Wie Hongkong aufs Wandern kam

Die Weltstadt erwarb sich in den letzten Jahren den Ruf eines Wanderparadieses. Die Schweizerin Gabi Baumgartner hat grossen Anteil daran.

Ungewohnter Blick auf Hongkong vom Lion Rock Trail. Foto: PD

Ungewohnter Blick auf Hongkong vom Lion Rock Trail. Foto: PD

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Wer Hongkong sagt, meint in der Regel futuristische Wolkenkratzer, Shoppingmalls und Dim Sum. Doch wer hätte es gedacht: Hongkong, das sind auch sandige Strände, idyllische Buchten oder riesige Naturparks. Die bebaute Fläche Hongkongs ist nämlich im Vergleich zu ihrer Grünfläche gering: Lediglich 25 Prozent sind bebaut, der Rest besteht aus Wald, Grünflächen, Stränden oder Berglandschaften.

Hongkong ist also grün, sehr grün. Und das soll so bleiben. In den Country-Parks dürfen per Gesetz keine weiteren Strassen und Häuser gebaut werden. Jahrelang blieb dieses grüne Reservoir nahezu unbeachtet. Doch heute reisen Touristen aus Thailand, Korea oder Japan extra nach Hongkong, um zu wandern. Hongkong erlebt einen Wander-Boom, und mittendrin ist eine Schweizerin: die 51-jährige Gabi Baumgartner.

Sars als Auslöser für den Wanderboom

Zwar liess bereits in den 70er-Jahren der englische Gouverneur Sir Murray MacLehose erste Wanderwege signalisieren. Als aber Gabi Baumgartner vor 23 Jahren mit ihrem Ehemann aus der Schweiz nach Hongkong auswanderte, war die Grünfläche vor Hongkongs Hintertür noch Niemandsland.

Auch das ist Hongkong: Aussicht vom Lo Tei Tun. Foto: PD

Der Schweizerin blieb diese grüne Lunge nicht verborgen. 2002 schlug sie dem Hong Kong Tourism Board vor, Wandertouren anzubieten. Die Reaktion: kollektives Nasenrümpfen. Dann kam Sars. Die Infektionskrankheit drang 2003 nach Hongkong und mit ihr die Angst vor einer Epidemie. Aus Sorge vor Ansteckung mussten die Einwohner plötzlich auf Shopping und Kinobesuche verzichten. Die Regierung habe den Anwohnern geraten, mehr Zeit in den Grünflächen zu verbringen, sagt Baumgartner. Und so schnürten die ersten Hongkonger ihre Wanderschuhe.

Wandern ist jetzt Lifestyle

Früher suchten die Hongkonger in ihrer Freizeit keine Outdoor-Erlebnisse. In den letzten zehn Jahren sind die Hongkonger endgültig auf den Geschmack gekommen: Wandern oder Joggen im Freien gehören nun mit zum urbanen Lebensstil. «Ein Gesundheitstrend hat die Bewohner der Sonderverwaltungszone gepackt.» Mit diesem Trend haben sie das Wanderparadies vor ihrer Haustür endgültig entdeckt.


«Wandern bietet die Möglichkeit, eine ganz andere Seite der Stadt kennen zu lernen.»
Gabi Baumgartner

Und Gabi Baumgartner bewies eine gute Nase. Sie war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort: Im Jahre 2010 begann sie für eine Agentur zu arbeiten, die Wandertouren anbot. Als die Besitzer absprangen, übernahm sie 2012 die Agentur. Heute ist sie in der Wandersaison zwischen Oktober und Mai fast täglich mit Touristen auf einer Tour.

«Natürlich besuchen die meisten Leute Hongkong nicht wegen seiner Grünflächen», sagt Baumgartner. Hongkong hat aber mehr zu bieten als Shoppingmalls und Wolkenkratzer. «Wandern bietet die Möglichkeit, eine ganz andere Seite der Stadt kennen zu lernen.»

Weitere Informationen: www.wandern-hongkong.com

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.06.2019, 16:43 Uhr

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Der MacLehose-Trail

Der berühmteste Wanderweg ist der nach dem einstigen Gouverneur benannte MacLehose-Trail: Die ganze Strecke ist 100 Kilometer lang, in zehn Abschnitte mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden unterteilt. Ein Teil davon ist hügelig; die höchste Erhebung ist mit 957 Metern der Tai Mo Shan. Ebenso prominent sind aber flache Wege mit Sicht auf karibische Strände. Gesamthaft warten in den Grünflächen Hongkongs über 1000 Kilometer Wanderwege durch unbebaute Gebiete. Ausgangsort für Wanderungen, Bootstouren oder Badeausflüge ist meist das Städtchen Sai Kung. Es ist mit dem Bus in lediglich 30 Minuten vom Zentrum Hongkongs erreichbar.

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