Pizza ist den Mallorquinern wurst

Jenseits von Palmas Flaniermeilen bleiben die Einheimischen unter sich. Und sie sind keine Kostverächter.

Bloss ein kleiner Rummel: Ausserhalb des Zentrums und in der Agglomeration lassen sich in Palma ruhigere und auch exklusivere Orte finden. Foto: Michel Wenzler

Bloss ein kleiner Rummel: Ausserhalb des Zentrums und in der Agglomeration lassen sich in Palma ruhigere und auch exklusivere Orte finden. Foto: Michel Wenzler

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An der Theke herrscht ein Gedränge, aber Luis Matas hat es sich in den Kopf gesetzt, hier ein Bier zu trinken und einen Happen zu essen. Das tut der Koch oft, nachdem er seine Einkäufe auf dem Markt Santa Catalina erledigt hat. Er mag die Bar Joan Frau in einer Ecke der Markthalle. «Sie ist einer der besten Plätze in Palma, um mallorquinisch zu essen», sagt er. Coca zum Beispiel, ein mit Gemüse belegter Fladen, der wie Pizza aussieht, den man aber in Gegenwart eines Mallorquiners – bloss nicht! – als solche bezeichnen sollte. Oder Sobrassada, die einzige Wurst, die auf Mallorca hergestellt wird. «Das Klima ist hier ansonsten zu feucht, um Fleisch zu trocknen», sagt Luis.

Würste und Fleisch aus anderen Gegenden in Spanien findet man auf dem Markt aber reichlich. Fisch, Gemüse, Wein und Olivenöl ohnehin. Luis kauft hier gerne für die Kochkurse ein, die er für Touristen anbietet. Man kann die Einkäufe aber auch einfach zur Bar des Mercat bringen. Luis deutet auf eine andere Ecke der Markthalle: «Die kochen dann alles vor Ort.»

Ab Juli sind Vermietungen über Airbnb verboten

Der Mercat de Santa Catalina, der älteste der Stadt, lebt auch in der Nebensaison. Denn das gleichnamige Quartier bleibt ganz in der Hand der Einheimischen – vielleicht auch deshalb, weil es sich etwas ausserhalb des Zentrums befindet. Dort wirkt alles herausgeputzter: Die Strassen sind in Flaniermeilen mit Läden umgewandelt worden. Restaurants, Cafés und Antiquariate finden ihr Publikum eher unter den Touristen als unter den Stadtbewohnern, die zunehmend in die Aussenbezirke ausgewichen sind. Auch unter dem Druck steigender Mieten. Es wird interessant zu beobachten sein, ob das Verbot von Airbnb-Vermietungen ab 1. Juli zu einer Rückwanderung führt und die Lage entspannt.

Palma ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Westlich von Santa Catalina geht die Stadt fast nahtlos in die Agglomeration über. Hier sind Vororte wie Illetas mit Appartements und Hotels entstanden. Viele Reisende kommen lieber hierher als in den Osten von Palma, wo in Gegenden wie El Arenal endlose Partys gefeiert werden. «In Illetas ist es ruhiger», sagt Bárbara Liendo, stellvertretende Geschäftsführerin des Hotels Barceló Illetas Albatros. Das Hotel, das direkt am Meer liegt, ist besonders um Ruhe bemüht – als erstes Adults-Only-Hotel auf Mallorca. Es steht also nur Erwachsenen offen – niemand soll hier von Kindergeschrei gestört werden.

Noch exklusiver wird es weiter im Westen, wo Mitte der 80er-Jahre der Jachthafen Puerto Portals entstand. Luxuriöse Schiffe glitzern hier in der Abendsonne, edle Geschäfte säumen die Hafenpromenade. Wen die Sehnsucht nach dem Meer packt und wer wissen will, wie teuer ein Boot zu stehen käme, der kann die Aushänge der Makler studieren: Manche Jachten kosten bis zu drei Millionen Euro und sind teils teurer als die Villen, welche die Immobilienagenturen in der Marina ebenfalls an die Leute bringen wollen. Preiswert und trotzdem stilvoll sind dafür Hafenrestaurants wie das Flanigan. Dieses hat sich wie die Bars im Markt in Santa Catalina der mallorquinischen Küche verschrieben, nur ist es gediegener.

Ein Weingut im Hinterland

Wo aber sind denn nun die Promis, die hier an- und ablegen sollen? Vielleicht erkennt man die Stars in Freizeitkleidung nicht immer sofort. So ist es jedenfalls Isabel Alabern de Armenteras ergangen. Das Weingut ihrer Familie liegt etwas weiter im Hinterland. Eines Tages tauchte der deutsche Schauspieler Til Schweiger bei ihr auf, der teilweise in Mallorca wohnt, und kaufte für sein Restaurant in Hamburg 1200 Flaschen Weisswein – die Hälfte eines Chardonnay-Jahrgangs. «Er war total entspannt und unkompliziert», erzählt die 38-jährige Winzerin, die im Ausland studierte, einen Franzosen heiratete und auf die Insel zurückgekehrt ist.

Nun lebt sie mit der Familie auf dem Anwesen, das Besucher in eine andere Zeit versetzt. Der trutzige Bau besteht aus verschiedenen Flügeln, die zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert entstanden und in denen einst bis zu 40 Arbeiter lebten. Mit der Hauskapelle und dem Innenhof samt Ziehbrunnen erinnert das Gut an ein Kloster. Es gäbe eine schöne Filmkulisse ab – oder ein Hotel. Auf Letzteres angesprochen, blickt Isabel versonnen über den Landsitz. «Vielleicht», sagt sie, als möchte sie ihr Heim noch eine Weile für sich und ihre Familie allein haben, «ist das ein Projekt, das dereinst meine Kinder verfolgen möchten.»

Die Reise wurde unterstützt von der Barceló Hotel Group und der Fluggesellschaft Germania. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 11.05.2018, 11:15 Uhr

Kochkurs und Unterkunft

Anreise: Germania fliegt bis 31. Oktober täglich von Zürich nach Palma, www.flygermania.com

Unterkunft: Das Hotel Barceló Illetas ist ein Adults-Only-Hotel. DZ ab 107 Euro. Die Gruppe führt auf Mallorca fünf weitere Hotels, auch für Familien mit Kindern. www.barceloilletasalbatros.com

Essen und Trinken: Kochen mit Luis Matas, www.lonja18.com; Restaurant Flanigan, www.flanigan.es; Weingut Son Puig (Besuch auf Anmeldung), www.sonpuig.com

Allgemeine Infos: www.visitpalma.cat, www.infomallorca.net

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