Die Ferienreise im Auto ist teurer, als man denkt

Viele Schweizer reisen nach wie vor mit dem Auto in die Ferien. Die Kostenfrage wird dabei oft gar nicht erst gestellt.

Schon immer beliebt: Die Reise in den Süden per Auto. Foto: Getty Images

Schon immer beliebt: Die Reise in den Süden per Auto. Foto: Getty Images

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Erinnerungen an die 1960er- und 1970er-Jahre werden wach: Ferien im Burgund im Familien-Döschwo mit zurückgerolltem Stoffdach; Vater lenkt, die Kinderbande auf dem Rücksitz quengelt; die kleine Schwester übergibt sich. Später Autostopp nach Italien oder Südfrankreich. Und schliesslich epische Ferienfahrten im eigenen, billig erstandenen Occasions-Kleinwagen bis hinunter an die Amalfi-Küste, nach Kroatien oder Katalonien. Im Auto, damals noch ohne Klimaanlage, war es heiss; man schwitzte. Und auf den kurvigen Passstrassen blieb man im Stau stecken.

Doch das Auto bot einige Vorteile gegenüber der Eisenbahn: Man konnte so viel mitnehmen, wie man wollte (bzw. wie der Kofferraum fasste); man war auch am Ferienort mobil, und man bestimmte das Reisetempo selbst. Fahrkosten minimierte man, indem man auf Überlandstrassen fuhr, um Autobahngebühren zu sparen, und indem man kurz vor oder kurz nach der Grenze tankte, je nachdem, wo der Sprit billiger war.

Dann brach das Zeitalter der Billigfliegerei an, und plötzlich wurde es auch für Familien erschwinglich, das Flugzeug statt das Auto zu nutzen. Nachteil war, dass man vor Ort nicht mobil war und dann möglicherweise ein Auto mieten musste, was zusätzliche Kosten verursachte.

«Flugscham» vs. Bequemlichkeit

Welches Transportmittel ist also am günstigsten und am bequemsten? Das hängt von mehreren Faktoren ab, wobei momentan eine Frage besonders dringlich gestellt wird: Will ich noch fliegen, oder verbietet dies mein ökologisches Gewissen? Wenn wir von diesem neuen, «Flugscham» genannten Phänomen absehen, hängt die Wahl des Transportmittels von der Destination ab, von der Anzahl der Mitreisenden, von der Reisedauer, den Reisedaten, der Menge des Gepäcks und so weiter.

Bei Flügen und Bahnreisen kann man den Preis relativ schnell im Internet eruieren, wobei bei den Flügen und in geringerem Mass auch bei der Eisenbahn massive Preisschwankungen zu beachten sind und Fluggesellschaften teilweise happige Aufpreise verlangen, zum Beispiel für den Gepäcktransport. Auszurechnen, wie teuer einen die Autoreise zu stehen kommen wird, ist hingegen viel komplexer. Es müssen diverse Faktoren berücksichtigt werden.

Benzinpreis: Der Treibstoff ist ein wesentlicher Kostenfaktor. Er hängt nicht nur davon ab, wie viel das Auto effektiv verbraucht, sondern schwankt auch von Land zu Land. Der Touring-Club der Schweiz (TCS) gibt auf seiner Website eine Übersicht über die durchschnittlichen Benzin- und Dieselpreise in 16 europäischen Ländern. Sie wird regelmässig aktualisiert und auch den schwankenden Wechselkursen angepasst. (Am günstigsten ist Bleifrei 95 mit 73 Rp. in Russland, am teuersten mit 1.96 Fr. in Norwegen. Ähnlich beim Diesel: 72 Rp. in Russland, 1.81 Fr. in Norwegen.)

Man kann den Benzinverbrauch senken, indem man möglichst niedertourig fährt, den Reifendruck von Zeit zu Zeit überprüft und unnötigen Ballast zu Hause lässt.

Strassengebühren: Die meisten europäischen Länder verlangen zusätzliche Abgaben in der einen oder anderen Form: Vignetten als Nachweis für die Bezahlung einer generellen Gebühr für Strassennutzung oder eine sogenannte Autobahnmaut, wie sie etwa Frankreich und Italien seit langem kennen, und die sich nach der Länge der Strecke oder dem Streckenabschnitt richtet. Auch Deutschland will im Herbst 2020 eine Maut einführen.

Hinzu kommen manchenorts Gebühren für das Befahren von Tunneln oder Brücken. Und neuerdings haben einige Städte eine sogenannte City-Maut eingeführt, eine Art Strassenzoll für das Befahren von Stadtzentren. Detaillierte Informationen über diese Gebühren finden sich sowohl beim TCS als auch beim deutschen Pendant ADAC. Eine gute Übersicht ist auch hier zu finden.

Umweltplaketten: Ein bürokratisches Monstrum hat Deutschland geschaffen, und viele andere Länder sind gefolgt: Wer mit seinem Fahrzeug in eine deutsche Innenstadt fahren will, die als Umweltzone gekennzeichnet ist, braucht an der Windschutzscheibe eine Umweltplakette. Diese ist grün, gelb oder rot und entscheidet in nunmehr 58 Städten darüber, ob man eine Umweltzone befahren darf oder nicht. Auch ausländische Autos brauchen diese Plakette. Wer ohne erwischt wird, zahlt 80 Euro Busse.

Inzwischen haben auch Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Italien, Malta, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien und Tschechien ähnliche Umweltplaketten eingeführt. Detaillierte Informationen beim TCS oder ADAC.

Allgemeine Fahrkosten: Neben den variablen, von den gefahrenen Kilometern abhängigen Kosten (Treibstoff, Reifenverschleiss, Service, Reparaturen, Fahrzeugpflege, Maut-Gebühren, Vignetten, allfälligen Verkehrsbussen usw.) müssen auch Fixkosten einberechnet werden: Abschreibung, Verkehrssteuer, Versicherungen etc. Der TCS offeriert einen USB-Stick (19 Fr. für Mitglieder, 29 für Nichtmitglieder), mit dem sich die Kilometerkosten für diverse Automodelle leicht errechnen lassen.

Es lohnt sich also, die anfallenden Kosten vor der Reise genau zu berechnen, wobei jene für die Autofahrt natürlich durch die Anzahl der Mitreisenden geteilt werden müssen. Wenn man die Anreise allein berücksichtigt, dürften Zug und vor allem Flug oftmals günstiger sein als die Autofahrt. Dazu kommen aber die Mobilitätskosten am Ferienort selbst (ÖV, Taxis, Mietwagen), die beim Auto wegfallen. Zudem ermöglicht das Auto, zum Beispiel etwas ausserhalb der Zentren günstigere Übernachtungsmöglichkeiten anzusteuern. Eine gute Vorbereitung ist in jedem Fall Voraussetzung für ein ungetrübtes Ferienerlebnis.

www.travelnews.ch – das Newsportal für Reisen und Tourismus

Erstellt: 08.08.2019, 10:21 Uhr

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