Kooperationen bedrohen klassische Bündnisse

Allianzen werden immer unbeliebter. Airlines setzen zunehmend auf andere Modelle der Zusammenarbeit.

Flieger in Skyteam-Lackierung: Luftfahrtbündnisse waren auch schon mal attraktiver. Foto: Aerotelegraph

Flieger in Skyteam-Lackierung: Luftfahrtbündnisse waren auch schon mal attraktiver. Foto: Aerotelegraph

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Während Qatar Airways seit einigen Wochen ziemlich viel über einen möglichen Austritt aus ihrem Luftfahrtbündnis Oneworld redet, macht es China Southern einfach. Die Fluggesellschaft gab am 15. November bekannt, aus der Allianz Skyteam auszutreten. Ab Januar hat das Bündnis, zu dem unter anderem Air France, KLM, Korean Air und Delta gehören, ein Mitglied weniger. Die Fluglinie ist überzeugt, durch bilaterale und multilaterale Kooperationen mehr zu erreichen.

Und mit der Meinung ist man bei China Southern nicht allein. Immer wieder zweifeln Airlinechefs den Nutzen der Bündnisse offen an. So hat sich etwa IAG-Chef Willie Walsh wiederholt geäussert, Konsolidierung sei besser als Allianzen. Es brauche sie aber dennoch, weil die Konsolidierung nicht schnell genug voranschreite. Qatar-Airways-Chef Akbar Al Baker sagte offen, Oneworld bringe ihm im Grunde nichts.

Druck nimmt zu

«Der Druck auf Allianzen, sich neu zu erfinden, steigt immer mehr», sagt auch Björn Maul, Partner und Luftfahrtexperte bei der Beratungsagentur Oliver Wyman. «In der heutigen Konstellation werden schon nahezu alle Vorteile für Mitglieder ausgeschöpft. Es gilt das Modell weiterzudenken und neu zu erfinden.»

Das hat man auch auf Seite der Bündnisse erkannt. Oneworld etwa denkt schon länger laut darüber nach, vielleicht auch mal eine Billigairline aufzunehmen. Bei Oneworld und der Star Alliance hat man angefangen, eine Art Light-Mitgliedschaft einzuführen. In den Programmen Oneworld Connect und Star Alliance Connecting Partners können Airlines teilnehmen, die nicht alle Kriterien erfüllen. Dafür geniessen die Passagiere aber auch nicht alle Vorteile, die ganze Mitglieder haben. Attraktiv ist das, weil vor allem kleinere Airlines grosse Anstrengungen anstellen müssen, um alle Kriterien für einen Allianzbeitritt zu erfüllen.

Vor allem Kunden profitieren

Heute würden Allianzen vor allem für den Kunden noch sehr viel Sinn machen, so Experte Maul. Sie profitieren von einem einheitlichen Service, Zugang zu Lounges, der Möglichkeit des Durchcheckens von Gepäck und vielem mehr. Zwar würden auch Fluglinien dadurch von Allianzen profitieren. «Allerdings sind Joint Ventures attraktiver, sodass die Tendenz immer mehr zu zusätzlichen Joint Ventures geht.»

Joint Ventures, so Maul, erlauben eine hohe Optimierung. «So werden Verkaufsaktivitäten gebündelt, Kapazitäten besser gesteuert.» Lösen diese Kooperationen also nach und nach die Allianzen ab und es kommt die unter anderem von IAG-Chef Walsh gewünschte Konsolidierung? Das wäre noch zu weit gedacht, so Maul. Zwar gebe es im Grundsatz die Tendenz zu mehr Konsolidierung. Aber dafür seien noch viele Hürden zu nehmen. «Zum Beispiel Beschränkungen bei der Beteiligungshöhe, kultureller Fit sowie die Attraktivität des Geschäftsmodells.» (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 22.11.2018, 20:57 Uhr

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