Louvre-Ableger soll Abu Dhabis Ikone werden

Am 11. November wird der Louvre am Persischen Golf eröffnet. Der spektakuläre Bau von Jean Nouvel soll zum Symbol des sich erneuernden Emirats werden.

Anleihen bei der Bautradition der Region: Die riesige, ornamentale Kuppel des französischen Stararchitekten Jean Nouvel. Foto:PD

Anleihen bei der Bautradition der Region: Die riesige, ornamentale Kuppel des französischen Stararchitekten Jean Nouvel. Foto:PD

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Es sah aus wie eine Prozession: Frauen in langen schwarzen, Männer in weissen Gewändern zogen durch das riesige Gebäude, ehrfurchtsvoll und mit dem Blick erst zum Boden, dann immer wieder zur Decke gewandt. Sie schritten über einen Platz im Halbdunkel, der von einer gewaltigen Kuppel überspannt ist, unter der sich quaderförmige, schneeweisse Häuser stapeln. Draussen flirrte die Hitze, das Thermometer zeigte am Persischen Golf 46 Grad Celsius. Drinnen tanzten Sonnenstrahlen auf dem Boden, die durch das von ornamentalen Öffnungen durchbrochene Dach drangen und immer neue vergängliche Bilder entwarfen. Viele von den Männern in Weiss und den Frauen in Schwarz zückten ihre Handys und filmten, was sich ihnen da bot und bis dato nur Bauarbeitern und Planern zugänglich gewesen war.

Dieser grosse Moment ereignete sich Mitte September, als 100 arabische Würdenträger um Abu Dhabis Kronprinzen Mohammed bin Zayed al-Nahayan auf exklusiver Preview durch den fast fertigen, neuen Louvre von Abu Dhabi pilgerten. Einer, der mit dabei war, ist Galerist Khalid Seddiq Samea: «Zu meinen Lebzeiten werde ich nichts Schöneres zu sehen bekommen», schwärmt er. Die Eröffnung des Louvre in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist für den 11. November geplant. Mindestens 20 Jahre können die Scheichs den Namen des berühmtesten Museums der Welt benützen; unbestätigten Meldungen zufolge war dafür eine Gebühr von einer Milliarde Dollar fällig.

Kuppel hat nur vier Säulen

Dabei hat es viele bauliche Herausforderungen gegeben. Am Ende aber haben die Planer rund um den französischen Stararchitekten Jean Nouvel doch für alles eine Lösung gefunden – wenn auch insgesamt mit mehrjähriger Bauverzögerung. Denn was der Mann aus Paris sich ausgedacht hat, ist alles andere als simpel. Es bemisst sich an der Aufgabenstellung der Scheichs. Sie verlangten ein Gebäude, das eines Tages so sehr für das neue Abu Dhabi stehen kann wie die Oper für Sydney und Australien. Und mindestens so wie das Burj-al-Arab-Hotel für den ewigen Lokalrivalen Dubai.

Wird trotz mehrjähriger Bauverzögerung am 11. November eröffnet: Das Museum in Abu Dhabi. Foto: PD

Es sollte Anleihen in der Bautradition der Region nehmen. Deshalb hat Nouvel sich die komplizierte Kuppel mit den Öffnungen für Luft und Licht einfallen lassen. Sie soll an die althergebrachten Bedachungen der Basar-Gassen mit Palmwedeln erinnern und überspannt gleichwohl die Fläche von fünf Fussballfeldern, wird getragen von nur vier Säulen. Aus demselben Grund sind die 55 Quadergebäude unter und neben der Kuppel angeordnet wie in einer arabischen Medina – die eigentlichen Ausstellungsgebäude, in denen Werke etwa von Leonardo da Vinci, Piet Mondrian, Henri Matisse und Pablo Picasso hängen werden.

8600 Quadratmeter Fläche

Gassen und Gänge führen durch dieses Labyrinth in Schneeweiss. Überhaupt hatte mit Picasso alles begonnen. Er spielte die Schlüsselrolle beim Versuch, dieses Museum ebenso wie das in unmittelbarer Nachbarschaft geplante Guggenheim frühzeitig in den Köpfen der Bevölkerung vor Ort zu verankern. Zehn Jahre ist es her, als eine erste grosse Picasso-Ausstellung im Luxushotel Emirates Palace in Abu Dhabi stattfand und von zahllosen arabischen Schulklassen besucht wurde. Die Jüngeren wurden spielerisch an diese Kunst herangeführt, die Älteren über den Verstand angesprochen. Manchen nötigte allein der Marktwert der Werke den erforderlichen Respekt ab.

Heute gibt es ein Dutzend Galerien in Abu Dhabi – wie Khalid Seddiq Sameas Etihad Modern Art Gallery im Al-Bateen-Viertel. Sehenswert im Hafengebiet, nicht weit vom Schlachthof und der Markthalle: das Warehouse 421. Es ist ein ultramodernes Ausstellungszentrum für einheimische Künstler. Hier finden auch Videoinstallationen ihren Platz. Die Saat scheint aufgegangen zu sein. Der Louvre wird bei der Eröffnung nichts Fremdes sein, das man Abu Dhabi übergestülpt hat: «Er wird hierher passen, und die Kunstszene wird weiter wachsen», ist Seddiq Samea überzeugt.

Die komplizierte Kuppel hat Öffnungen für Luft und Licht. Foto: PD

Das liegt auch an der Konzeption des Louvre als universelles Museum, das Kunst aus aller Welt und vielen Epochen bis zurück zur ägyptischen Pharaonenzeit präsentiert, Ursprünge, Entwicklungen und Schnittmengen aufzeigen soll und mit mehr als 600 Exponaten auf 8600 Quadratmetern Ausstellungsfläche alles andere als überladen sein wird.

Nouvel folgen Foster und Gehry

Was kommt danach? Khalid Seddiq Samea lacht:«Eine Ausstellung arabischer Fotokünstler hier in meiner Galerie!» Nebenan bemalen derweil ein paar Kinder einzeln Plättli mit bereitgestellten Farben für die Wand im Vorraum eines Kunstcafés: Ein Drache ist diesmal dabei, ein giftgrünes Kamel vor rotem Hintergrund, dazu ein Set aus Fantasiefiguren.

Tatsächlich hat Abu Dhabi weiter Grosses und Teures vor, was Museen angeht: Sir Norman Foster soll das neue Nationalmuseum, Frank O. Gehry das Guggenheim Abu Dhabi direkt neben dem neuen Louvre bauen. Und was hat Abu Dhabis Kronprinz Mohammed bin Zayed während der Preview-Tour durchs Louvre-Gebäude getan? Der künftige Herrscher hat mit seinem Handy gefilmt: die Kuppel, die Sonnenstrahlen, das Muster aus Licht auf dem Fussboden. Den Film, der ihn voller Vorfreude zeigt, hat irgendwer auf Youtube hochgeladen.

Die Reise wurde unterstützt von der Tourism and Culture Authority Abu Dhabi. Anreise: Mit Etihad ab Zürich und Genf nach Abu Dhabi, www.etihad.com Museen: www.louvreabudhabi.ae Allg. Infos: www.visitabudhabi.ae

Erstellt: 01.11.2017, 17:43 Uhr

Arabien-Ferien sind gefragt

Zweistelliges Plus bei den Buchungen

Im Gegensatz zu Ägypten und zur Türkei erfreuen sich die Destinationen in Arabien zunehmender Nachfrage auf dem Schweizer Markt. «Abu Dhabi etwa», sagt Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin, «profitiert aktuell von der Eröffnung des Louvre und vom Formel-1-Rennen am 26. November.» Bei Hotelplan Suisse liegen die Buchungen für die Arabischen Emirate (VAE) und Oman im Vergleich zum Vorjahr übers Ganze gesehen im zweistelligen Plus.

Der Reiseveranstalter FTI, der einst eine pionierhafte Charterverbindung zum neu entwickelten Badeort Salalah im südlichen Oman lancierte, verzeichnet momentan doppelt so viele Buchungen aus der Schweiz für Arabien wie noch vor einem Jahr. Mit ein Grund für das Hoch ist ein Condor-Charterflug, der jeden Sonntag Basel mit Dubai verbindet.

Auch Let’s go Tours baut das Arabien-­Programm kontinuierlich aus. Der Schaffhauser Spezialist nahm neu die Eco-Lodge Souly in Salalah und das noble Bulgari Resort & Residences in Dubai ins Sortiment auf.

Eine Wüstenreise im Geländewagen auf der früheren Weihrauchroute verbindet neu Salalah und Abu Dhabi. (cam)

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