Die Alternative zum Skiabo-Dumping

Viele Skigebiete spannen zusammen. Wir zeigen die fünf Tarifverbunde.

Alternative Preismodelle sollen mehr Gäste bringen: Etwa ins Skigebiet Laax, Arosa-Lenzerheide und Davos-Klosters. Foto: Keystone

Alternative Preismodelle sollen mehr Gäste bringen: Etwa ins Skigebiet Laax, Arosa-Lenzerheide und Davos-Klosters. Foto: Keystone

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«Verbundlösungen liegen im Trend», sagt Andreas Keller, Sprecher des Verbands Seilbahnen Schweiz, ein paar Wochen vor dem Saisonstart in den meisten Skigebieten. «Die Zeit, da die Bergbahnbetreiber ihr Glück alleine versuchten, ist vorbei.»

Das gilt auch für Saas-Fee. Der Walliser Skiort liess im November 2016 eine Bombe platzen und verkaufte das Saisonabonnement für 222 Franken. Der Hammerrabatt mit einer Preisreduktion von 79 Prozent löste Verwunderung in der Wintersportbranche aus. Nach einem Millionenloch in der Kasse ist der Befreiungsschlag zwar zum Bumerang geworden – und das vermeintliche Hammerprodukt wurde vom Markt genommen. Saas-Fee kann aber für sich in Anspruch nehmen, eine ganze Branche wachgerüttelt zu haben.

In der Westschweiz schufen 20 Bergbahnunternehmen den Magic Pass, einen online angebotenen Saisonpass zu einem anfänglichen Tiefpreis. Saas-Fee nimmt ab diesem Winter erstmals am Magic-Pass-System teil. Die Gruppe ist auf über 30 Destinationen angewachsen.

Im Kampf um mehr Gäste in den Schweizer Wintersportgebieten gibt es zwei Hauptstossrichtungen. Einerseits werden Flatrate-Saisonabos wie der Magic Pass oder der Top-4-Skipass im Berner Oberland herausgegeben. Andererseits bieten immer mehr Bergbahnen dynamische Preise an. Analog zu Flugreisen oder Hotelbuchungen schwanken sie. «Besonders profitieren davon Frühbucher», sagt Keller. Je nach Vorausbuchungsfrist, dem erwarteten Gästeaufkommen oder auch den Wetterprognosen sind die Preise höher oder tiefer.

Beliebt sind auch Kombi-Angebote. Während der Sommersaison erhält der Hotelgast mit seiner Buchung das Recht, die Bergbahnen kostenlos zu nutzen. Im Winter sind die Pässe zwar nicht gratis, aber deutlich günstiger. Laax bietet bereits all-inclusive mit Mietausrüstung, reserviertem Parkplatz, speziellem Zugang zur Bahn und Reservation im Gipfelrestaurant an.

Inwieweit sich die neuen Preismodelle auszahlen, ist noch ungewiss. Aktuell läuft eine Studie der Hochschule Luzern, die die wirtschaftlichen Auswirkungen untersucht.

Keller stellt fest, dass die Schweizer Seilbahnen sich preislich der ausländischen Konkurrenz angepasst haben. «Die Touristiker in unseren Nachbarländern reiben sich die Augen angesichts des Experimentiermuts der Schweizer.»

Übersicht der Angebote

Magic Pass: Westschweizer Jahresabo, gültig ab Mai bis Ende der Wintersaison. Preis variabel, ab 499 Franken. Neu mit Saas-Fee und Leukerbad. www.magicpass.ch

Top-4-Skipass: Gültig für alle Lifte und Bahnen in den vier Skiregionen Adelboden-Lenk, Gstaad (ohne Glacier 3000), Jungfrau (mit Grindelwald und Wengen) sowie Meiringen-Hasliberg. Bis Ende der Skisaison gültig. Dynamische Preise, ab 666 Franken. Neu Sommer­rabatte. www.top4.ski

Topcard: Skigebiete Arosa-Lenzerheide, Laax und Davos-Klosters. Ganzjahreskarte mit zusätzlichem Angebot im Sommer für Biker und Wanderer. Erwachsene bezahlen 1400 Franken, Familien (inkl. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre) 2900 Franken. www.topcard.info

Meilenweiss: Grösster Tarifverbund der Voralpen, 18 Reviere in Ostschweiz, Liechtenstein, Vorarlberg und Schwarzwald. Während des Vorverkaufs bis 30. November gibt es 50 Franken Rabatt für Erwachsene und 25 Franken für Kinder. Ermässigung auf Jahres-/Saisonkarte. www.meilenweiss.ch

Valais Skicard: Prepaid-Karte für über 40 Skigebiete. Bonussystem unter anderem für Eintritte in Walliser Thermalbäder. www.valais.ch/de/info/landingpage/wallis-skicard

Erstellt: 14.10.2019, 09:45 Uhr

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