Drinnen Luxus, draussen Abenteuer

Hapag-Lloyd Cruises setzt zwei neue Expeditionsschiffe ein – in polaren Gewässern, im Dschungel des Amazonas und in den grossen Seen von Nordamerika.

Fit für das Eismeer: So werden die beiden neuen Expeditionsschiffe aussehen (Visualisierung). Foto: PD

Fit für das Eismeer: So werden die beiden neuen Expeditionsschiffe aussehen (Visualisierung). Foto: PD

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«Expedition ist Emotion», sagt Karl J. Pojer. Die Emotion, die in seiner Stimme mitschwingt, verrät den Stolz des werdenden Vaters. Sein Baby ist, vom Stahlschnitt bis zum Stapellauf, nahezu 24 Monate lang unterwegs; es bringt, wenn es binnen Jahresfrist das Licht der Welt erblickt, sechseinhalbtausend Tonnen auf die Waage. Genau genommen erwartet Pojer Zwillinge: Sechs Monate nach der Hanseatic Nature läuft das Schwesterschiff Hanseatic Inspiration vom Stapel.

«Mit diesen kleinen, wendigen Schiffen beginnt eine neue Ära in der Expeditionsschifffahrt», fährt der 63-jährige Vorsitzende der Geschäftsleitung des Hamburger Kreuzfahrtveranstalters Hapag-Lloyd Cruises fort. Höchstens 230, in der Antarktis nur bis zu 199 Passagiere finden Platz an Bord. «In den abgelegenen Regionen der Welt suchen wir die Nähe zur Natur und verbinden auf wenig Raum höchsten Komfort mit Nachhaltigkeit und maximaler Sicherheit.»

Öko-Diesel und leise Elektromotoren

So gesehen, sind die Namen der Schiffe Programm: Die Planer und Erbauer haben sich buchstäblich von der Natur inspirieren lassen – etwa, wenn sie das Interieur nach dem Vorbild von Eisbergen und Urwaldbäumen designen. Auch die Betreiber richten sich nach der Natur, wenn sie tief im Süden die antarktische Halbinsel befahren, hoch im Norden Spitzbergen umrunden oder am Äquator den Amazonas bis zum Quellgebiet am Fuss der Anden befahren. Die Schiffsmotoren werden mit Öko-Diesel angetrieben, im Heck der Schlauchboote surren Elektromotoren.

Bis anhin sind die gecharterte Hanseatic und die firmeneigene Bremen für Abenteuerreisen eingesetzt worden. Nun wird die Hanseatic – sie erinnert an deutsche Seefahrttradition und bleibt im Namen der neuen Schiffe erhalten – die Reederei verlassen. Nur die Bremen, deren Beliebtheit längst Kultcharakter erreicht hat, ergänzt die Expeditionsflotte.

Noch ist von den Schiffen wenig zu sehen: In Tulcea, einer rumänischen Stadt im Donaudelta, schrauben, hämmern, schweissen und schwitzen Werftarbeiter des internationalen Schiffbau-Konzerns Vard an doppelwandigen Stahlrümpfen, die mit dem Prädikat PC6 die höchste Eisklasse gewährleisten: Wie ein Buttermesser schneidet der Bug bis zu 90 Zentimeter mächtige Eisplatten auf.

Innenausbau in Norwegen

Sobald die 5000 Tonnen schweren Schiffsleiber fertiggestellt sind, werden sie von einem Hochseeschlepper ins Schwarze Meer gezogen, durch den Bosporus, die Strasse von Gibraltar und den Ärmelkanal bis nach Norwegen, wo – nach knapp 4000 Seemeilen in 23 Tagen – eine weitere Vard-Werft noch einmal 1500 Tonnen für das luxuriöse Interieur verarbeitet.

Buchen kann man schon heute: Im Hapag-Lloyd-Katalog machen raffinierte Visualisierungen das Innenleben von Schiffen sichtbar, die noch gar nicht existieren. Ausserdem: Daten, Routen, Zahlen und Fakten. So ist die teuerste Reise (20 Tage Antarktis) ab 17'868 Franken, die günstigste (4 Tage Friesische Inseln) ab 2388 Franken zu haben.

Die neue Expeditionsklasse. Video: Youtube

Bei aller modernen Technik und jedem erdenklichen Luxus bleiben Expeditionen ins ewige Eis oder in den Dschungel des Amazonas­beckens Abenteuer, die jeden Schiffsführer herausfordern. «In den Polargebieten sind das die Wetterlagen und Eissituationen, die in rascher Folge ändern», sagt Kapitän Roman Obrist, der im Engadin aufgewachsen, in Barcelona zu Hause ist und seit zehn Jahren auf der Brücke der Hapag-Lloyd-Expeditionsschiffe das Kommando führt. «Auf dem Amazonas sind es Untiefen, die präzise Navigation erfordern. Auch die Routenplanung ist herausfordernd; denn mit der Osmose-Anlage kann nur in Schwarzwasserflüssen wie dem Rio Negro Frischwasser produziert werden.»

Wellness-, Kosmetik- und Fitnessbereich mit Pool

Derlei Probleme bleiben den Kapitänen auf dem nordamerikanischen Kontinent erspart: Neu sind die fünf grossen Seen im US-­kanadischen Grenzgebiet wieder im Expeditionsprogramm aufgenommen worden.

Zur Luxusausstattung gehört der grosszügige Wellness-, Kosmetik- und Fitnessbereich mit Pool, finnischer Sauna und Dampfbad; in drei internationalen Gourmet­restaurants wird fürs leibliche Wohl gesorgt, im multifunktionalen Präsentationsraum vermitteln prominente Lektoren wissenswerte Hintergründe zu den Reisezielen. Statt mit Bullaugen ist die Mehrzahl der Kabinen mit Balkonen oder Panoramafenstern ausgerüstet. «Zu jedem Fenster», schmunzelt Pojer, «gehört ein Feldstecher.»

Noch muss sich der werdende Vater gedulden, bis seine Babys den ersten Schrei ins Schiffshorn stossen: Im April 2019 wird die Hanseatic Nature zur Jungfernfahrt von Hamburg nach Lissabon auslaufen, das Schwesterschiff Hanseatic Inspiration nimmt im Oktober von Antwerpen aus Kurs auf Teneriffa.

www.hl-cruises.de (SonntagsZeitung)

Erstellt: 02.03.2018, 13:40 Uhr

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