So finden Sie die richtige Reiseversicherung

Wer verreist, sollte sich gegen Krankheiten und Pannen absichern. Worauf Sie dabei achten müssen.

Kostenfalle Rettung: Mit einer Versicherung können Reisende böse Überraschungen vermeiden. Bild: Mark Lewis (Getty Images)

Kostenfalle Rettung: Mit einer Versicherung können Reisende böse Überraschungen vermeiden. Bild: Mark Lewis (Getty Images)

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Reiseversicherungen sind eine verzwickte Angelegenheit. Wer eine abschliesst, versichert sich oft doppelt, da gewisse Leistungen schon durch Krankenkasse, Kreditkarte oder die Mitgliedschaft in einem Verkehrsclub gedeckt sind. Manche Anbieter verkaufen mehrere Elemente, die sich im Baukasten­system zusammensetzen lassen. Bei ­anderen ist es ein Paket, das je nach ­Versicherung sehr unterschiedliche Leistungen enthält.

Wer das passende Angebot finden und unnötige Prämien vermeiden will, sollte zuerst überlegen, was er braucht. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, versichert sich nicht so wie der Teilnehmer einer organisierten Pauschalreise. Wer mehrmals jährlich rund um den Globus Länder besucht, benötigt einen anderen Schutz als jemand, der alle paar Jahre einmal nach Südeuropa ans Meer fährt. Ebenso unterscheiden sich die Bedürfnisse von Einzelpersonen und Familien.

So individuell die Ausgangslage auch sein mag, für gewisse Risiken sollten Reisende generell prüfen, ob dafür eine Versicherung angebracht ist. Experten empfehlen, Annullation, Heilungskosten für Reisen ausserhalb Europas, Transport und Rückführung in die Schweiz zu versichern. Dies unter anderem, weil einzelne dieser Leistungen sehr teuer sein können.

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Folgende drei Beispiele zeigen, wie sich Familien oder Einzelpersonen für ihre Reise versichern können.

Familienferien am Meer

Eine vierköpfige Familie fährt mit dem eigenen Auto jeden Sommer in eine Mietwohnung am Meer. Gelegentlich verreist sie auch in den Herbstferien ein zweites Mal ins Ausland. Wegen der Kinder meidet sie soweit möglich Reisestrapazen und bevorzugt Destinationen in Nachbarländern.

Fahrzeug: Von der Autopanne über den Zusammenstoss beim Parkieren bis zum schweren Crash sind viele Szenarien denkbar. Das verursacht nicht nur Stress, sondern auch hohe Kosten. Mit einer Versicherung lässt sich wenigstens Letzteres vermeiden. Die Autopanne, allfällige Reparaturen oder die Rückführung des Fahrzeugs und die Heimreise der Familie mit anderen Verkehrsmitteln sollten in der Versicherung enthalten sein. Experte Ruedi Ursenbacher von Fairsicherungsberatung empfiehlt dafür den Schutzbrief, wie ihn zum Beispiel der TCS anbietet. Seinen Mitgliedern verrechnet der TCS dafür jährlich 109 Franken. Das gilt für eine Familie, die Länder in Europa besucht. Viele Versicherungen bieten vergleichbare Pakete mit Vergünstigungen für Familien.

Verursacht nicht nur Stress, sondern ohne Versicherung auch hohe Kosten: Eine Familie hat eine Autopanne. Bild: iStock

Suche und Bergung: Bei einem Sturz in unwegsamem Gelände oder wenn einem Kind etwas passiert und es nicht mehr auftaucht, können rasch Kosten in fünfstelliger Frankenhöhe entstehen – auch in der Schweiz. Eine entsprechende Ganzjahresversicherung ist deshalb empfehlenswert. Die Krankenkassen bieten oft über Zusatzversicherungen entsprechende Lösungen an.

Heilung: Ferien in westeuropäischen Ländern haben versicherungstechnisch den grossen Vorteil, dass kein zusätzlicher Schutz für Heilungskosten nötig ist. In Notsituationen reicht die Deckung der obligatorischen Krankenversicherung aus. Die Krankenkassenkarten sollten im Reisegepäck sein – auch jene der Kinder. Ein Abkommen garantiert diesen Schutz in allen EU-Staaten, sagt Ruedi Ursenbacher.

Einmaliges Trekking

Ein älterer Mann, der seinen Urlaub meistens zu Hause oder mit Wandern in der Schweiz verbringt, plant ein fünf­wöchiges Trekking in Nepal.

Einzelversicherung: In diesem Fall ist eine spezielle Versicherung für die Dauer des Auslandaufenthalts naheliegend. Oft macht der Reiseveranstalter ein Angebot. Daneben gibt es viele weitere Versicherer mit solchen Angeboten, auch online. Folgendes ist zu beachten: Diese Versicherung muss erstens vor oder spätestens zum Zeitpunkt der Buchung abgeschlossen werden, da sonst Leistungen wegfallen können. Zweitens sollte sie mindestens folgende Punkte beinhalten: Suche sowie Bergung, Annullation, Rückführung und weltweite Heilungskosten im Umfang von mindestens 1 Million Franken mit Berücksichtigung einer weltweiten Deckung der Spitalkosten. Denn bei Unfällen können im Ausland für diese Leistungen horrende Kosten anfallen.



Die Vielfliegerin

Eine Geschäftsfrau verbringt regelmässig Ferien in den USA. Sie ist auch beruflich weltweit unterwegs.

Ganzjahresversicherung: Im Gegensatz zum einmaligen Auslandsaufenthalt lohnt sich in diesem Fall eine Versicherung mit einer weltweiten Deckung für das ganze Jahr. Ansonsten sollte dieses Paket die gleichen Bausteine beinhalten wie im vorangehenden Beispiel. In den USA und einigen weiteren Staaten ist die Behandlung in Spitälern sehr teuer. Deshalb sollte auch hier die Deckung der Heilungskosten bei mindestens 1 Million Franken liegen.

Bei den Heilungskosten geht es sowohl um Krankheit wie um Unfall. Bei medizinischen Behandlungen ausserhalb Europas bezahlt die Krankenkasse höchstens den doppelten Betrag, den die Behandlung in der Schweiz gekostet hätte.


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Wer meint, dass bei Arbeitnehmenden die Nichtbetriebsunfall-Versicherung der Suva Unfallkosten im Ausland voll übernimmt, liegt falsch. Auch hier sind die Leistungen beschränkt, weshalb insbesondere für Reisen ausserhalb von Europa eine zusätzliche Versicherung empfehlenswert ist.

Als Zusatz für alle erwähnten Beispiele empfiehlt Ursenbacher die Rega. Wer der Rega jährlich Beiträge zahlt, ist zwar, genau genommen, nicht versichert, sondern nur Gönner. Doch wenn keine andere Versicherung die Kosten bezahlt, übernimmt die Rega diese in aller Regel. Ursenbacher empfiehlt die Gönnerschaft, weil die Rega bei Rückführungen in medizinischen Notfällen eine hohe Professionalität biete.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.06.2018, 16:35 Uhr

Wichtige Bausteine

Was versichert werden sollte

Annullation: Wenn ein Kunde kurzfristig auf eine private Reise verzichten muss, trägt die Versicherung die Kosten.

Heilung: Die Grundversicherung der ­Krankenkasse vergütet höchstens den doppelten Betrag, den die Heilung im Wohnkanton gekostet hätte. Ausserhalb von Westeuropa ist eine weltweite Deckung empfehlenswert.

Reise-Assistance: Damit werden Transportkosten im Ausland, Heimreise und allenfalls Rückführung eines Fahrzeugs versichert.

Autovermietung: Bei Schäden am Mietauto gibt es gelegentlich einen hohen Selbstbehalt von mehreren 1000 Franken. Dagegen können sich Reisende mit einer Versicherung schützen.

Reisegepäck: Wer zum Beispiel eine teure Fotoausrüstung mitschleppt, möchte vielleicht eine zusätzliche Deckung, wenn in der Hausratversicherung für Diebstahl auswärts nur eine kleine Summe vorgesehen ist.

Weitere Bausteine sind die bereits im Haupttext erläuterte Suche/Bergung, Heilung ambulant oder Spital und Pannenhilfe. Daneben gibt es viele weitere wie Rechtsschutz im Ausland oder Übersetzungshilfe, die selten verlangt werden oder schon in anderen Zusätzen enthalten sind. (ki)

Tipps

Doppelte Versicherung vermeiden

Nicht nur klassische Versicherungs­gesellschaften bieten Reiseversicherungen an, sondern auch Krankenkassen, Reisebüros, Verkehrsverbände und für einzelne Bausteine auch Kreditkarten-Unternehmen. Das macht es schwieriger, die ideale Reiseversicherung zu ­finden. Folgende Hinweise sollen weiterhelfen:

Ganzjahresversicherung: Die zeitlich begrenzte Reiseversicherung ist meist nur geringfügig günstiger. In einem einzelnen Onlinevergleich war sie sogar teurer. Ab zwei Reisen jährlich ist die Ganzjahresversicherung deshalb meist billiger und vor allem auch mit weniger Aufwand verbunden.

Zusatz Krankenkasse: Mit einem Zusatz bei der Krankenkasse können Reisen manchmal vergleichsweise günstig versichert werden. Einzelne Bausteine sind in der bereits bestehenden Versicherung vielleicht sogar schon enthalten.

Inhalt: Wer bei einem Vergleich nur die Prämie beachtet, kann böse Überraschungen erleben. Letztlich ist der Inhalt entscheidend, wie zum Beispiel eine hohe Deckung für Heilungskosten bei einer Reise in die USA.

Reisebüros: Unter anderem bei organisierten Gruppenreisen bieten die Veranstalter im Arrangement oft auch gleich eine Reisersicherung an. Wer die wichtigsten Risiken jedoch schon bei der Krankenkasse oder anderen Anbietern genügend versichert hat, muss sich nicht eine zusätzliche Deckung aufschwatzen lassen.

Reiseverzicht: Zulässige Gründe für eine Annullation sind in der Regel Unfall, Krankheit, Schwangerschaft (allerdings nicht immer), Arbeitsplatzverlust, Beschädigung des Eigentums zu Hause (zum Beispiel durch Feuer), Streik, Unruhen im Ausland. Wer aus schwerwiegenden Gründen eine Reise absagen muss und dafür nicht versichert ist, kann eventuell auf das Kreditkarten-Unternehmen zurückgreifen. Allerdings nur, wenn er die Reise mit der Kreditkarte bezahlt hat.

Assistance: Auch Assistance-Versicherungen für Transportkosten (siehe auch Box) sind gelegentlich schon in der Kreditkarte enthalten. (ki)

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