Im Nebenjob Glücksbringer

Der ehemalige Fussballer Alain Sutter und seine Frau Melanie sorgen für stressfreie Ferien auf Mallorca.

Sie haben ihr Glück auch auf Mallorca gefunden: Alain und Melanie Sutter. Foto: Oliver Brenneisen/SI

Sie haben ihr Glück auch auf Mallorca gefunden: Alain und Melanie Sutter. Foto: Oliver Brenneisen/SI

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Man muss schon genau hinschauen, wenn man es nicht verpassen will: Das rostrote Gittertor am Wegrand ist so unscheinbar, dass man es leicht übersieht.

Es führt, eine halbe Autostunde vom Flughafen entfernt, in eine Welt, die von der Heimat weiter entfernt ist als das Mittelmeer vom Zürichsee – und zugleich so nah: Wer dieses Tor hinter sich schliesst, tritt die Reise zu sich selbst an.

Eine Finca auf Mallorca, eines dieser malerischen mediterranen Landgüter, an einem späten Vormittag im Mai. Vögel zwitschern, Grillen zirpen. Vom Meer her trägt eine kühle Brise den Duft der Oleanderbüsche in die romantische Parkanlage.

Zum vierten Mal laden Melanie und Alain Sutter – ja, genau der! – Menschen, die sich überlastet und ausgebrannt fühlen, zur Ferienwoche im Mittelmeer-Paradies.

«Stressfrei glücklich sein» heisst Sutters Buch, mit dem der Ex-Fussballstar und Mental-Coach vor drei Jahren einen Bestseller landete – ebenso wie mit «Herzensangelegenheit», so der Titel des zweiten Buches, das im Jahr darauf erschien. Der literarische Erfolg wurde zum touristischen Projekt, die Finca auf der Ferieninsel zum Wohlfühl-Paradies. Den Sutters ist der Wunsch, Gäste vom Stress zu befreien und glücklich zu machen, zur Herzensangelegenheit geworden.

Eine bunt gemischte Gruppe tritt aus dem Yoga-Raum ins Sonnenlicht, ein Dutzend Frauen und Männer aller Altersgruppen. Sie machen sich über das vegetarische Frühstücksbuffet her, Salat, Tomaten, Humus, Oliven, setzen sich plaudernd in den Schatten oder verschwinden zwischen Zitronenbäumen in den Hängematten.

Grüne Säfte gelten als Grundnahrungsmittel

Die meisten sind hier, weil sie Alains Bücher gelesen haben oder Melanies Ernährungsphilosophie ihre Neugier geweckt hat – und die Ehrlichen unter ihnen geben zu, dass sie diesen Mann kennen lernen wollen, der in jungen Jahren als Ausnahmetalent gefeiert wurde. In den 80er-Jahren fiel der Teenager durch schulterlange blonde Haare auf; blitzschnelle Läufe und raffinierte Dribblings trugen ihm Respekt, seine Protestaktionen gegen Atomversuche später auch Kritik ein.

Im Januar ist Alain Sutter 50 Jahre alt geworden, seither übt er beim FC St. Gallen das Amt des Sportchefs aus. Den Nebenjob als TV-Experte hat er an den Nagel gehängt. Statt Sutter bewertet der frühere Basler Haudegen Benjamin Huggel die Auftritte von Lichtsteiner, Sommer und Shaqiri an der WM in Russland. Nebenbei weist die frühere Fussball-Lichtgestalt Sutter als Mental-Coach auf Mallorca gestressten Feriengästen den Weg zum inneren Glück. Wann war er selbst zum letzten Mal so richtig glücklich? «Ich bin es jetzt, in diesem Moment, weil er nie wiederkommt und doch die Summe aller Erfahrungen in sich trägt.»

Was rät er einem Junior, der von der ganz grossen Karriere träumt? «Lernen kann man nur aus den Erfahrungen, die man selber macht.»

Im Pool spult eine der älteren Frauen ihr Fitnessprogramm ab. Sutter steht am Beckenrand und lacht: «Du blühst richtig auf: Vor drei Tagen bei der Ankunft hast du noch zehn Jahre älter ausgesehen!» «Schmeichler!», tönt es aus dem Pool. Alain: «Warts ab, morgen messen wir dein biologisches Alter!»

In die Smoothies kommt viel Grünes. Foto: Oliver Brenneisen/SI

Melanie Sutter schneidet einen Apfel in zwei Hälften und verkündet, so laut, dass man es auch am Pool vernimmt: «Die Smoothies sind bereit!»

Melanies grüne Säfte gelten sozusagen als Grundnahrungsmittel auf der Finca, das Rezept ist denkbar einfach: Viel Grünes muss rein, und ein bisschen süss muss es sein. «Die Früchte sind nicht so wichtig. Sie liefern lediglich Vitamine und Fruchtzucker.» Melanie legt eine Apfelhälfte in den Trichter des Hochleistungsmixers und gibt zwei Handvoll Spinat dazu. Entscheidend sind die grünen Blätter.

Das kann ein Federkohl sein, die Stauden von Rüebli oder Erdbeeren; alles passt, was sonnengereift und chlorophyllhaltig ist. Die wichtigste Zutat allerdings sieht man nicht – es ist die innere Haltung, die Liebe. Etwas Wasser dazu, und schon verquirlt das Gerät den Brei zur süsslichgrünen Zwischenmahlzeit. «Wenn ich schlecht draufbin, lass ich die Finger vom Mixer, dann gibt es keinen Smoothie», sagt Melanie.

Wer gut hinhört, merkt, dass sie «Smuusi» sagt: Smuusy ist das Label der Firma, über welche die Mallorca-Woche vermarktet wird. Als Managerin und Fastenberaterin ist Melanie der Kopf des Familienunternehmens und kümmert sich nach Bio- und Slow-Food-Kriterien auch um den Bauch, während Alain buchstäblich das Herz der Finca verkörpert.

Er hat den Laptop hochgefahren. Auf dem Monitor leuchtet in feurigen Farben ein Zackendiagramm auf, eine virtuelle Flammenwand, die dem Fachmann die Geheimnisse des Herzens verrät.

«Sieht aus», staunt Sutter, «als hätten wir es mit dem kräftigen Herzen eines jungen Spitzensportlers zu tun; es arbeitet effizient, kräftesparend.» Neben ihm sitzt ein Mann, dessen Herz in 65 Jahren über zwei Milliarden Pumpaktionen vollzogen hat.

«Das hier», fährt Sutter fort und zeigt auf die Flammenwand auf dem Monitor, «das ist deine HRV. Die Herzratenvariabilität macht das Lebensfeuer sichtbar.»

Fussball ist kein Thema, andere Werte zählen

Die poetische Umschreibung hat einen pragmatischen Hintergrund: «Lebensfeuer» ist das Label der Diagnostikfirma Autonom Health, die mit einfacher Technologie Vitalität messbar macht. Jedem Gast ist vorgängig ein Messgerät geschickt worden, das die Aktivität des Herzens registriert. Sutter, der sich zum Autonom-Health-Coach hat ausbilden lassen, analysiert im Rahmen der «Stressfrei glücklich sein»-Ferienwoche diese Daten. Diagnosen stellt er nicht und ordnet auch keine Therapien an: «Das steht mir nicht zu.» Wenn ihm eine Anomalie auffällt, legt er den Besuch beim Arzt ans Herz.

«Und hier», jetzt zeigt er auf eine Spitze in der blauen Linie des Elektrokardiogramms, «haben wir die Narbe von einem Infarkt.» «Stimmt», staunt der Mann, «das war vor zehn Jahren.» «Die Medikamente verfälschen das Bild – sie sind es, die deinem Lebensfeuer die Energie eines Athleten verleihen.»

Yoga gehört zum täglichen Programm. Foto: Oliver Brenneisen/SI

Die bunten Kurven und Zacken, aufgezeichnet in 24 Stunden, erfassen ein ganzes Leben: «Du warst schon als Kind sehr aktiv», fährt Sutter fort. «Hast dich viel bewegt, später aber warst du vor allem in deinem Kopf. Du solltest in die Meditation gehen und nur noch geniessen. Wer weniger studiert, lebt mehr.»

Sein Gast ist alles andere als ein Spitzenathlet, aber durchaus sportbegeistert, ein Fan des FC St. Gallen, mit dessen Sportchef er gern die Zukunft des Clubs diskutieren würde ? die letzten sieben Spiele waren Niederlagen. Mit dem ehemaligen Nati-Spieler und TV-Experten andererseits würde er gerne die Chancen der Schweiz in Russland erörtern. Aber Sutter sagt kein Wort. Wer nach Mallorca gekommen ist, weil er nur Fussball im Kopf hat, lernt rasch, dass hier andere Werte zählen.

Vergiss den Kopf. Hör auf dein Herz. Hier und heute – hier, auf der idyllischen Finca im Hinterland der Mittelmeerinsel, und heute, an diesem sonnendurchfluteten Ferientag.

Am Ende der «Stressfrei glücklich sein»-Woche treten alle zur Nachmessung ihres Lebensfeuers an. Daraus lässt sich auch das aktuelle biologische Alter ablesen.

Es erweist sich, dass die Frau, die sich im Swimmingpool am wohlsten fühlt, tatsächlich zehn Jahre jünger geworden ist.

Die Reise wurde unterstützt von TUI Suisse. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.06.2018, 13:54 Uhr

Zwei Wochen im Jahr

Die «Stressfrei glücklich sein»-Ferienwochen auf der Finca auf Mallorca finden zweimal im Jahr statt.
Die nächsten Termine: 1.–8.9.2018;
Kosten: 1850 Fr. p. P. im DZ, inkl.
7 Übernachtungen, VP, HRV-Analyse und Yoga-Kurse.
Vorgeplante Daten 2019: 8.–15.6. und 7.–14.9.2019.
Buchen: Tui Suisse, tui.events@tui.ch, Tel 044 455 44 30 oder in den Tui-Filialen. www.tui.ch

Artikel zum Thema

Pizza ist den Mallorquinern wurst

SonntagsZeitung Jenseits von Palmas Flaniermeilen bleiben die Einheimischen unter sich. Und sie sind keine Kostverächter. Mehr...

«Ich tue mich furchtbar schwer damit, mich zu verstellen»

Analyse Mit Alain Sutter holt sich der FC St. Gallen einen Sportchef-Neuling, der in seiner Karriere nie dem Mainstream folgen wollte. Mehr...

Palma. Sonst nichts.

Welttheater Auf Mallorca ändert der Name der Hauptstadt, je nachdem, welche Partei gerade an der Macht ist. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Blogs

Mamablog Sex – und kaum Ahnung vom Verhüten

Outdoor Die Jagd nach der Krone

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Vatikan: Bischöfe während der Heiligsprechung des Papstes Paul VI und des 1980 ermordeten Erzbischofs Oscar Romero aus San Salvador.(14. Oktober 2018)
(Bild: Alessandro Bianch) Mehr...