An sich selbst gescheitert

Nach vielen Höhenflügen landeten die Schweizer Turner brutal auf dem harten Boden der Realität.

Bruchlandung: Die Schweizer Turner landen in Rio auf dem Boden der Realität.

Bruchlandung: Die Schweizer Turner landen in Rio auf dem Boden der Realität.

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Höhepunkt war auf Glanzpunkt gefolgt, und Mal für Mal hatten sich die Schweizer Turner in den vergangenen zwei Jahren selbst übertroffen. Nun kam nach diesem Ritt auf Wolke 7 die harte Landung für das Team um Captain Pablo Brägger: Nach insgesamt fünf Stürzen und dem 9. Rang hat es die Qualifikation für den Teamfinal vom Montag verpasst. In seiner Stelle schaffte Deutschland den Einzug, jenes Team also, bei dem sich Andreas Toba nach einem Sturz am Boden einen Kreuzbandriss zuzog - und nachher trotzdem noch am Pferdpauschen turnte.

Ja: Für ein Team mit diesen Anlagen war die Finalqualifikation eine Pflichtaufgabe gewesen. Jedem der fünf Turner war dies bewusst. Doch all ihren Analysen war gemeinsam, dass keiner wirklich eine Erklärung für die grosse Enttäuschung hatte. Der Auftakt an den Ringen war verlaufen wie gewünscht. Danach beim Sprung stürzte Brägger zwar, doch es folgten ja die stärksten Schweizer Geräte: Barren und Reck. Die Ausgangslage war also ähnlich wie an der Heim-EM vor gut drei Monaten: Auf dem Weg zu Bronze hatte erst ein Fehler zu Beginn das Team in ihren Paradedisziplinen zur Höchstleistung getrieben.

Lehrgeld gezahlt

Diese Trotzreaktion blieb am späten Samstagaband in der HSBC Arena im Olympiapark aus. Vielmehr stürzen Eddy Yusof und Oliver Hegi am Barren und Yusof auch am Reck noch einmal, Hegi schliesslich rutschte beim Ausgang so unglücklich von der glatten Stange, dass er statt eines schwierigen Elements bloss einen missratetenen Doppelsalto auf die Füsse brachte. Wie so etwas passieren könne, das frage er sich schon, sagte der Aargauer. Eine Antwort hatte er nicht darauf. Vielmehr sind für ihn die Olympischen Spiele jetzt bereits vorbei. Die Plätze im Mehrkampffinal für Brägger und Yusof sind nichts als ein Trösterchen.

Sie hätten Lehrgeld gezahlt, fand Brägger abschliessend, und dass das junge Team nicht vor Rückschlägen gefeit sein würde, musste man annehmen. Aller starken Leistungen davor zum Trotz. «Wir waren erfolgsverwöhnt und dachten vielleicht, es ginge immer so weiter», sagte Felix Stingelin, Chef Leistungssport beim Turnverband. Doch selbstverständlich kann ein sechster WM-Rang oder eine EM-Bronzemedaille für ein Schweizer Turnteam nicht sein. Zu gross die Konkurrenz, zu schmal der Grat. In Rio hat es das zu spüren bekommen, ist es ein erstes Mal gescheitert. Primär: an sich selber.

Erstellt: 07.08.2016, 14:57 Uhr

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