Genüsslich wandern

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Hochkönig locken über 70 bewirtschaftete Hütten mit Selbstgebackenem oder Selbstgebranntem.

Von Helge Sobik

Meist kommen die ersten Wanderer gegen zehn Uhr, wuchten die Rucksäcke von den Schultern, nehmen auf den Holzbänken vor der Hütte Platz – und lauschen in die Stille. Der Morgennebel ist aus dem Tal verschwunden, die Sonne strahlt. Ab und zu trägt der Wind das Glockengeläut der Kirche von Hinterthal zur Musbachalm auf 1200 Meter über Meer hinauf. Plötzlich muht eine Kuh auf der saftigen Wiese nur wenige Schritte entfernt – um so vieles lauter, als dies mancher Städter bis dato für möglich gehalten hat. Das solarbetriebene Radio läuft bei Anita Griessner selten, wenn Gäste da sind nie. Sechs Kühe, drei Schweine, ein paar Hühner und zwei Katzen leben mit der Sennerin hier oben.

Die meisten Almbauern zu Füssen des Hochkönig-Massivs im Salzburgerland verdienen sich inzwischen mit der Verköstigung von Wanderern etwas dazu – an zwei, drei Tischen vor dem eigenen rustikalen Sommerquartier am Hang. Sie servieren selbst gebackenes Brot mit Quark und Kräutern, dazu hausgemachte Kräuterlimonade oder Tee nach Art des Hauses. Käse, Bonbons, Honig oder selbst gebrannter Schnaps aus Vogelbeeren komplettieren das Angebot, manche verkaufen auch Salben nach überlieferten Rezepten.

Anita Griessner macht es auf der Mussbachalm nicht anders. An regnerischen Tagen kommt keiner, an sonnigen sind nacheinander drei Dutzend Besucher da. Am späten Nachmittag, wenn alle längst wieder den Wanderhotels im Tal entgegenstreben, kümmert sie sich um die Tiere im Stall, sammelt Kräuter, rührt Salbe gegen Mückenstiche an.

Der Gipfel im eigenen Garten

Über 70 bewirtschaftete Almhütten verteilen sich in der Region oberhalb der Orte Maria Alm und Hinterthal am Hochkönig in Pinzgau. Dessen Gipfel ragt 2940 Meter hoch. Die meisten Alpen im Salzburgerland sind inzwischen über Wander- oder Wirtschaftswege miteinander verbunden, viele Tagestouren ausgeschildert. Salzburg ist etwas mehr als eine Autostunde entfernt.

Werner Schafhuber aus Hinterthal kennt jede Alm, fast jede Tanne, ist den Murmeltieren vertraut. Ein halbes Leben lang hat er in der Region als Wanderführer gearbeitet. Wo es am schönsten ist? «Früher war mein Lieblingsplatz der Gipfel des Hochkönigs. 40-mal war ich oben», sagt er. «Heute finde ich es 2000 Meter tiefer schöner – mit Blick auf einen Ring von herrlichen Gipfeln.» Wenn Schafhuber es sich zu Hause im Liegestuhl bequem macht und in die Gegend schaut, fühlt es sich ohnehin an, als stünde der Hochkönig im eigenen Garten. «Hier war die Welt zu Ende», erinnert sich der Wanderführer. Heute gibt es die Strasse durchs Tal, ein paar Hotels und Pensionen, sogar Seilbahnen.

Anita Griessner ist in der Gegend geboren, ihre Kinder sind auf der Muss-bachalm aufgewachsen. Sie mag sich auch heute kein anderes Leben vorstellen: «Im Frühjahr freue ich mich, wenn ich den Hof unten im Tal verlassen und endlich wieder mit den Tieren auf die Alm ziehen kann – und genauso geht es mir im Herbst, wenn es wieder hinunter-geht.» Anita betreibt nur die Melkmaschine mit Solarstrom, alles andere muss ohne Elektrizität auskommen. Auf einen Fernseher verzichtet sie nur zu gern: «Schliesslich kann ich aus dem Fenster schauen.» Aber eine E-MailAdresse hat sie. «Nur sage ich die keinem – weil ich sowieso nur im Winter ins elektronische Postfach schaue.»

Die Reise wurde unterstützt von Best Alpine Wanderhotels. Die Mussbachalm erreicht man von Hinterthal aus, Tel. 0043 664 1268163, offen von Ende Mai bis Anfang Oktober. Weitere Infos: www.hochkoenig.at, www.wanderhotels.com.

Erstellt: 02.05.2016, 21:58 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Blogs

Nachspielzeit Die Zitrone Champions League ist ausgepresst

Politblog So reden Verlierer

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...