Durchs Portwein-Gebiet schippern

Vom portugiesischen Porto ins spanische Salamanca: Die MS Douro Spirit durchquert mit den Passagieren Landes- und Weinkulturgrenzen.

In Porto überspannt die imposante Eisenkonstruktion von Gustav Eiffel den Fluss Douro. Foto: PD

In Porto überspannt die imposante Eisenkonstruktion von Gustav Eiffel den Fluss Douro. Foto: PD

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Reisen auf einem Flussschiff ins Unesco-Weltkulturerbe des Douro-Tals sind voll im Trend. Die Freundlichkeit der Portugiesen und die raue Schönheit dieser Gegend haben sich herumgesprochen. Seit 2005 ist der Goldene Fluss, der in Nordwestspanien entspringt und bei Porto in den Atlantischen Ozean mündet, einem richtiggehenden Boom ausgesetzt.

Ausgangspunkt und Zielhafen für die einwöchige Flussfahrt auf der MS Douro Spirit ist die Stadt Porto mit ihren 240'000 Einwohnern. Nach einer ersten Nacht an Bord setzt sich das Schiff in Bewegung – unter den sechs Brücken und Viadukten hindurch, die den Douro in Porto überspannen. Imposant sind vor allem die beiden Eisenkonstruktionen von Gustav Eiffel, der bekannt ist für ­seinen grossen Turm in Paris.

Porto begleitet uns noch ein Stück mit seinen Vororten und den über die Hügel verstreuten ehrwürdigen Villen aus dem 19. Jahrhundert. In Régua folgt der erste Stopp. Nicht weit von hier liegt der 1745 erbaute barocke Mateus-Palast, der die Etikette des Rosé-Weins mit gleichem Namen ziert.

Während der Reise auf dem Schiff ­stecken nur wenige Passagiere ihre Nase in ein Buch. Die meisten stehen an der Reling und warten gespannt darauf, was die nächste Flussbiegung an Foto­motiven bereithält. Die Hügel am Ufer sind von umwerfender Schönheit; die Komposition und Abwechslung der Farben könnten für so manchen Maler eine Herausforderung sein.

Lautlos gleitet die 2011 erbaute MS Douro Spirit dem Städtchen Pinhao entgegen. Die kleine Ortschaft gilt als Zentrum des Portweinanbaus. Kunstvolle Kacheln am Bahnhof zeigen die Arbeiten im Weinbau. Auf der Fahrt den Fluss ­hinauf werden die terrassierten Weinberge zahlreicher. Wir treffen bald auf ein international bekanntes und grosses Weingut: Sandeman. 2006 ist die Quinta, wie in Portugal ein Weingut heisst, auf den Hügeln hoch über dem Douro neu errichtet worden. Besucher werden nach einer Busfahrt durch enge Serpentinen von einem Mitarbeiter empfangen, gekleidet wie der schwarzgewandete Don auf dem Etikett der Flaschen. Nach einer Führung in perfektem Deutsch werden die edelsüssen Portweine zur Degustation gereicht.

Diese zeigen mit ihrem Alkoholgehalt von ungefähr 20 Prozent bei der Rückfahrt Wirkung. «Oh Thurgau, du Heimat, wie bist du so schön . . .», hallt es plötzlich durch den Bus. Eine Seniorin hat sich das Bordmikrofon geschnappt und ihren heimatlichen Gefühlen freien Lauf gelassen. Die Ostschweizer Passagiere stimmen begeistert ein.

Ein Höhepunkt auf der siebentägigen Reise ist der Ausflug ab der portugiesisch-spanischen Grenze in die spanische Universitätsstadt Salamanca. Die zweistündige Busfahrt führt vorbei an kargen Wiesen mit Olivenhainen, Stechginster und Steineichen. An den Häusern der kleinen Orte finden sich Gehege mit schwarzen iberischen Schweinen – aus ihnen wird der weltberühmte Schinken Jamón de Pata negra hergestellt.

Salamanca, die Goldene Stadt

Wegen ihrer überwiegend aus gold­gelbem Sandstein errichteten Häuser wird Salamanca «La ciudad dorada», die «Goldene Stadt», genannt. Sie gehört seit 1988 zum Unesco-Weltkulturerbe, im Jahr 2002 war Salamanca Kulturhauptstadt Europas. Die 40'000 Studenten und 160'000 Einwohner verleihen der Metropole ein multikulturelles, weltoffenes und modernes Ambiente.

Schliesslich werden wir Zeugen einer politischen Demonstration mitten auf dem Hauptplatz der Stadt. Ein Meer von spanischen Flaggen, emotionsgeladene Reden sowie feurige «España, España»-Rufe bilden den Rahmen einer Kund­gebung von Tausenden von Gegnern der Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen rund um den damaligen Regierungschef Carles Puigdemont. Die wenigsten Ausflügler vom Schiff interessiert die politische Manifestaton; lieber stürmen sie die unzähligen Cafés, Shops und Läden, darunter auch die Verkaufsstellen von Pata negra, die an jeder Ecke zu finden sind.

Nach etlichen Anfragen hat es die Reiseleiterin Ana Paula Gil geschafft, einer kleinen Gruppe den Einlass ins Heiligtum des Schiffs zu ermöglichen – auf die Kommandobrücke der MS Douro Spirit. Es ist das Reich von Kapitän Ezquiel ­Mar­ques, der seit über 30 Jahren seinen Dienst auf Flussschiffen versieht. Er trägt die Verantwortung für die Sicherheit der 124 Passagiere und 30 Besatzungsmitglieder. Höflich, aber knapp beantwortet der Mestre – so wird ein Kapitän in Portugal genannt – die Fragen. So erfahren wir, dass das Schiff 35 Kilometer in der Stunde zurücklegt und 100 Liter Diesel pro 100 Kilometer verbraucht. Nicht nur, um das Schiff vorwärtszubringen, sondern auch, um Klimaanlagen und andere technische Einrichtungen zu betreiben.

Fünf Schleusen machen die Schiffbarkeit des Flusses möglich.

Die Audienz ist bereits nach wenigen Minuten vorbei. «Danke für den Besuch, aber ihr müsst jetzt die Kommando­brücke verlassen», übersetzt Ana Paula Gil die Aufforderung des Kapitäns. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt nun der hohen und grössten Schleuse namens Carrapatelo, mit der das Schiff 35 Höhenmeter bewältigt. Fünf Stauwerke entlang der Strecke machen die Schiffbarkeit des Flusses überhaupt möglich.

An Bord ist alles bis aufs kleinste ­Detail organisiert. Routiniert werden die 124 Passagiere von Crew-Mitgliedern, die meist Deutsch und Englisch sprechen, in eine der 65 Kabinen begleitet. Alle Unterkünfte sind 16 Quadratmeter gross und ausgestattet mit französischen Balkonen, zwei Betten, Dusche, WC, Haartrockner, Fernseher sowie einer regulierbaren Klimaanlage/Heizung. Weitere Annehmlichkeiten an Bord sind ein teilüberdachtes Sonnendeck mit Pool sowie zahlreiche Sitz- und Liegemöglichkeiten. Es ist ein schwimmendes 4-Stern-Hotel.

Am Einschiffungstag wird gleich die Tischplatzreservierung im Restaurant vorgenommen; jeder Passagier sitzt immer am selben Platz. Im Restaurant kommen Feinschmecker voll auf ihre Kosten. Typisch portugiesische, aber auch internationale Gerichte lassen keine Wünsche offen. «Wir Portugiesen leben, um zu essen», sagt Reiseleiterin Ana Paula Gil. Bei Gewissensbissen kann man ja immer noch den Fitnessraum aufsuchen.

Die Reise wurde unterstützt von Thurgau Travel.

Erstellt: 15.03.2018, 18:37 Uhr

Karte

Die terrassierten Weinberge prägen das Bild der Flussreise durch das Anbaugebiet des edelsüssen Getränks. Foto: Peter Trösch

Tipps und Infos

Anreise Ab Zürich mit der portugiesischen Fluggesellschaft TAP nach Porto; www.flytap.com/de-ch/

Reiseveranstalter Der Flussreisespezialist Thurgau Travel hat sein Angebot auf ins­gesamt 34 Abfahrten ab Porto ausgebaut. Die achttägige Schiffsreise auf der MS Douro Spirit über Barca d’Alva, Régua und zurück nach Porto gibt es ab 1090 Franken pro Person (März bis November). www.thurgautravel.ch Tel. 071 626 55 00.

Allgemeine Infos www.portoportugalguide.com

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