So gelingt das Landschaftsfoto

Landschaftsfotografie ist weit mehr als einfach nur das Drücken des Auslösers. Hier sind 9 Tipps von den Profis.

Durch das Betrachten von Landschaftsaufnahmen anderer lernt man viel dazu: Der Fotograf benutzte das Licht hier geschickt. Foto: Chris Herzog

Durch das Betrachten von Landschaftsaufnahmen anderer lernt man viel dazu: Der Fotograf benutzte das Licht hier geschickt. Foto: Chris Herzog

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Ob mit Handy oder Kamera – mit ein bisschen Know-how und ein paar Kniffs lässt sich viel aus der Landschaftsfotografie herausholen. Mel Weber ist als selbstständige Fotografin stets spektakulären Landschaften und Wildtieren im In- und Ausland auf der Spur. Der preisgekrönte Fotograf Chris Herzog blickt auf über dreissig Jahre Erfahrung hinter der Kamera zurück und legt dabei viel Kreativität an den Tag. Beide wissen genau, wie man Landschaften ins richtige Licht rückt. Wir haben sie nach ihren Gepflogenheiten gefragt und die wichtigsten Tipps zusammengetragen.

Machen Sie sich mit Ihrer Kamera vertraut

Am Anfang stehen die Hausaufgaben. Lernen Sie die technischen Grundlagen Ihrer Kamera zu verstehen. Dazu gehören etwa Blende und Belichtungszeit, ISO-Wert und Tiefenschärfe. Schützenhilfe leistet hier das zur Kamera gehörende Benutzerhandbuch oder – wie für so vieles im Leben – das Internet. Alleine auf Youtube gibt es unzählige Instruktionsvideos und Handlungsanleitungen.

Übrigens: Als Profis arbeiten Mel Gerber und Chris Herzog zwar mit «richtigen» Kameras, sind sich aber einig, dass auch Handykameras auf dem heutigen technischen Stand tolle Aufnahmen ermöglichen:

«Eine interessante Bildgestaltung ist auch mit dem Handy möglich. Nicht mal die teuerste Kamera verfügt über eine entsprechende Funktion.» – Chris Herzog

Zentrieren verboten

Als Faustregel gilt: Leisten Sie dem Impuls, das Motiv in der Mitte der Aufnahme zu platzieren, keine Folge. Das wirkt in aller Regel sehr langweilig. Orientieren Sie sich stattdessen an der Drittelregel: horizontale und vertikale Linien dritteln das Bild. Ihr Hauptmotiv siedeln Sie in einem der Schnittpunkte an – also eben genau nicht zentriert. Die meisten Kameras – auch solche in Smartphones – verfügen übrigens über entsprechende Raster und Hilfslinien. Sie lassen sich auf dem Display wahlweise ein- oder ausblenden.

Abkupfern erlaubt: Durch das Betrachten von Landschaftsaufnahmen anderer lernt man viel dazu. Schauen Sie sich Bilder im Internet – etwa auf Mel Webers Website oder Chris Herzogs Website– und in der analogen Welt an. Kurzum: Lassen Sie sich von den Bildkompositionen anderer Fotografinnen und Fotografen inspirieren.

Seien Sie kreativ

Ob Grand Canyon oder Matterhorn – einige der beliebtesten Landschaftsmotive sind so allgegenwärtig, dass sie uns beinahe «zu Tode fotografiert» erscheinen. Mit etwas Kreativität lassen sich aber auch diese Landschaften auf etwas spannendere Art und Weise inszenieren:

«Nehmen wir als Beispiel den Stellisee in Zermatt, wo sich das Matterhorn so schön drin spiegelt. Ich würde dort nun zum Beispiel versuchen, eine deutlich tiefere Position einzunehmen und dabei vielleicht ein paar Steine vom Ufer in den Vordergrund zu nehmen.» – Mel Weber

Hier nahm die Fotografin eben eine tiefere Position ein, um den Untergrund um den Stellisee herum in die Aufnahme einzubeziehen. Foto: Mel Weber

«Verändern Sie Ihren Blickwinkel, zum Beispiel mit etwas Unscharfem im nahen Vordergrund. Oder passen Sie die Belichtungszeit an.» – Chris Herzog

Der Fotograf spielt hier künstlerisch mit der Belichtungszeit. Foto: Chris Herzog

Bewegen Sie sich

Alleine schon in die Knie zu gehen, sich ein paar Schritte vom Standort zu entfernen oder in eine andere Richtung zu blicken, kann ganz neue Möglichkeiten und Motive ans Licht bringen. In der Hocke (Stichwort: Froschperspektive) ergibt sich ein anderer Blickwinkel, als wenn Sie (für eine Vogelperspektive) auf eine kleine Erhöhung klettern. Körpereinsatz kann sich lohnen! Und mit etwas Glück läuft Ihnen für das gewisse Etwas sogar noch ein Tier ins Bild.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Während sich in der Landschaftsfotografie vieles nicht planen lässt, gibt es doch die eine oder andere Faustregel. Eine davon betrifft die Lichtverhältnisse: Atmosphärische Fotos entstehen besonders dann, wenn die Sonne tief steht – also frühmorgens und am späten Nachmittag:

«Die blaue Stunde, also die Stunde vor Sonnenaufgang, bietet meist tolle Farben und schöne Kontraste. Die Stunde nach Sonnenaufgang nennt man die goldene Stunde, weil da das Licht richtig schön und golden ist. Dasselbe Spiel in umgekehrter Reihenfolge gibt es wieder vor und nach Sonnenuntergang.» – Mel Weber

Atmosphärische Fotos entstehen besonders dann, wenn die Sonne tief steht – also frühmorgens und am späten Nachmittag. Foto: Chris Herzog

Bloss kein eitel Sonnenschein

Apropos Sonne: Strahlender Sonnenschein und wolkenloser Himmel mögen gemeinhin als perfektes Wetter gelten. Zum Fotografieren aber, so sind sich die Profis einig, ist das ziemlich langweilig. Nicht selten sind es Wolken oder Nebelschwaden, die für das gewisse Etwas sorgen:

«Wolken sehen manchmal richtig dramatisch aus. Und aus der Kombination von Nebel und Sonnenlicht ergeben sich oftmals wunderbare Bildmöglichkeiten.» - Chris Herzog

Sonne und blauer Himmel haben kein gewisses Etwas, so wie es dieser Nebel hat. Foto: Mel Weber


«Für mich gibt es nichts Besseres als der Nebel als gestalterisches Element. Ob auf einem Berggipfel über dem Nebelmeer oder in einem mystischen Wald.» - Mel Weber

Erstens kommt es anders

Seien Sie offen für Unerwartetes! Gerade wenn das Wetter nicht mitmacht. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht und sich nicht auf bestimmte Motive versteift, wird belohnt:

«Gerade bei der Landschaftsfotografie ergeben sich aufgrund der Lichtverhältnisse oft unerwartete Situationen. Es braucht neben der Planung auch Glück, um im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Wenn es für das geplante Bild nicht der richtige Moment ist, ist es vielleicht die ideale Gelegenheit für ein komplett anderes Foto.» - Chris Herzog

«Der Nebel blieb hartnäckig, und ich war schon resigniert am Zusammenpacken ...» – da lief ihr dieser Besucher über den Weg. Foto: Mel Weber

«Ich bin am späten Nachmittag mit Schneeschuhen auf einen kleinen Aussichtsgipfel im Gantrischgebiet gestiegen in der Hoffnung, der Nebel würde sich für ein schönes Sonnenuntergangsbild noch lichten. Der Nebel blieb jedoch hartnäckig, und ich war schon resigniert am Zusammenpacken, als plötzlich wie aus dem Nichts ein Fuchs vor mir stand. Und so kam ich mit Tier- anstatt Landschaftsaufnahmen nach Hause.» - Mel Weber

Das Stativ, Ihr Freund und Helfer

Das Stativ gehört zum Landschaftsfotografen wie der Nebel zum Herbst. Gerade bei längeren Belichtungszeiten oder dämmerigen Lichtverhältnissen ist das Hilfsmittel unabdingbar.

«Für kurze Belichtungszeiten ist ein Stativ nicht notwendig. Ist die Belichtungszeit jedoch länger, dann braucht es eines. Sie ist ein wichtiger Faktor bei der Bildgestaltung, denn damit kann man Bewegungen zeigen oder einfrieren.» – Chris Herzog

«Die Belichtungszeit ist ein wichtiger Faktor bei der Bildgestaltung, denn damit kann man Bewegungen zeigen oder einfrieren.» Foto: Chris Herzog

Weil ein Stativ mit sich herumzuschleppen aber nicht jedermanns Sache ist, kann man auch auf etwas Improvisationstalent zurückgreifen:

«Wem ein Stativ zu schwer und zu mühsam ist, kann auch auf einen Bohnensack oder zur Not auf einen flachen Stein oder den Rucksack zurückgreifen, um die Kamera aufzustützen. Das bisschen Zusatzgewicht eines Stativs lohnt sich grundsätzlich aber immer.» – Mel Weber

Letzter Schliff am PC

Wer aus dem Vollen schöpfen möchte, gibt seinen Bildern zum Schluss am Bildschirm den letzten Schliff. Viele Bearbeitungsprogramme sind intuitiv, und das Erkunden der verschiedenen Funktionen kann durchaus Spass machen. Wichtig für Ambitionierte: Nehmen Sie Ihre Fotos im RAW-Format auf. Im JPG-Format sind sie komprimiert und brauchen darum weniger Speicherplatz – das geht allerdings auf Kosten der Bearbeitungsmöglichkeiten.

«Eine Notwendigkeit ist die Bildbearbeitung nicht. Aber es ist schon erstaunlich, wie viel oft schon mit kleinen Korrekturen aus einem Bild herausgeholt werden kann.» - Chris Herzog

Erstellt: 27.11.2019, 18:02 Uhr

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