Tricks für mehr Komfort beim Fliegen

Reisen kann zur Prüfung für Nerven, Nacken und Rücken werden – es sei denn, Sie nehmen sich unsere Ratschläge zu Herzen.

Auch für die Sitzplatzwahl gibt es Tipps – damit Sie entspannt in den Ferien ankommen: Blick aus dem Flugzeugfenster. Foto: Keystone

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Natürlich, hier ist es schön, aber manchmal soll oder muss es ein Ziel sein, das nicht mit Bahn oder Auto erreichbar ist. Einige Stunden auf ziemlich engem Raum mit ziemlich vielen Menschen sind der Preis, den Reisende dafür zahlen. Besonders Langstreckenflüge können eine gefühlte Ewigkeit dauern, die von Minute zu Minute unbequemer wird. Aber Vielreisende kennen Tricks, um die Stunden im Flugzeug erträglich zu gestalten – und teilen sie auf ihren Reiseblogs. Eine Sammlung:

1. Die clevere Reservierung – mit Lücke

Viele Flugzeuge sind mit Dreier-Sitzgruppen bestuhlt, jeweils drei Sitze rechts und links vom Gang zum Beispiel. Wer zu zweit unterwegs ist und clever reserviert, hat in solchen Fliegern eine realistische Chance auf mehr Platz, so die Erfahrung von Reise-Blogger Dennis Fink. Wenn das Paar nicht nebeneinander, sondern den Fensterplatz und den Gangplatz bucht, könnte es an Komfort gewinnen, ohne draufzuzahlen: Mit etwas Glück ist der Flug nicht ausgebucht, und der Mittelplatz bleibt frei. Dann können die Reisenden ihre Beine zumindest diagonal ausstrecken und die Armlehnen hochklappen. Ist der Mittelsitz doch gebucht, bietet das Paar eben den Fenster- oder Gangplatz zum Tausch an, um doch nebeneinander zu fliegen.

2. Der beste Platz – ganz vorne oder ganz hinten

Um es gleich zu sagen: Den einen besten Platz im Flugzeug gibt es nicht. Manche hätten es gerne wackelfrei, die anderen gerne mit viel Beinfreiheit, die nächsten haben lieber eine gute Aussicht (hier finden Sie Tipps für alle Bedürfnisse). Aber die meisten wollen doch zwei Dinge: möglichst schnell etwas zu essen und möglichst viel Platz. Flugbegleiterin und Reise-Bloggerin Franziska Reichel empfiehlt, die Wahl des Sitzplatzes davon abhängig zu machen, wie ausgebucht das Flugzeug ist: Wird es bald wegen Überfüllung geschlossen, ist der beste Sitzplatz möglichst weit vorne – dann erhält man früh den Snack oder hat noch die Wahl beim Bordmenü. Ist der Flug relativ leer, bieten sich Plätze weit hinten an. Mit etwas Glück bleibt der Nachbarsitz dann leer, weil die Plätze von vorn nach hinten aufgefüllt werden. Und noch ein Tipp auf dem Blog «My Coconut Life»: Wer etwas vergessen hat, sei es Zahnbürste, Ohrstöpsel oder Augenmaske, könne der Kabinencrew in einem ruhigen Moment einen Besuch abstatten und so nett wie möglich fragen – vielleicht gibt es Ersatz im Bordfundus.

3. Einzigartig – den Koffer hat sonst keiner

Ein schwarzer Koffer rutscht aufs Gepäckband, der nächste, dann noch einer, zwischendurch mal ein dunkelblauer, dann wieder fünf schwarze – und welcher gehört wem? Gut, es gibt diese bunten Gurte, um Gepäckstücke unterscheidbar zu machen. Deutlich mehr Glamour versprüht jedoch ein Tipp von Reise-Blogger Shawn Forno: Goldspray macht Koffer und Taschen unverwechselbar; entweder locker aus dem Handgelenk, mit einer selbst gebastelten Schablone («Meins!») oder mit einem komplett neuen Farb-Look.

Ein solcher Koffer ist weitaus einfacher zu beschreiben, sollte er doch einmal verloren gehen. Reisenden mit weniger auffälligen Gepäckstücken empfiehlt Bloggerin Charlotte Deprez, Koffer oder Tasche vor dem Einchecken zu fotografieren – als Fahndungsfoto, damit die Airline ganz genau weiss, wonach sie im Verlustfall suchen muss.

4. Dem Koffer eins kleben – damit er weniger leidet

Nicht nur für die Reisenden, sondern auch fürs Gepäck kann der Flug ganz schön strapaziös sein. Hier ist allerdings nicht der Transport in der Luft der Stressfaktor, sondern der Weg ins Flugzeug. Da wird geworfen, gehoben, gedrückt und geschoben, erst aufs Förderband am Check-in, über Transportbänder Richtung Gate, im Gepäckwagen übers Rollfeld, auf der Transportrampe in den Frachtraum – und am Zielflughafen wieder retour. Das hinterlässt Kratzer und Macken selbst auf robusten Gepäckstücken. Ein simpler Trick, um den Lieblingskoffer zu schützen, kommt von Reise-Blogger David Kitzmüller. Ein leuchtender Paket-Aufkleber mit der Aufschrift «Fragile» («Zerbrechlich») bietet zwar keine Garantie auf sorgsamere Behandlung des Gepäcks, erhöht aber zumindest die Chancen, dass der Koffer nicht ganz so viel erleiden muss. Und der Aufwand ist gering: Die Aufkleber kosten nur wenige Cent.

5. Vor dem Abflug noch einmal schwitzen – das entspannt

So gross die Vorfreude auf das ferne Reiseziel auch sein mag: Stundenlang im Flugzeugsitz eingeklemmt zu sein, lässt davon nicht viel übrig. Bewegung ist so gut wie unmöglich, vielleicht mal abgesehen von Zehenwackeln und Schulterzucken. Das zehrt an den Nerven. Reise-Bloggerin Beatrice Anton rät deshalb zu Sport auf Vorrat: Eine Joggingrunde, ein Stündchen im Fitnessstudio oder eine Yoga-Einheit am Tag vor der Abreise oder je nach Zeitplan sogar noch am Reisetag selbst macht die Muskeln müde und den Geist ausgeglichener – die bewegungsarmen Stunden im Flugzeug lassen sich dann besser aushalten. Wer vor lauter Packstress nicht mehr zum Trainieren gekommen ist, könnte zumindest die Zeit vor dem Abflug zu einem ausgedehnten Spaziergang durchs Terminal nutzen – statt im Sitzen aufs Sitzen zu warten.

6. Sollen die anderen doch drängeln – der Profi wartet

Das Flugzeug ist zum Einsteigen bereit, die Airline-Angestellten öffnen die Tür zur Passagierbrücke. Jetzt bricht Hektik aus. Doch der Profi widersteht, bleibt im Wartebereich sitzen und streckt noch einmal entspannt die Beine aus, bevor er sie für Stunden in der Economy-Class zusammenfalten muss. Sollen doch die Mitreisenden aus Angst, keinen Platz für ihr Handgepäck mehr zu ergattern, um die besten Plätze in der Warteschlange rangeln. Wer beim Einsteigen die Nerven behält, erspart sich nicht nur die Ellenbogenstösse der ungeduldigen Passagiere, sondern gewinnt möglicherweise auch einen Premium-Platz in der Kabine – zumindest ist das die Erfahrung der Travel-Blogger Nadja und Christian Hubo. Sie steigen gern als Allerletzte in den Flieger, wenn alle anderen Passagiere schon sitzen, um sich unter den frei gebliebenen Plätzen die besten Sitze auszusuchen. Das funktioniert natürlich nur bei nicht ausgebuchten Flügen.

7. Ruhe sanft – dank Luftballons

Der Hipsterfaktor von Nackenkissen ist, sagen wir mal, überschaubar. Doch die um den Hals gelegte gepolsterte Textilwurst ist tatsächlich praktisch, verhindert sie doch, dass der Kopf beim Nickerchen nach vorn oder – noch unangenehmer – auf die Schulter des oder der Unbekannten auf dem Nebensitz kippt. Wem das Kissen zum Mitnehmen zu sperrig ist, der kann sich mit einem Lifehack von Reise-Bloggerin und Autorin Anita Arneitz behelfen: einen Luftballon (der stabileren Sorte) aufblasen – natürlich keinen runden, sondern einen länglich geformten – und mit einem Pullover umwickeln, fertig ist das Ruhekissen.

Im Handgepäck hat die Bloggerin ausserdem immer eine Notfallsocke, sollte ihr Koffer unterwegs verloren gehen. Weil eine Socke allein natürlich nicht glücklich macht, ist sie gefüllt: Shirt, Hose und Unterwäsche werden ganz klein zusammengerollt und das Paar Socken wird darübergestülpt. Das Päckchen Ersatzkleidung nimmt im Handgepäck so kaum noch Platz weg.

8. Keine Lust auf Smalltalk – die selbst gewählte Quarantäne

Es gibt Menschen, die gern reden. Stundenlang reden. Über sich, über andere, über Gott und die Welt. Das kann interessant sein. Oder furchtbar nervig. Erst recht, wenn die mitteilungsfreudige Person auf dem Nachbarplatz im Flugzeug sitzt und eine Flucht unmöglich ist. Erlösung verspricht eine Idee von Reise-Bloggerin Anna Röttgers: Mit einem Krankenhausmundschutz über Mund und Nase lässt sich eine ansteckende Infektion vortäuschen – und schon wird der Nachbar auf Abstand gehen und möglichst wenig Kontakt suchen. Wenn der Sitznachbar oder die Sitznachbarin sich allerdings als sympathisch herausstellt, ist es möglicherweise erforderlich, die Tarnung wortreich zu erklären – in der Hoffnung, dass er oder sie dann bereit ist, geduldig zuzuhören. Ein leicht zu deutendes Signal, dass die Geduld des Nachbarn erschöpft ist: Er stopft sich Taschentücher als Ohropax-Ersatz in die Ohren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.03.2018, 10:48 Uhr

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