Hingis' grösster Erfolg für die Schweiz

Die Silbermedaille von Martina Hingis und Timea Bacsinszky ist auch eine Erlösung für Swiss Tennis, das statt eines schlagkräftigen Sextetts letztlich nur noch ein Duo entsenden konnte

Auch wenn es nicht zu Gold reichte, das Doppel Hingis/Bacsinszky erwies sich in Rio als Glücksfall.

Auch wenn es nicht zu Gold reichte, das Doppel Hingis/Bacsinszky erwies sich in Rio als Glücksfall. Bild: Keystone

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Martina Hingis und Timea Bacsinszky haben in Rio gezeigt, dass im Millionen-Dollar-Sport Tennis auch andere Werte zählen als Geld und Punkte - etwa der Stolz, für das eigene Land anzutreten. Das kam bei der Lausannerin weniger überraschend als bei der bald 36-jährigen Hingis, deren Verwurzelung im eigenen Land eher fragwürdig zu sein schien. Sie hatte aber auch erst einmal Olympische Spiele bestritten, als 15-Jährige; die vier folgenden Anlässe verpasste sie alle, durch Verzicht, Rücktritt und Sperre.

Nun kam sie, 20 Jahre später, zurück und zeigte, wie viel ihr das Land, das ihre Mutter einst gewählt hatte, wirklich bedeutet. Wie sie aufblühte neben der ebenso ehrgeizigen und kämpferischen Bacsinszky und wie bewegt sie war, hat man selbst an Grand Slams noch nicht gesehen. Dort pflegt sie aber auch für sich zu spielen, im Doppel zudem für ihre Partnerin, und dort steht sie auch international im Fokus. In Rio war das anders: Hier interessierten sich vornehmlich Schweizer Medien für sie - dafür viel mehr als üblich. Und sie genoss es, nachdem sie gerade zu Hause schon so viel Hohn und Spott über sich ergehen lassen musste.

Hingis offenbarte in Rio aber auch Quailtäten, die an Roger Federer erinnern: Sie demonstrierte, dass sie immer noch eine Vollblutsportlerin mit Spielfreude und angeborenen Champion-Qualitäten ist. Und sie liess sich auch nicht unterkriegen durch die negativen Vorzeichen. Davon, dass Federer und Stan Wawrinka absagten; mit jedem von ihnen wäre eine Medaille im Mixed einfacher zu holen gewesen als im Frauendoppel. Dann fiel auch noch Belinda Bencic aus, ihre vorgesehene Partnerin.

Hingis tat, was sie seit über 30 Jahren auf dem Tennisplatz tut: Sie machte das Beste aus der Situation. Ihre Silbermedaille mit Bacsinszky ist auch eine Erlösung für Swiss Tennis, das statt eines schlagkräftigen Sextetts letztlich nur noch ein Duo entsenden konnte, dem im besten Fall eine halbe Chance auf Edelmetall attestiert werden durfte. Für Hingis persönlich aber ist sie der grösste Erfolg, den sie je für die Schweiz errang. Rio könnte dafür sorgen, dass sie nun endlich auch hier jene Anerkennung erhält, die sie schon lange verdient hätte.

Erstellt: 14.08.2016, 19:05 Uhr

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