Das kurioseste Rennen von Rio

Weil sie beim Stabwechsel behindert wurde, durfte die US-Frauenstaffel den Vorlauf über 4x100 Meter wiederholen. Es folgte ein Geisterrennen.

Rennen gegen die Zeit: Die Wiederholung des Vorlaufs über 4x100 Meter. Foto: Gonzalo Fuentes (Reuters)

Rennen gegen die Zeit: Die Wiederholung des Vorlaufs über 4x100 Meter. Foto: Gonzalo Fuentes (Reuters)

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Die Zuschauer im Olympiastadion blickten sich ungläubig an. Was da gerade passiert war, hatte so noch keiner von ihnen gesehen. Vier amerikanische Sprinterinnen standen auf der blauen Laufbahn verteilt – eine alle 100 Meter. Es war die Damen-Staffel der USA. Doch ausser ihnen stand kein anderes Team auf der Laufbahn.

Eigentlich war das amerikanische Team in seinem Vorlauf über die 4x100 Meter ausgeschieden. Disqualifiziert, wegen eines Wechselfehlers. Die Goldstaffel von London 2012 liess beim zweiten Wechsel den Stab fallen. Für Allyson Felix, English Gardner, Tianna Bartoletta und Morolake Akinosun schien der Traum von einer Medaille ausgeträumt.

Doch so schnell wollte sich der US-Verband nicht geschlagen geben. Er legte Protest gegen die Wertung ein und bekam recht. Allyson Felix sei auf ihrer Bahn von einer Brasilianerin folgenschwer behindert worden. Doch was tun? Die US-Girls hatten ihren Lauf nicht zu Ende bringen können. Sollten jetzt etwa alle Staffeln nochmal laufen? Nein, nur die USA.

Und so kam es zu einem merkwürdigen Rennen, irgendwo zwischen Geisterlauf und Trainingseinheit. Nur die Bahn zwei wurde benötigt. Die restlichen Laufspuren blieben leer. Auch das Ziel der Amerikanerinnen war klar: schneller rennen als die 42,70 Sekunden der achtplatzierten Chinesinnen und, mindestens genau so wichtig, diesmal bloss keinen Fehler machen.

«Es war total verrückt»

So liefen die Amerikanerinnen ein Rennen gegen sich selbst und ... sie gewannen. Obwohl keine Konkurrentinnen da waren, an denen sie sich orientieren konnten, stürmten die US-Frauen in 41,77 Sekunden doch ins Finale. «Es war total verrückt, aber auch sehr lustig. Ich bin froh, dass wir noch eine Chance bekommen haben und uns für das Finale qualifiziert haben», sagte Akinosun anschliessend.

Und ihre Teamkollegin Felix fügte sichtlich erleichtert an: «Ich war mir nicht sicher, wie so eine komische Situation ausgeht. Ich habe so etwas zum ersten Mal erlebt, aber ich bin froh, dass wir es gepackt haben.»

Letztlich war es sogar die schnellste Vorlaufzeit, zwei Hundertstelsekunden vor Jamaika und sogar vier Zehntelsekunden besser als die viertplatzierten deutschen Damen. Das Finale folgt am Samstag. Dann werden auch sicher wieder andere Staffeln mitlaufen.

(«Die Welt»)

Erstellt: 19.08.2016, 08:18 Uhr

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