Diese Brücken bleiben hängen

Es gibt reine Zweckbauten. Es gibt aber auch wahre Meisterwerke der Architektur und Ingenieurskunst – etwa unsere Auswahl.

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Umshiang-Brücke, Meghalaya, Indien Wurzeln tragen bis zu 50 Menschen gleichzeitig. Foto: zVg

Die Umshiang-Brücke ist die bekannteste einer Reihe von Brücken, die im nordostindischen Bundesstaat Meghalaya nach demselben Muster «gebaut» worden sind. Gebaut in Anführungszeichen, weil sie in Wirklichkeit gewachsen sind – aus den umgelenkten Luftwurzeln eines Feigenbaumes. Zwar beschleicht einen ein seltsames Gefühl, wenn man den schwankenden doppelten Steg betritt. Aber die Einheimischen versichern, dass bis zu 50 Menschen gleichzeitig über die Brücke gehen können, und dass diese mehrere hundert Jahre halten werde.

Hängebrücke Q’iswachaka, Provinz Cañas, Peru Sie muss jeden Juni neu errichtet werden. Video: Visit Peru

Aus einem anderen Naturmaterial, nämlich aus geflochtenem Gras, besteht die 28 Meter lange und 1,20 Meter breite Hängebrücke Q’iswachaka in Peru. Die Brücke über den Río Apurímac gibt es seit etwa 500 Jahren; sie muss aber jedes Jahr im Juni neu errichtet werden. Frauen flechten die Seile aus Gras, Männer verknüpfen sie. Das Nationale Kulturinstitut Perus hat die Brücke zum nationalen Kulturerbe erklärt. 2013 nahm die Unesco das Wissen, die Fertigkeiten und die Rituale rund um den jährlichen Brückenbau in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf.

Pont du Gard, Département Gard, Frankreich Von Römern erbaut um Christi Geburt. Foto: Mimova (Wikimedia)

Sogar rund 2000 Jahre alt ist der Pont du Gard, ein 49 Meter hohes und 275 Meter langes Aquädukt mit markanten, dreistöckigen Steinbögen über dem Fluss Gardon. Das römische Bauwerk aus Kalkstein, erbaut kurz vor oder nach Christi Geburt, befindet sich zwischen den alten römischen Städten Ucetia (heute Uzès) und Nemausus (Nîmes), der Hauptstadt des heutigen Département Gard in Südfrankreich.

Stari Most, Mostar, Bosnien-Herzegowina Im Bosnienkrieg 1993 zerstört, 2004 wieder eröffnet. Foto: Wikimedia

Stari Most («Alte Brücke») in der Stadt Mostar gilt von alters her als symbolische Verbindung zwischen Ost und West. Die Brücke über die Neretva verbindet den bosniakisch-muslimischen Ostteil der Stadt mit dem kroatisch geprägten Westteil. Als sie 1556 bis 1566 erbaut wurde, galt die Brücke als Meisterwerk der Ingenieurkunst. Im Bosnienkrieg wurde die Stari Most 1993 von kroatischen Kämpfern gezielt zerstört. Sechs von ihnen wurden deshalb und wegen anderer Kriegsverbrechen zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Die Brücke wurde originalgetreu wiederaufgebaut und 2004 eröffnet. Die Unesco hat sie ins Verzeichnis des Weltkulturerbes aufgenommen.

Webb Bridge, Melbourne, Australien Alte Eisenbahnbrücke trifft neue Körbe. Video: Explore More

Geflochtene Körbe, die man als Fallen für den Aalfang nutzte, waren das Vorbild für die Webb Bridge, eine Fussgänger- und Velobrücke über den Fluss Yarra in den Docklands der australischen Stadt Melbourne. Massgeblich am preisgekrönten Entwurf beteiligt war der bekannte australische Künstler Robert Owen. Die Brücke besteht aus zwei Teilen: einem wiederverwerteten Abschnitt einer alten Eisenbahnbrücke für den Güterverkehr sowie dem Neubau mit seiner spielerischen, geschwungenen Form aus Stahlprofilen und Stahlbändern.

Seufzerbrücke, Venedig, Italien Kurze Brücke mit langem Atem – ach! Foto: Didier Descouens (Wikimedia)

Die Seufzerbrücke, erbaut 1600 bis 1602, ist ein Wahrzeichen Venedigs und verbindet über den Kanal Rio di Palazzo den Dogenpalast mit dem «neuen Gefängnis». Der Name rührt daher, dass Verurteilte über die Brücke ins Gefängnis oder zur Exekution geführt wurden und in der Vorstellung der Romantiker, die der Brücke den Namen verliehen, seufzend einen letzten Blick über die Lagune warfen. Wer die Brücke in ihrer ganzen Pracht erleben will, sollte mit einer Gondel darunter hindurch fahren. So können die detaillierten Bildhauerarbeiten von Nahem betrachtet werden.

Charles Kuonen-Hängebrücke, Randa, Schweiz Die längste Fussgänger-Hängebrücke der Welt. Foto: Europaweg.ch

Eine Fussgängerbrücke ganz anderer Art schwingt sich hoch über das Walliser Mattertal bei Randa: die Charles Kuonen-Hängebrücke. Sie befindet sich auf dem Europaweg und ist mit 494 Metern die längste Fussgänger-Hängebrücke der Welt. Sie wurde als Ersatz für die Europabrücke gebaut, die 2010 nur zwei Monate nach ihrer Eröffnung von einem Felssturz zerstört worden war. Seitdem mussten Wanderer 500 Höhenmeter ins Tal ab- und auf der anderen Seite wieder aufsteigen, was die Attraktivität des Europaweges erheblich minderte. Der namensgebende Kuonen war übrigens der wichtigste private Sponsor des Bauwerks.

Henderson Waves, Singapur Freut Paare, Familien und Jogger. Foto: Eustacio Santimano (Wikimedia)

Und gleich noch eine verrückte Fussgängerbrücke: Henderson Waves, 2008 eröffnet, ist über die ganzen 274 Meter Länge einer Welle nachempfunden, die sich durch den Grüngürtel im Süden Singapurs schlängelt. Ihre Form ist mit Stahlbögen verankert und mit gebogenen Rippen aus südostasiatischem Balau-Holz ausgefüllt. Dank ihrer Form bietet sie private Ecken und Nischen. Die Brücke ist bei Paaren ebenso beliebt wie bei Familien und bei Joggern. Und gern verweilt man auch nach Einbruch der Dunkelheit, denn die Brücke bietet jeden Abend ab 19 Uhr mit LED-Installationen ein Lichterspektakel.

Viadukt von Millau, Frankreich Diese Brücke bricht mehrere Rekorde. Foto: Mike Lehmann (Wikimedia)

Das 2,5 Kilometer lange und bis zu 270 Meter hohe Viadukt von Millau über dem Fluss Tarn, 5 km westlich der gleichnamigen südfranzösischen Stadt im Zentralmassiv, bricht mehrere Rekorde: Es ist die längste Schrägseilbrücke der Welt mit den höchsten Brückenpfeilern, der grösste von ihnen 343 Meter hoch. Als Teil der Autobahn A75 stellt die Brücke die Verbindung zwischen zwischen Nordeuropa und der Iberischen Halbinsel her und wurde 2004 eröffnet. Entworfen wurde sie vom französischen Bauingenieur Michel Virlogeux; der britische Architekt Norman Foster sorgte für die architektonische Ausgestaltung.

Landwasserviadukt, Graubünden, Schweiz Seit 2008 Weltkulturerbe der Unesco. Video: Inspiraziun Alpina

«Nur» 65 Meter hoch und 136 Meter lang ist das Landwasserviadukt auf der Albula-Linie der Rhätischen Bahn zwischen Tiefencastel und Filisur in Graubünden. Aber die imposante Eisenbahnbrücke mit einer Steigung von 20 Promille, die gleichzeitig einen Kreisbogen schlägt und am Ende in einer senkrechten Felswand direkt in den Landwassertunnel mündet, hat internationale Anerkennung erfahren: Sie wurde 2008 von der Unesco ins Verzeichnis des Weltkulturerbes aufgenommen. 2009 wurde das 1902 eröffnete Bauwerk umfassend saniert.

Öresund-Brücke, Schweden-Dänemark Oben fahren Autos, unten Züge. Foto: Kurt Stabl (Wikimedia)

Hier ist eine weitere Brücke der Superlative: Die Öresundbrücke, welche die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit der südschwedischen Stadt Malmö verbindet, ist die weltweit längste Schrägseilbrücke für kombinierten Strassen- und Eisenbahnverkehr. Sie wurde im Sommer 2000 dem Verkehr übergeben. Die Gesamtlänge des Brückenzuges beträgt 7845 Meter: In der Mitte liegt die 1092 Meter lange Hochbrücke, auf die im Westen eine drei km lange und im Osten eine 3,7 Kilometer lange Rampenbrücke zuführen. Auf dem Oberdeck der Brücke verläuft die vierspurige Autobahn; darunter liegen zwei Eisenbahngleise. Der Bau verschlang rund eine Milliarde Euro.

Sunnibergbrücke, Graubünden, Schweiz Eines der letzten Werke von Christian Menn. Foto: Ikiwander (Wikimedia)

Nicht nur für die Eisenbahn, auch für die Strasse sind im Bündnerland aufsehenerregende Brücken gebaut wurde. Die Sunnibergbrücke als Teil der Umfahrung von Klosters ist ein Beispiel. Sie überspannt das Tal der Landquart in einer leicht ansteigenden Rechtskurve, was ihr ein geradezu beschwingtes Aussehen verleiht. Gehalten wird die 526 Meter lange Schrägseilbrücke aus Beton von Stahlseilen, die über die vier Pylone gespannt sind. Die Brücke ist eines der letzten Werke des berühmten Bündner Brückenbauers und ETH-Professors Christian Menn, der 2018 91-jährig verstarb.

Golden Gate Bridge, San Francisco, USA Weltberühmtes Wunder. Foto: Frank Schulenburg (Wikimedia)

Wahrscheinlich ist sie die berühmteste Brücke der Welt, die Golden Gate Bridge in der Bucht von San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien. Sie wurde 1937 eröffnet und hat sechs Fahrspuren und zwei Geh- und Radwege. Die damals längste Hängebrücke der Welt wurde 1964 von der Verrazzano-Narrows Brücke in New York City abgelöst. 1995 nahm sie die American Society of Civil Engineers in eine Liste der sieben Wunder der modernen Welt auf.

(Artur K. Vogel/Travelcontent)

Erstellt: 20.06.2019, 11:30 Uhr

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