Wie man das Feriengefühl in den Alltag hinüberrettet

Kaum sind die Ferien zu Ende, ist die Erholung schon wieder futsch. Es gibt allerdings einige Tricks, um den Erholungseffekt zu erhöhen.

Sich an schöne Augenblicke während der Ferien zu erinnern, hilft, das Feriengefühl zu verlängern. Foto: Pixabay

Sich an schöne Augenblicke während der Ferien zu erinnern, hilft, das Feriengefühl zu verlängern. Foto: Pixabay

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Ferien machen glücklich. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern eine nachweisbare Tatsache. Der holländische Tourismusforscher Jeroen Nawijn hat dieses Glück gemessen und eine «Ferien-Glückskurve» gefunden: Am Anfang der Auszeit passiert noch nicht viel. Doch nach zwei, drei Tagen verbessert sich die Stimmung erheblich und erreicht bald einen Höhepunkt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Laut Nawijn fällt die Glückskurve danach wieder steil ab. Und zwar schon vor dem Ferienende.

Die holländische Psychologin Jessica de Bloom, die an der Universität von Tampere in Finnland lehrt, räumt mit dem Mythos auf, dass lange Ferien notwendig seien, um richtig abschalten zu können. Laut ihr beginnt der Ferieneffekt schon nach einer Woche zu verblassen, und nach rund einem Monat ist er dahin. Und zwar egal, wie lange die Ferien gedauert haben. Der Schluss aus dieser Erkenntnis wäre: Lieber mehrmals im Jahr kürzere Ferien als einmal lange. So kann man wenigstens mehrmals vom Erholungseffekt profitieren.

Die richtige Vorbereitung für die Zeit nach den Ferien fängt laut Ilona Bürgel schon vor den Ferien an. Viele meinten, sagt die Psychologin und Buchautorin aus Dresden, vor den Ferien müsse alles weggearbeitet werden. Das führe jedoch zu erhöhtem Stress, der dann in die Ferien hineinwirke. Wenn wir zu viel Stress aus dem Alltag mit in die Ferien schleppen, machen wir die positiven Effekte zunichte: Erst schalten wir nicht richtig ab; dann beschäftigen wir uns schon vor Ferienende wieder mit den anstehenden Aufgaben. Hingegen hilft es, vor der Abreise den Schreibtisch und die Wohnung aufzuräumen. Man kommt dann mit einem besseren Gefühl aus den Ferien zurück.

Nur chillen bringt nichts

Die zweite Stufe folgt während der Ferien: Carmen Binnewies, Professorin für Arbeitspsychologie an der Universität Münster, hat nachgewiesen, dass zu viel chillen nichts bringt, sondern dass es besonders wohltuend und erholsam ist, etwas Neues zu lernen oder ein Vorhaben umzusetzen. Denn die angemessene Nutzung der eigenen Ressourcen für neue Anforderungen wird mit Wohlbefinden belohnt. Man kann Sport treiben. Wörter in einer neuen Sprache lernen. Landschaften malen. Schnorcheln. Berge erklimmen.

Viele meinen, wenn sie während der Ferien erreichbar seien, dann sei dafür der Stress nach den Ferien kleiner.

«Mehr als ein Drittel aller Beschäftigten in der Schweiz beantwortet auch in den Ferien geschäftliche E-Mails und Telefonate», heisst es bei der Gesundheitsförderung Schweiz. Das ist fatal, denn «die ständige, oft selbst gewollte Erreichbarkeit verhindert, dass die Ferienzeit der Regeneration dienen kann». Viele Ferienmacher meinen, wenn sie während der Ferien per Handy, SMS, Whatsapp und E-Mail erreichbar seien, dann sei dafür der Stress nach den Ferien kleiner. Das ist laut Ilona Bürgel ein Irrtum: Neue Forschungen hätten bewiesen, dass schon allein die Anwesenheit eines Handys Stress erzeuge.

Wer meine, auch in den Ferien nicht ohne elektronische Kommunikation auszukommen, sollte zumindest feste Zeiten dafür bestimmen, jedoch nicht als Erstes am Morgen, nicht als Letztes vor dem Schlafengehen, und nicht mehr als eine Stunde pro Tag, meint Bürgel. Vorbeugend sollte unbedingt eine Abwesenheitsnotiz aufgeschaltet werden, in welcher der zuständige Stellvertreter benannt ist und man klar kommuniziert, dass E-Mails erst nach den Ferien bearbeitet werden.

Shopping, Computerspiele, Essen oder Alkohol gelten als Mittel, um sich schnell vom Stress zu befreien. Das sei falsch, meint Barbara Fredrickson, Professorin für Psychologie an der University of North Carolina. Denn es bestehe die Gefahr, dass man die Dosis laufend erhöhen müsse, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Fredrickson rät, Sinnvolles zu unternehmen, etwa sich der Familie oder Freunden oder einem gemeinnützigen Unterfangen zu widmen, einen Kurs zu belegen oder Bücher zu lesen. Besonders hilfreich seien Aktivitäten im Freien, meint der Schweizer Psychologe Andi Zemp, Experte für Burn-out und Stressfolgestörungen.

Wer erst am Sonntagabend zurückkehrt und sich schon am Montagmorgen in die Arbeit stürzt, wird dort abgehetzt und gestresst ankommen.

Sind die Ferien einmal zu Ende, gibt es ein paar Möglichkeiten, ihren Effekt etwas länger anhalten zu lassen. Das fängt damit an, dass man einen Puffer einbauen sollte: Wer erst am Sonntagabend zurückkehrt und sich schon am Montagmorgen in die Arbeit stürzt, wird dort abgehetzt und gestresst ankommen. Besser kommt man schon am Freitag nach Hause, weil dort eh noch Arbeit wartet: Koffer auspacken, waschen, Post sortieren, Rechnungen bezahlen.

Oder man legt den ersten Arbeitstag auf einen Mittwoch oder Donnerstag, wie Andi Zemp rät. So kann man sich einleben und die wichtigsten Pendenzen erledigen, ohne gleich eine ganze Arbeitswoche absolvieren zu müssen. Eine To-do-Liste hilft, Wichtiges und Dringliches von Unwichtigem zu trennen, nichts zu vergessen und so unnötigen Stress zu vermeiden.

Ein Stressfaktor ist auch die Flut von E-Mails. Diese bearbeitet man am besten von vorn nach hinten, weil sich die allermeisten Mails bekanntlich von selber erledigen, vor allem wenn sie schon etwas älter sind. Nachrichten, die nicht gebraucht werden, sollten sofort gelöscht werden; die übrigen katalogisiert man danach, ob Handlungsbedarf besteht oder die Erledigung noch etwas warten kann.

Erinnerungen wachhalten

Souvenirs sind nicht a priori Kitsch. Die Glücksforschung sagt laut Psychologin Bürgel, dass kleine Erinnerungen an schöne Augenblicke der Fortsetzung des guten Befindens im Alltag dienen. Nicht eine riesige Anhäufung von Andenken ist gefragt, sondern wenige signifikante Gegenstände oder Bilder, welche an die Höhepunkte der Ferien erinnern. Ein kleines Erinnerungsstück sollte man durchaus auch auf das Arbeitspult stellen, oder man wählt ein Ferienbild als Desktop-Hintergrund.

Auch kulinarisch lassen sich die Ferien verlängern, indem man Speisen aus dem Ferienland nachkocht oder in einem einschlägigen Restaurant essen geht. Zudem kann es helfen, «Beschäftigungen oder Gewohnheiten aus den Ferien auch nach Beginn der Arbeit weiterzuführen», sagt Psychologe Zemp. Zum Beispiel am Morgen zu joggen, am Abend zu lesen. So kann man etwas vom Feriengefühl in den Alltag hinüberretten. Und sich auf die nächsten Ferien freuen. (Travelcontent)

Erstellt: 16.10.2019, 21:55 Uhr

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