Das grosse Schmollen

Vom Moment an, als Janika Sprunger erfahren hatte, dass sie im Springreiterfinal zuschauen musste, nahmen bei der Baselbieterin die Gefühle überhand.

Bitter enttäuscht: Janika Sprunger.

Bitter enttäuscht: Janika Sprunger. Bild: Keystone

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Noch am Mittwochabend stellte sie die Neuigkeit auf ihr Facebook-Konto, obwohl sie damals noch nicht definitiv war, da man teamintern abwarten wollte, wie sich die vier Pferde am Tag nach dem schwierigen Nationenpreis präsentierten. Sie setzte sich, im Überschwang der Gefühle, über die abgemachte Kommunikationspolitik hinweg.

Auch als Sprunger am Tag danach vom Schweizer Fernsehen interviewt wurde, hatte sich ihr innerer Sturm noch nicht gelegt. «Ich kann es nicht nachvollziehen, dass ich es bin, ganz ehrlich, ich und Bonne Chance sollten nicht die vierte Wahl sein», sagte sie zum Entscheid von Teamchef Andy Kistler, dass sie es war, die der Länderkontingentierung zum Opfer fällt. Alle vier Reiter hatten in den drei Qualifikatiosspringen 9 Fehlerpunkte gesammelt und lagen auf Rang 23, aber nur drei durften zum Finale der Top 35 antreten.

«Es ist schwierig, sich als Frau zu behaupten»

«Einen fairen Entscheid konnte es nicht geben, es wäre für keinen fair gewesen», sagte die 29-Jährige zwar. Aber sie betonte, dass sie und ihre Stute seit zwei Jahren enorm konstant seien und eine Chance verdient hätten. «Wir sind ein verlässliches Paar, das haben wir zwei Saisons lang gezeigt, letzte Saison und jetzt die ganze Saison durch. Ich hatte gehofft, dass das etwas Gewicht hat.» Worauf sie das fadenscheinigste aller Argumente anführte: ihr Geschlecht: «Es ist schwierig, sich als Frau immer wieder zu behaupten.»

Sprunger beklagte sich auch darüber, dass «niemand hingestanden» sei, um sich anzuhören, was sie dazu zu sagen gehabt hätte. Klar ist aber, dass es gar kein stichhaltiges Argument gab, das sie dem Auswahlprozedere von Teamchchef Kistler hätte entgegensetzen können. Denn Sprunger war im Teamwettbewerb zusammen mit Steve Guerdat die schlechteste des Quartetts gewesen, zudem hatte sie am Dienstag mit einem 8-Fehler-Ritt als Startreiterin das Team in Rücklage gebracht (Fuchs und Duguet totalisierten in den beiden Durchgängen fünf Punkte). Guerdat, der Olympiasieger von London, war teamintern gesetzt, als Mann der grossen Momente. Zudem war er als Schlussreiter auch am meisten unter Druck gestanden im Reitpark von Deodoro. Der Jurassier bestätigte, dass teamintern schon vor Beginn der Wettbewerbe abgemacht worden war, dass das Teamspringen höher gewertet würde als das erste Qualifikationsspringen vom Sonntag.

Sprungers Laune dürfte sich am Freitag nicht gebessert haben, als sie miterleben musste, wie fehlerhaft Romain Duguet auf Quorida de Treho den ersten Finaldurchgang absolvierte. Die beiden sammelten gleich zwölf Fehlerpunkte, womit der Traum von der Medaille für die beiden schon ausgeträumt war. Guerdat und Fuchs dagegen glückten Blankoritte, womit sie sich für das grosse Finale qualifizierten.

Erstellt: 19.08.2016, 15:38 Uhr

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