«Eine bessere Gelegenheit wird nicht mehr kommen»

Vor dem Olympia-Final gegen Deutschland hat Brasilien gleich drei Rechnungen zu begleichen.

Grosser Druck: Neymar kann seinen Landsleuten helfen, traumatische Fussball-Erlebnisse zu verarbeiten.

Grosser Druck: Neymar kann seinen Landsleuten helfen, traumatische Fussball-Erlebnisse zu verarbeiten. Bild: Keystone

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64 Jahre lang war der 16. Juli 1950 in den Köpfen der Brasilianer eingebrannt. Ein Schandfleck der glorreichen Fussballhistorie des «Pentacampeao», des mittlerweile fünffachen Weltmeisters. Im vor 200'000 Zuschauern überfüllten Maracana traf Brasilien damals im WM-Final auf Uruguay, das ganze Land erwartete nichts anderes als den Heimsieg. Doch es kam anders: Uruguay gewann 2:1 und stürzte Brasilien in eine tiefe Depression – als «Maracanaço» ging das verlorene Endspiel als schlimmste Niederlage in der Geschichte ein.

Bis zum 8. Juli 2014: Erneut trug Brasilien eine Weltmeisterschaft im eigenen Land aus, trotz zuletzt enttäuschenden Resultaten waren die Erwartungen riesig. Nur Deutschland stand im Halbfinal im Weg zu einem Endspiel gegen den verhassten Nachbarn Argentinien. Ohne seinen verletzten Superstar Neymar kam der Gastgeber im Estadio Minerao von Mineiro gleich mit 1:7 unter die Räder – der «Mineiraço» war geboren.

Als grosser Favorit gescheitert

Nicht für wenige ist der Olympia-Final heute (22.30 Uhr) deshalb eine Art doppelte Revanche. Das Trauma im Maracana könnte heute mit dem ersten Olympiasieg der brasilianischen Fussballer in der Geschichte beigelegt werden, dazu gleich noch die Revanche für die bittere Klatsche vor zwei Jahren. Doch Neymar spricht von keiner der beiden Niederlagen, wenn er sagt: «Wir haben uns eine zweite Chance erarbeitet.»

Der Barça-Stürmer und Captain der aktuellen Auswahl Brasiliens erinnert dabei an die bittere 1:2-Niederlage vor vier Jahren gegen Mexiko, beim Final der Olympischen Spielen 2012 in London. Damals wurden die gesamten Kräfte gebündelt, Stars wie PSG-Captain Thiago Silva, der heutige Juve-Spieler Alex Sandro, Real-Star Marcelo, Chelseas Oscar, Zenits 50-Millionen-Transfer Hulk oder Neymar waren dabei. Brasilien war der grosse Favorit, scheiterte jedoch grandios.

Insbesondere Neymar war damals untröstlich. Der Rückschlag hatte sogar Einfluss auf seine Karriere, wie er gegenüber «O Globo» erklärte: «Ich lernte auf die harte Tour, dass man immer hart an sich arbeiten muss. Das wurde mir nach dieser Niederlage endgültig klar.»

Eine spezielle Motivation

Im Maracana kann die brasilianische Auswahl also gleich drei Rechnungen mit einem Sieg begleichen. Nach einem peinlichen Start mit zwei Nullnummern gegen Südafrika und Irak steigerte sich das Team und spielte sich mit einem 4:0 gegen Dänemark, 2:0 gegen Kolumbien und zuletzt einem 6:0 im Halbfinal gegen Honduras zwischenzeitlich in einen Rausch – somit haben die Brasilianer noch kein Gegentor erhalten. Auch deshalb sagte Neymar dem «O Globo»: «Eine bessere Gelegenheit wird nicht mehr kommen.»

Ein Selbstläufer ist aber nicht zu erwarten. Das deutsche Kader ist gespickt mit Spielern aus der 1. Bundesliga, dazu stehen Freiburgs Nils Petersen und Arsenals Serge Gnarby bereits bei sechs Turniertoren. Dazu war das 4:0 im Viertelfinal gegen den amtierenden U-21- und A-Europameister Portugal eine deutliche Warnung ans Heimteam.

Doch Neymar hat noch eine weitere Motivation: Sein Sohn David Lucca. «Er ist mittlerweile vierjährig – alt genug, um im Stadion dabei zu sein.» Der Filius verstehe zwar immer mehr von Fussball, aber langweile sich auch öfters. Nun liegt es an Papa Neymar, seinem Sohnemann eine Show zu bieten – und seinem Land helfen, die traumatischen Fussball-Erlebnisse vergessen zu machen. (fas)

Erstellt: 20.08.2016, 19:08 Uhr

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