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Geldblog: PensionsplanungRente auszahlen lassen oder aufschieben?

Wer vor dem Pensionsentscheid steht, sollte sich die finanziellen Konsequenzen aufzeigen lassen und anhand konkreter Zahlen entscheiden.

Sinnvolle Dienstleistung: Banken und Versicherungen bieten umfassende Pensionsplanungen an.
Sinnvolle Dienstleistung: Banken und Versicherungen bieten umfassende Pensionsplanungen an.
Illustration: Christina Baeriswyl

Meine Frau ist vier Jahre älter als ich und wird in zwei Jahren pensioniert. Da seit vielen Jahren ausschliesslich ich für das Einkommen besorgt bin, werden wir nicht auf die AHV-Rente meiner Frau angewiesen sein. Ich für meinen Teil würde gerne ein Jahr früher in Rente gehen. Nun stellt sich für uns die Frage, was wir mit der nicht benötigten AHV-Rente meiner Frau anstellen sollen. Ich sehe zwei Möglichkeiten: Wir lassen uns die Rente nicht auszahlen, um die Reduktion aufzufangen, welche durch meine frühzeitige Pensionierung entsteht. Oder wir lassen uns die Rente auszahlen und verwenden sie für Einkäufe in meine Pensionskasse, wo ich Lücken habe. Wie sehen Sie das? Leserfrage von A.F.

Wenn Sie als Mann statt im ordentlichen Rentenalter von 65 bereits mit 64 in Pension gehen, wird Ihre AHV-Rente gekürzt. Und zwar bis ans Lebensende. Pro Jahr Vorbezug wird die AHV-Rente um 6,8 Prozent vermindert. Da Sie sich lediglich ein Jahr früher pensionieren lassen würden, wären es somit 6,8 Prozent, die Sie kompensieren müssen. Gekürzt wird bei einer Frühpensionierung allerdings auch die Rente der Pensionskasse, ausser Sie hätten eine Spezialregelung mit Ihrem Arbeitgeber. Im Jahr, in dem Sie die AHV früher beziehen, müssen Sie zudem noch als Nichterwerbstätiger Beiträge an die AHV, IV und EO leisten. Falls Sie die Maximalrente bei der AHV haben, würde die Kürzung pro Monat 161.15 Franken lebenslänglich ausmachen.

Würde Ihre Frau ihre AHV-Rente, die Sie beide vorderhand nicht brauchen, aufschieben, würde Ihre Frau von einer Rentenaufbesserung bis ans Lebensende profitieren. Die AHV kann um mindestens ein bis maximal fünf Jahre aufgeschoben werden. Der Zuschlag ist bei Frauen und Männern gleich hoch und beträgt zwischen 5,2 Prozent für einen Aufschub von mindestens einem Jahr und 31,5 Prozent bei einem Aufschub von fünf Jahren. Der Zuschlag wird auch ausgerichtet, wenn Rente und Zuschlag den Betrag der Maximalrente übersteigen.

Einen Rentenaufschub würde ich generell nur wählen, wenn man bei guter Gesundheit ist und von einer hohen Lebenserwartung ausgeht.

Da Sie mir schreiben, dass Ihre Frau länger nicht mehr berufstätig war, hat sie wahrscheinlich nur eine Minimalrente von aktuell 1185 Franken pro Monat. Bei einem Aufschub von einem Jahr würde der monatliche Zuschlag 61.65 Franken betragen. Bei fünf Jahren Aufschub indes 373.25 Franken monatlich. Rein rechnerisch kompensiert wäre Ihr vorzeitiger Bezug wohl ungefähr bei einem Rentenaufschub Ihrer Frau von drei Jahren.

Nicht berücksichtigt ist dabei allerdings die Lebenserwartung von Ihnen und Ihrer Frau. Einen Rentenaufschub würde ich generell nur wählen, wenn man bei guter Gesundheit ist und von einer hohen Lebenserwartung ausgeht. Die obigen Zahlen sind nur mal eine Grobberechnung. Ich rate Ihnen, die genauen Zahlen von Ihrer Ausgleichskasse bzw. jener Ihrer Frau bestätigen zu lassen. Zu berücksichtigen sind zudem Steueraspekte. Natürlich könnten Sie die ordentlich bezogene Rente Ihrer Frau auch in Ihrer Pensionskasse einzahlen und würden deshalb eine höhere PK-Rente bekommen. Wie viel dies in Ihrem Fall genau ausmacht, können Sie sich von Ihrer Pensionskasse ausrechnen lassen.

Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, wenn Sie bei Ihrer Bank oder Versicherung eine Pensionsplanung vornehmen lassen. Dann kann man Ihnen all Ihre Optionen aufzeigen und anhand Ihrer effektiven Daten die finanziellen Konsequenzen der beiden Szenarien aufzeigen, wobei hierbei auch Ihre übrige Vermögenslage sowie die Steuerfolgen mit berücksichtigt werden. Dies scheint mir der bessere Weg, da Sie und Ihre Frau dann anhand konkreter Zahlen entscheiden können, welchen Weg Sie gehen möchten.

4 Kommentare
    Dana Wecker

    Wer unter 45 ist wird keinen Rappen wird keinen Rappen Pension, Rente oder anderweitige Sozialversichetlrungsleistungen erhalten. Die Polititik täte gut daran junge Arbeitmehmer auf diese banale mathematische Unausweichlichkeit vorzubereiten. Hinter vorgehaltener Hand raten mir selbst Geschäftsführer von Pensionskassen sämtliche Guthaben umgehend in Sicherheit zu bringen.