«Ich habe alles richtig gemacht»

Nicola Spirig spricht über ihre Silbermedaille und erzählt, wie sie die Siegerin aus dem Konzept bringen wollte.

Nicola Spirig feiert ihren Zieleinlauf am Triathlon in Rio.

Nicola Spirig feiert ihren Zieleinlauf am Triathlon in Rio. Bild: Keystone

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Silber gewonnen, nicht Gold verloren. So lautete das Fazit von Nicola Spirig nach dem Frauen-Triathlon. Die Olympiasiegerin von London musste sich im Kampf um Gold einzig Gwen Jorgensen beugen.

«Meine Taktik, die anderen auf dem Rad müde zu machen, ging auf. Ich hätte auch hinten drin sitzen können. Doch das entsprach nicht meinem Stil. Ich habe alles richtig gemacht», sagte Spirig und bedauerte nur eines: «Am Ende hatte ich leider wieder keine Zeit, eine Schweizer Fahne zu nehmen auf der Zielgeraden.»

Rund 1,5 Kilometer vor dem Ziel konnte Spirig das Tempo von Jorgensen, der amerikanischen Weltmeisterin von 2014 und 2015, nicht mehr mitgehen. Bis ins Ziel holte Jorgensen noch 40 Sekunden Vorsprung heraus.

Die Tempoverschärfungen von Spirig

Spirig musste auf der Zielgeraden noch beschleunigen, um Silber abzusichern, da Vicky Holland bei ihrem gewonnenen Duell um Rang 3 gegen ihre britische Landsfrau Non Stanford mit einem fulminanten Endspurt noch bis auf fünf Sekunden zu Spirig aufschloss.

Nach dem zweiten Wechsel einer 18-köpfigen Spitzengruppe hatten Spirig und Jorgensen acht Kilometer lang Schulter an Schulter das Spitzenduo gebildet - und unterhielten sich dabei auch. Spirig: «Es ging darum, wer die Führungsarbeit in den Passagen mit Rücken- und Gegenwind jeweils übernehmen sollte. Ich sagte ihr auch, dass sie da übernehmen sollte, weil ich ja schon eine Olympia-Medaille gewonnen hatte, sie aber noch nicht. Ich versuchte dadurch auch, sie etwas aus dem Konzept zu bringen.»

Spirig und Jorgensen lieferten sich lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das Duo war bereits gemeinsam am Ende einer Spitzengruppe von gut zwei Dutzend Athletinnen aus dem Wasser gekommen. Auf der 40 km langen Radstrecke gab Spirig dann wie erwartet den Ton an und streute auch immer wieder Tempoverschärfungen ein.

Doch ein Wegkommen gab es nicht, da beispielsweise WM-Leaderin Flora Duffy auf dem Rad nicht die erwartete oder erhoffte Helfer-Rolle für Spirig übernehmen konnte. Häufig direkt an Spirigs Hinterrad klebte dafür Jorgensen, die sich nicht abschütteln liess, aber natürlich so gut wie keine Führungsarbeit leistete.

Besseres Rennen als in London

Spirigs Trainer Brett Sutton lobte den Auftritt seiner Top-Athletin: «Nicola hat ein besseres Rennen als vor vier Jahren in London gezeigt. Ich war davon ausgegangen, dass sie mit 40 Sekunden Rückstand aus dem Wasser kommt. Doch sie war in der ersten Gruppe.»

Spirig sei eine der couragiertesten Sportler, welche die Schweiz je gesehen habe. «Ich bin stolz, jemanden wie sie zu trainieren.» Dass Spirig auf dem Rad die Amerikanerin nicht abschütteln konnte, sei auch auf den Parcours auf den Parcours zurückzuführen gewesen. «Die anspruchsvollen Passagen auf der Radstrecke, wo Nicola sie hätte abhängen können, waren zu kurz.»

Dennoch liess Spirig nichts unversucht, konnte sich dreimal mit drei Sekunden Vorsprung leicht von der Gruppe mit Jorgensen absetzen. «Mit Support auf der Radstrecke hätte sie sicher ein Loch an der Spitze reissen können», ist Sutton überzeugt. Wohl einzig die heutige Mittel- und Langdistanz-Weltbeste Daniela Ryf wäre indes fähig gewesen, für Spirig eine effektive Lokomotive zu spielen.

Aber der olympische Triathlon sei halt ein Event mit erlaubtem Windschattenfahren. «Und deshalb verdient Gwen natürlich die Goldmedaille. Denn als ihr Trainer hätte ich ihr genau auch den Auftrag gegeben, sich auf der Radstrecke so zu verhalten», so Sutton.

Zieleinlauf emotionaler als in London

Für Spirig war der Zieleinlauf emotionaler als jener beim Gewinn der Goldmedaille 2012 in London. «Ich bin sehr stolz auf das, was ich geleistet habe. Schliesslich ist so viel passiert in den letzten vier Jahren. Auf privater Ebene die Heirat, die Mutterschaft von Yannis oder der Hausbau plus Renovierung, der Aufbau einer Stiftung und der Kids-Serie. Und sportlich EM-Marathon, Ironman.» Und zuletzt in der Vorbereitung auf Olympia der Bruch der linken Hand Anfang März bei ihrem unverschuldeten Sturz in Abu Dhabi. Noch in Rio startete Spirig mit 23 Schrauben und drei Platten in der Hand.

Sutton: «Nicolas grösste Sorge vor dem Start war, ihr Land nicht zu enttäuschen.» Das habe sie definitiv nicht getan und zudem Gwen Jorgensen bestmöglich herausgefordert. «So getestet wie von Nicola ist sie noch nie geworden», ist der Australier überzeugt. Indirekt erhielt Sutton von Jorgensen die Bestätigung: «Ich wollte mich nicht abhängen lassen und biss auf die Zähne.»

Silbermedaillen-Gewinnerin Spirig wird nun noch ein paar Tage mit der Familie in Brasilien bleiben. Ihre sportliche Zukunft ist offen. Klar indessen ist, dass es für sie die letzten Olympischen Spiele als Triathletin waren. «Aber die sportliche Zukunft werden wir in den nächsten Tagen besprechen», sagt Spirig. Sutton weiss etwas mehr: «Sie hat mir gesagt, dass sie noch zwei weitere Kinder möchte.» Gut möglich also, dass sich die Prioritäten wieder verlagern. (SDA)

Erstellt: 20.08.2016, 21:24 Uhr

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