Coco weiss, was Männer wollen

Im Hotel Adula in Flims eröffnete der erste Barber-Shop in einer Schweizer Herberge. Coco verzaubert «vom Scheitel bis zur Brust». 

Lange Bärte sind ihre Leidenschaft: Caroline «Coco» Kohl mit Lebensgefährte Georg in der Casa Barber. Foto: Moritz Hager

Lange Bärte sind ihre Leidenschaft: Caroline «Coco» Kohl mit Lebensgefährte Georg in der Casa Barber. Foto: Moritz Hager

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Den Wunsch, einen Barbier-Service anzubieten, habe er seit Jahren gehegt, erzählt Hoteldirektor Paul Urchs. Als er Coco traf und man sich auf Anhieb verstand, wurde der Plan «Wellness für den Mann» sofort umgesetzt.

Seit Dezember ist das 4-Stern-Superior-Wellnesshotel Adula in Flims das erste Schweizer Hotel mit eigenem Barber-Shop.«Wir beide brennen für die Hotellerie», sagt Urchs. Er stammt aus Deutschland, «aus Bayern», korrigiert er, Caroline Kohl alias Coco aus Dortmund, beide wirken seit vielen Jahren in Schweizer Hotels.

Seit vergangenem Mai ist er im Adula in charge, Urchs will mehr Pepp in die Bündner Arven-Atmosphäre bringen, weg vom typischen Ferien- und Wellnesshaus für Familien – «Genuss­suchende» stehen neu im Fokus. Coco arbeitete zuvor im Dolder Grand in Zürich und im Grand Hotel Bad Ragaz, wo sie im Spa- und Beauty-Bereich tätig war. Auf dem Arm tätowierte Ballettschuhe zwischen bunten Schmetterlingen erinnern an die frühere Karriere als Tänzerin. Ihre Kunden in der Casa Barber sind Feriengäste und Einheimische. Aber auch der eine oder andere Adula-Mitarbeiter fällt durch gepflegtes Gesichtshaar auf.

Rasieren im Old English Style: Nur einmal ist dabei ein bisschen Blut geflossen. Foto: Moritz Hager

Cocos eigene Haare sind natürlich-grau, nicht auf grau gemacht, weils gerade trendy ist. Die zwei aufgesteckten «Böbbels», wie sie die lustige Frisur nennt, und ihre aufgeweckte Art lassen die 47-Jährige jünger wirken. Die ausgebildete Kosmetikerin und Masseurin steht auf Mann mit Bart, will auch gleich dem Fotografen einen Bart schmackhaft machen.

Sie findet, jeder Mann könne Bart tragen, nicht irgendeinen Bart natürlich, er müsse zum Typ passen: «Wenn er auf Metallica steht, ist auch ein Ziegenbart okay.» Coco ist in ihrem Element, spricht von 19 verschiedenen Bartfrisuren. Der Bart sei auch keine Frage des Alters, «aber jeder Mann sieht mit Bart reifer aus». «Ab Bartwuchs bis 93», beschreibt sie ihre bisherige Kundschaft.

Barbier ist traditionell ein Männerberuf, eine weibliche Bezeichnung fehlt. Eine explizite Ausbildung ebenfalls, Coco hat sich bei einer Barbier in Zizers GR in die uralte Handwerkskunst einführen lassen. Der Barbier darf nicht färben, keine Dauerwelle legen und nur den klassischen Herrenschnitt, den Barber Short Cut, schneiden. Die Casa Barber richtet sich nicht nur an Bartträger: Der Hoteldirektor, tipptopp rasiert, sagt, er habe noch nie im Leben einen Bart getragen, er schwört auf die Nassrasur und ist Cocos erster Stammkunde.

Frühstücksei bleibt kleben

Abgesehen von Georg natürlich. Georg, Cocos Lebensgefährte, legt sich entspannt auf den Vintage-Barbierstuhl, im Hintergrund läuft Clubsound. Seit vollen zwei Jahren hat er sein Gesichtshaar spriessen lassen. Georg trägt Weste über dem Hemd und verkörpert den Barber Style perfekt.

Lange Bärte sind Cocos Leidenschaft. Es brauche Durchhaltewillen, sagt sie, «ich motiviere den Mann, gehe den ganzen Weg mit ihm». Beim Symbol für Männlichkeit scheinen manche Männer ziemlich hilfsbedürftig zu sein. Ist er einmal in voller Pracht da, hat der Rauschebart auch seine Tücken: «Alles, was weich ist und laufen kann, bleibt am Oberlippenbart kleben», sagt Georg, «besonders das Frühstücksei.» Und vor allem Reissverschlüsse sind des Langbartträgers Feind, weiss er aus Erfahrung. Aber solange der Bart bei der Arbeit als Automechaniker nicht gefährlich sei, lasse er ihn weiterwachsen.

«Der Bart muss zum Typ passen. Wenn er auf Metallica steht, ist auch ein Ziegenbart okay.»Caroline «Coco» Kohl, Barbier

Irgendwann zu Beginn der ­10er-Jahre waren sie plötzlich da, die jungen Männer mit Vollbart. Ist der Hipster-Bart heute noch en vogue? «Der Hipster verschwindet, der Bart bleibt», sagt Coco. Derzeit sei der Moustache, der lange Oberlippenbart, nicht gezwirbelt, im Trend. Ebenfalls gefragt sei die Vollglatze kombiniert mit langem Bart. Apropos: Einmal nur sei es in ihrem Shop ein bisschen blutig geworden, ein kleiner Schnitt bei der Vollrasur des Kopfhaares.

Coco offeriert eine Behandlung «vom Scheitel bis zur Brust»: Im Angebot sind Gentleman’s Beard und Gentleman’s Shave, die Standardvariante (50 Minuten) kostet 70 Franken, der De-luxe-Service (105 Minuten) 140 Franken. Das Entfernen der Nasen- und Ohrenhaare gehört ebenso dazu wie das Zupfen der Augenbrauen. Keine schwarzen Striche sollen diese sein, selbstverständlich bleibe der Mann ein Mann.

Rasierhobel auch für Frauen

Passend zum Old English Style verwendet sie Pflegeprodukte der Londoner Traditionsmarke D. R. Harris. Die Barbier legt Wert darauf, dass Cremes, Seifen und Aftershave nicht an Tieren getestet wurden und dass ihre Rasierpinsel nicht aus Dachshaar, sondern aus einer veganen Faser bestehen. Cocos Tipp: Auch Frauen können sich mit dem Hobel rasieren, «es muss nicht Gilette sein». «Entweder muss der Mann sauber rasiert sein oder einen gepflegten Bart haben», sagt die Barbier. Mit Betonung auf gepflegt. Das gelte auch für den Dreitagebart, jeder dürfe ihn tragen, nie aber sollte er nach «kein Bock auf Rasieren» aussehen.

Woher die gepflegtesten Männer ihrer internationalen Kundschaft stammen, kann sie nicht sagen. Aber ein Klischee bestätigt sich: «Schwule Männer riechen gut, sie pflegen sich, selbst wenn sie längst vergeben sind.» Alle zwei bis drei Wochen sollte sich der Bartträger in die Hände des Barbier begeben. Ein kleines, entspanntes Ritual nennt es Coco – nicht selten schlafe der Kunde bei der Behandlung ein. Am Ende wird er dann mit einem Glas Whiskey oder Gin verwöhnt. Coco weiss eben, was Männer wollen.


Hotel Adula ****, Flims, Doppelzimmer inkl. Frühstück ab 160 Fr., Tel. 081 928 28 28, www.adula.ch

Erstellt: 09.01.2020, 16:22 Uhr

Artikel zum Thema

Wellness mit Zukunft

Die Zusammenführung von Entspannung und Medizin wird in der Hotellerie immer wichtiger. Mehr...

20 Übungen für mehr Fitness

So trainieren Sie Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit – zu Hause oder im Büro. Mehr...

Schön eingeseift

Das Zürcher Unternehmen Soeder führt in seinem Sortiment nur Produkte, welche die Firmenbeteiligten auch selber kaufen würden. Und stellt Naturseifen aus hochwertigen Zutaten her. Mehr...

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...