Kampf den Flugzeugbakterien

Keime fühlen sich wohl im Flugzeug. Mit UV-Licht und Lack wollen einige Firmen nun dagegen ankämpfen.

Ideale Bedingungen: Untersuchungen zeigten, dass sich Viren an Bord verbreiten und bleiben. (Bild: iStock)

Ideale Bedingungen: Untersuchungen zeigten, dass sich Viren an Bord verbreiten und bleiben. (Bild: iStock)

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Arthur Kreitenberg und sein Sohn Elliot haben das clever gemacht: An ihrem Messestand auf der Aircraft Interior Expo in Hamburg haben sie Petrischalen ausgelegt mit kultivierten Bakterienkulturen. «Die haben wir auf dem Flug aus den USA hierhin gesammelt», sagt Elliot Kreitenberg und sorgt so dafür, dass man sich schon beim Gedanken an den nächsten Flug ein wenig gruselt. Was Elliot und Arthur Kreitenberg damit erreichen wollen: Interesse wecken an ihrem neuen Gerät. Der sogenannte Germfalcon ist ein Trolley, der – wie ein Falke – seine Flügel oder besser gesagt Arme ausbreitet und mit Ultraviolettstrahlung (UV-C) Sitze, Tische und Armlehnen desinfiziert. Auch in die WC-Räume reicht er hinein.

«Ich bin Chirurg und im Krankenhaus nutzen wir Ultraviolettstrahlung, um Keime abzutöten», sagt Arthur Kreitenberg, der den Germfalcon erfunden hat. «Als ich eine Studie zur Verbreitung der Influenza durch Flugzeugpassagiere gelesen habe, habe ich mich gefragt, was Airlines für die Desinfektion tun. Und die Antwort war: nichts.»

Bakterien sieben Tage in der Sitztasche

So konzipierte er den Germfalcon. Er wird durch den Kabinengang geschoben von einer Person, die durch eine durchsichtige Plastikverkleidung geschützt ist, um sich keinen Sonnenbrand durch die UV-Strahlung zu holen. In einem Flugzeug mit schmalem Rumpf soll der Germfalcon in nur zwei Minuten die Sitze eines Ganges zu 99,9 Prozent keimfrei machen, so das Versprechen. Bei Hinweisen auf stärkere Keimbelastung geht der Prozess langsamer vonstatten. Die Kreitenbergs geben an, nicht nur etwa Influenza- und Noroviren zu vernichtet mit ihrer Maschine, sondern alles bis hin zu Sars und Ebola.

Dass es für Desinfektion reichlich Anlass gibt, zeigten US-Forscher 2014: Sie verteilten Escherichia coli und sogenannte multiresistente Staphylococcus aureus auf Armlehnen, Essenstabletts, Jalousien, Sitztaschen und Türfallen der Toiletten. Die Biologen fanden heraus, dass sich die Bakterien in Flugzeugen ziemlich wohlfühlen. «Beide Bakterienarten können tagelang überleben, besonders auf porösen Materialien wie Sitztaschen oder Armlehnen», sagt Co-Studienleiter Kiril Vaglenov. Den Rekord erzielten die multiresistenten Staphylokokken. Sie überlebten in der Sitztasche sieben Tage lang.

Antimikrobielle Beschichtungen

So geht auf der Aircraft Interior Expo in Hamburg nicht nur der Germfalcon auf Bazillenjagd. Die Firma Mankiewicz aus Hamburg stellt antimikrobielle Lacke her. «Sie funktionieren durch eine Silbertechnologie», erklärt Projektkoordinatorin Kathleen Matz. Zehn Jahre sollen die Beschichtungen vor Keimen schützen. «Wir können uns einen Einsatz zum Beispiel bei den Klapptischen der Sitze vorstellen», so Matz. Bisher sind die Mankiewicz-Beschichtungen laut eigenen Angaben schon bei den Toiletten von Boeing 737-800 und Boeing 787 im Einsatz und auch eine Option für den Airbus A350.

Damit hat Mankiewicz Germfalcon etwas voraus. Die Firma der Kreitenbergs hatte schon im Mai 2016 verkündet, «einige Airlines» hätten Interesse, einen Endkunden konnte sie aber nicht präsentieren. Das hat sich bis zur Messe in Hamburg noch nicht geändert. Allerdings bekam Germfalcon gerade viel Anerkennung und Aufmerksamkeit durch die Nominierung als Finalist bei den Chrystal Cabine Awards, auch wenn es am Ende nicht für einen Sieg reichte. Auch versichert Elliot Kreitenberg, Vertreter von Airbus und Boeing hätten das Konzept als revolutionär bezeichnet. Boeing arbeitet derweil selber schon mit UV-Licht: Im März 2016 präsentierte der US-Flugzeugbauer eine Flugzeugtoilette, die sich dank Ultraviolettstrahlung selber desinfiziert.

Also antimikrobielle Beschichtung, direkt integriertes UV-Licht oder doch Einsatz des Germfalcons? Aus Passagiersicht sollte sich all das vielleicht gar nicht ausschliessen, sondern besser ergänzen. (tn/Aerotelegraph.com)

Erstellt: 16.04.2017, 15:27 Uhr

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