Abtreten wie ein ganz Grosser

Fabian Cancellara war fähig, am Tag X nochmals alles abzurufen – und darf so seine Karriere am Höhepunkt beenden.

Der grosse Moment: Fabian Cancellara bekommt die Goldmedaille. Video: SRF.

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Fabian Cancellara versuchte im Laufe dieser Saison deren Bedeutung oft zu relativieren. Ein Sieg mehr oder weniger, befand er jeweils, würde die Gesamtbeurteilung seiner Karriere nicht grundlegend verändern. Er sprach vor allem im Frühling so, als gewerweisst wurde, ob er seinen sieben Siegen bei Radmonumenten wohl noch einen achten hinzufügen würde.

Er konnte nicht. Die Jungen wirkten bei den Kopfsteinpflaster-Rennen frischer, williger, motivierter, bereit, wirklich alles für den einen Sieg in die Waagschale zu legen. Cancellara fuhr diese Rennen solide. Aber die Extraklasse, dieses Etwas, das ihn bei all seinen Siegen ausgemacht hatte, fehlte.

Lange Zeit liess er auch offen, ob er überhaupt nach Rio zu seinen vierten Spielen reisen würde. Zumindest öffentlich. Für sich hatte er die Entscheidung schon viel früher getroffen, am Ende der verpatzten Saison 2015.

Nach dem – für seine Verhältnisse – diskreten Frühjahr schaffte er es noch einmal, für den einen grossen letzten Erfolg ein Opfer zu bringen. Er verzichtete an der Tour de France auf Mätzchen und eigene Ambitionen, was mässige Resultate zur Folge hatte. Er verlor darob nie den Fokus, hatte stets Rio vor Augen.

Cancellara kam nach dem abschliessenden Trainingsblock in der Heimat, an der Seite von Nationalcoach Luca Guercilena, seiner Vertrauensperson, in Topform nach Brasilien. Er war schlank wie selten, was gerade auf diesem Parcours entscheidend war. Dieser kam ihm mit seinen zwei Anstiegen nicht entgegen, bei weitem nicht. Und doch schaffte er es, bergauf den Rückstand zu limitieren und bergab den Unterschied zu machen.

Cancellara wäre mit einer Medaille zufrieden gewesen, mit jeder Medaille. Aber er war am Ende seiner Karriere noch einmal fähig, am Tag X alles abzurufen. Nun zeigt sich auch, dass er irrte mit seiner Annahme, die Resultate dieser Abschiedssaison seien unwichtig für die Gesamtbeurteilung seiner Karriere. Diese Goldmedaille nach 16 Profijahren lässt ihn auf dem Höhepunkt abtreten. Das ist nur ganz wenigen Grossen vorbehalten.

Erstellt: 10.08.2016, 18:42 Uhr

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