Meine Rechte als Fluggast

Verspätungen, Überbuchung, Annullationen von Flügen häufen sich vor allem während der Ferienzeit. Wir zeigen, welche Rechte Sie in solchen Fällen haben.

Er hat sich die Reise wohl anders vorgestellt: Ein Fluggast auf dem John F. Kennedy International Airport in New York. Foto: AP

Er hat sich die Reise wohl anders vorgestellt: Ein Fluggast auf dem John F. Kennedy International Airport in New York. Foto: AP

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In der Europäischen Union sind Verspätungen, Überbuchungen und Annullierungen einheitlich geregelt: Die EU-Verordnung Nr. 261/2004 gilt für alle Flüge, die innerhalb der EU starten oder landen, sowie für Flüge ausserhalb Europas, die von einer Airline mit Sitz in Europa durchgeführt werden. Laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) gelten die europäischen Fluggastrechte auch für die Nicht-EU-Mitglieder Schweiz, Norwegen und Island.

In anderen Fällen sind die Bestimmungen oft nicht so klar. Und die Fluggastrechte anderer Staaten, zum Beispiel der USA, sind in vielen Fällen nicht so umfassend wie jene der EU. Für verspätete Inlandflüge innerhalb der USA beispielsweise gibt es in der Regel keinen Anspruch auf Entschädigung. In diesen Fällen bleibt dem Passagier nichts anderes übrig, als sich direkt mit der Airline in Verbindung zu setzen oder sich anderweitig über seine Rechte zu informieren.

Die EU-Regeln hingegen sind ziemlich klar:

  • Wird ein Flug durch die Airline weniger als zwei Wochen vor Abflug annulliert – und dies, ohne eine alternative Flugmöglichkeit anzubieten, die maximal zwei Stunden später startet als ursprünglich bestätigt –, können Passagiere eine Entschädigung verlangen. Diese bemisst sich an der Distanz, die zurückgelegt werden sollte. Für Flugreisen innerhalb der EU und weniger als 1500 km stehen dem Passagier 250 Euro zu. Für Distanzen zwischen 1500 km und 3500 km innerhalb der EU gibt es 400, für Flüge ausserhalb der EU und mehr als 3500 km bis zu 600 Euro.
  • Wird der Flug kurzfristig annulliert, haben Reisende ebenfalls bestimmte Rechte: Die Airline muss Kosten für Getränke, Mahlzeiten und, falls notwendig, eine Hotelunterkunft inklusive der notwendigen Transfers übernehmen. Ausserdem müssen sie gewährleisten, dass der Betroffene telefonieren kann. Den Fluggästen muss die Wahl gelassen werden, ob sie den Preis für das bezahlte Ticket zurückerstattet haben wollen. Und sie können entscheiden, ob sie entweder einen kostenlosen Rückflug zum Ausgangsort oder eine alternative Beförderungsmöglichkeit zum Zielort beanspruchen wollen.
  • Die EU-Verordnung besagt weiter, dass in folgenden Fällen einer Verspätung am Abflughafen kostenlos Getränke und Essen, Telekommunikation sowie, falls notwendig, eine Unterkunft zur Verfügung gestellt werden muss: ab zwei Stunden Verspätung bei einer Strecke bis 1500 km; ab drei Stunden Verspätung bei Flügen über 1500 km innerhalb der EU oder zwischen 1500 und 3500 km ausserhalb der EU; mehr als vier Stunden Verspätung bei einer Flugstrecke von mehr als 3500 km ausserhalb der EU.
  • Beträgt die Verspätung über fünf Stunden, kann der gesamte Ticketpreis zurückgefordert werden. Befinden sich die Passagiere am Umsteigeflughafen, kann ein kostenloser Rückflug beansprucht werden. Die Airline ist zudem verpflichtet, Ausgleichsentschädigungen zu bezahlen, sofern die Verspätung mehr als drei Stunden beträgt. Die Höhe der Entschädigung richtet sich auch nach der Distanz: Bei Flügen bis 1500 km erhalten Passagiere 250 Euro, bei 1500 bis 3500 Kilometer sind es 400 Euro, bei mehr als 3500 Kilometer ist und über vier Stunden Verspätung können 600 Euro geltend gemacht werden.
  • Erleiden Reisende durch die Verspätung einen belegbaren finanziellen Schaden, kann Schadenersatz von maximal 6700 Franken verlangt werden.

Keine Ansprüche gegen die Airline können erhoben werden, wenn die Verspätung nicht auf ihr Verschulden zurückzuführen ist, zum Beispiel bei Streiks der Flughafenmitarbeiter oder der Flugsicherung, politischen Unruhen, Unwetter, Sicherheitsrisiken oder medizinischen Notfällen.

Mehr Passagiere als Sitze

Es kommt oft vor, dass gebuchte Passagiere nicht zum Check-in erscheinen («no show»). Deshalb überbuchen Fluggesellschaften bei hoher Nachfrage ihre Flüge. Wenn nun mehr Passagiere als Sitzplätze vorhanden sind, muss die Fluggesellschaft als Erstes prüfen, ob es Freiwillige gibt, die ihren Platz gegen eine Entschädigung freigeben. Haben die betroffenen Passagiere rechtzeitig eingecheckt und sich korrekt verhalten, erhalten sie die gleiche Entschädigung wie bei der Verspätung. Ausserdem können die Reisenden auswählen, ob sie das Ticket erstattet haben möchten und einen kostenlosen Rückflug an den Abflugsort beanspruchen oder eine alternative Beförderungsmöglichkeit zum Zielort nutzen.

In allen Fällen empfiehlt es sich, die Unannehmlichkeiten direkt am Flughafen von der Fluggesellschaft schriftlich bestätigen zu lassen und möglichst viele Informationen und Beweise zur Verspätung zu sammeln. Um die Entschädigung geltend zu machen, kontaktiert man in einem ersten Schritt direkt die betreffende Airline. Bleibt deren Antwort aus, ist sie ausweichend oder negativ, kann man den Mediator des Bazl einschalten und muss als Erstes ein vierseitiges Dokument ausfüllen.

Alternativ bieten verschiedene Internetportale wie Airhelp, Refund.me, Legalfly oder Cancelled Hilfe beim Einfordern an. Diese beanspruchen 15 bis 30 Prozent der Entschädigung als Kommission. Dafür entfällt für den Passagier der unter Umständen sehr aufwendige Papierkrieg mit gewissen Airlines, die sich weigern, für Pannen geradezustehen. (Travelnews)

www.travelnews.ch – das Newsportal für Reisen und Tourismus

Erstellt: 18.09.2019, 15:35 Uhr

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