Wenn ein Flugzeug vom Blitz getroffen wird

Gleich zwei Swiss-Flugzeuge mussten jüngst nach einem Blitzeinschlag ihren Flug abbrechen. Gibt es Grund zur Besorgnis?

Nach einem Blitzeinschlag werden Flugzeuge routinemässig durchgecheckt. Foto: Keystone

Nach einem Blitzeinschlag werden Flugzeuge routinemässig durchgecheckt. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Maschine des Swiss-Flugs LX 724 von Zürich nach Amsterdam musste letzte Woche aufgrund eines Blitzeinschlags kurz nach dem Start wieder umkehren. Mit dem Flug LX 2082 von Zürich nach Lissabon geschah dasselbe. Nach der Landung wurden die Passagiere mit Bussen an ein anderes Gate gebracht und auf andere Maschinen umgebucht.

Dass Flugzeuge in Gewitter fliegen, kommt häufig vor. Wer im Grossraum Zürich lebt, verfolgt manchmal gebannt, wie Flugzeuge sich dem Flughafen nähern, während es ringsum blitzt und donnert. Und erinnert sich an bange Momente im Flugzeug, wenn man im Landeanflug draussen Blitze sah.

Aber gibt es überhaupt Grund zur Besorgnis? «Im Prinzip nein», so die salomonische Antwort. Kommerzielle Flugzeuge sind aufgrund ihres Designs explizit in der Lage, Blitzeinschläge zu verkraften – sie müssen auch alle Blitzsicherheits-Zertifizierungstests durchlaufen.

Letzter Absturz liegt lange zurück

Blitze schlagen relativ häufig in Flugzeuge ein, ohne dass dies zu nennenswerten Problemen führt. Die Kabel an Bord sind alle geerdet und vom Flugzeugrumpf isoliert, durch welchen der Strom in diesem Fall fliesst. Ausser einem leichten Zittern und einem kleinen Knall sollten die Flugzeuginsassen also in der Regel nichts vom Einschlag mitbekommen.

Leider ist es nicht so, dass noch nie ein Flugzeug wegen eines Blitzeinschlags abgestürzt ist. Der letzte erwiesene Fall liegt allerdings 50 Jahre zurück. Laut «Scientific American» explodierte 1967 ein Flugzeug, als ein Lichtbogenüberschlag die Dämpfe im Tank entzündete. Natürlich haben Flugzeugingenieure seitdem fast alle mit Blitzeinschlag verbundenen Probleme eruiert und bestmöglich im Design berücksichtigt.

Ein Problem neueren Datums ist der Umstand, dass viele Flugzeughüllen nicht mehr aus gut leitendem Aluminium bestehen, sondern aus leichteren, aber weniger gut leitenden Materialien. In diesem Fall könnte das Problem sein, dass der Strom statt durch die gut leitende Aussenwand durch besser leitende Medien zu fliessen versucht und dabei Schaden anrichtet. Doch auch daran haben Ingenieure gedacht: Im Rumpf werden extra für die Blitzableitung leitende Kabel, welche mit nichts anderem verbunden sind, angebracht. Dadurch kann der Strom normal durchgleiten. Darüber hinaus ist Jet-Treibstoff heute weniger leicht entzündlich und auch deutlich besser isoliert als noch 1967.

Kurz: Es gibt keinen Grund, einen Blitzeinschlag im Flugzeug zu fürchten. Weil Sicherheit oberste Priorität hat, wird die betroffene Airline das Flugzeug nach dem Einschlag aber sicherheitshalber für einen Check temporär aus dem Verkehr ziehen.

www.travelnews.ch – das Newsportal für Reisen und Tourismus

Erstellt: 12.08.2019, 17:28 Uhr

Artikel zum Thema

40'400 Blitze – zwei Swiss-Maschinen getroffen

Eine heftige Gewitterfront zog mit Hagel und Sturmböen über die Schweiz und sorgte für Ausnahmesituationen. Mehr...

Erste Klasse schon vor dem Flug

Fluggesellschaften umwerben Premium-Kunden mit exklusiven Angeboten. Dazu gehören raffinierte und luxuriöse Lounges am Boden. Zehn Beispiele. Mehr...

Der beste Zeitpunkt für Flugbuchungen

Eine Studie zeigt, wann die günstigsten Preise verfügbar sind und an welchem Tag die Reise gestartet werden sollte. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...