorurteil, Kreuzfahrten seien eine Reiseformel für ältere Menschen, ist heute weitgehend aus den Köpfen verbannt. Nun kämpfen die Schiffsreisen eher gegen das neue und ebenso pauschalisierende Vorurteil eines aufgedrehten Massenvergnügens.

Tatsache dürfte jedenfalls sein, dass auch in der Schweiz das Durchschnittsalter der Schiffsreisenden über die letzten Jahre gesunken ist. «Vor allem auch dank des stark steigenden Anteils an Familien mit Kindern», bestätigt Sascha Dimitriadis von Knecht Reisen. Die meisten Anbieter sprechen von einem durchschnittlichen Gästealter zwischen 45 und 50 Jahren, «bei längeren und deshalb auch teureren Reisen liegt dieses wohl bei über 60 Jahren», ergänzt Roman Pfister von Cruisetour.

Längere Reisen haben zugenommen

Ob jung oder alt – wenn die Schweizer eine Kreuzfahrt unternehmen, wählen sie am liebsten das Mittelmeer. Der Anteil darf auf zwei Drittel geschätzt werden. Abfahrtshäfen wie Venedig, Genua oder Savona sind relativ nah und unkompliziert erreichbar, das Angebot an Schiffsreisen von Frühling bis Herbst ist breit, und die Routen zwischen Gibraltar und der Ägäis sind attraktiv. «An zweiter Stelle hat sich Nordeuropa inklusive Island und der Arktis etabliert», sagt Cornelia Gemperle von Kuoni Cruises. Und in Übersee bleibt die Karibik klar erste Wahl, aber auch Kreuzfahrten in Alaska, Asien und Südamerika und durch den Panamakanal werden hierzulande gerne gebucht, so der Tenor in der Branche.

Direkt mit dem Revier hängt auch die durchschnittliche Dauer einer gebuchten Seereise zusammen. Im Mittelmeer sind es meist sieben Nächte, in Nordeuropa neun bis zehn, und in Übersee können gar zwei Wochen und mehr ins Spiel kommen. «Längere Reisen haben zugenommen», sagt Noemi Noser von Delphi Reisen.

Last-Minute-Schnäppchen in der Hochsaison selten

Entsprechend der Popularität des Mittelmeers nehmen auf dem Schweizer Markt die beiden europäischen Reedereien Costa und MSC eine dominierende Stellung ein. Beide Gesellschaften warten mit modernen Schiffen für die ganze Familie auf, sind mehrsprachig, unkompliziert und gut für Einsteiger geeignet. Aber auch die deutschen Reedereien Aida und TUI Cruises erfreuen sich hierzulande wachsender Beliebtheit. Die Anbieter weisen zudem auf gut nachgefragte amerikanische Marken wie Oceania, Celebrity, Holland America, Princess oder Norwegian hin. Im Luxus- und Expeditionssegment ist die deutsche Hapag-Lloyd Cruises stark positioniert, aber auch die internationalen Reedereien Silversea, Crystal, Seabourn oder die französische Ponant finden ihr Publikum.

Die Qual der Wahl auf den Weltmeeren mag gross sein – doch will man auf der gewünschten Route die gewünschte Kabine am gewünschten Datum sichern, muss man rechtzeitig buchen. In der sommerlichen Hochsaison dürfte es kaum Last-Minute-Schnäppchen geben. Dafür locken aktuell attraktive Frühbucher-Angebote.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 19.01.2018, 13:15 Uhr

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