«Ich bin glücklich, meine Träume erfüllt zu haben»

Am Rande der Olympischen Spiele kündigt Jelena Isinbajewa, die weltbeste Stabhochspringerin, ihren Rücktritt an. Künftig wird sie Athletenvertreterin des Olympischen Komitees.

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Nach ihrer Enttäuschung, wegen des generellen Ausschlusses der russischen Leichtathletik nicht an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen zu können, hat die weltbeste Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa den Rücktritt bekanntgegeben.

Die 34-jährige Russin verkündete den Schritt heute bei einer Pressekonferenz am Rande der Olympischen Spiele.

Die zweimalige Olympiasiegerin, dreimalige Weltmeisterin und Weltrekordhalterin gehört nach ihrer Wahl in Rio künftig als neues Mitglied der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees an. In den Arenen, also an den Meetings und Meisterschaften, will sie aber nicht mehr antreten.

Jelena Isinbajewa hatte ihren Start an den Sommerspielen auf dem Rechtsweg zu erzwingen versucht, sie blieb aber erfolglos.

Pionierin ihrer Disziplin

Isinbajewa übersprang als erste Frau die Fünf-Meter-Marke und gewann alles, was man gewinnen kann. «Heute, am 19. August 2016 in Rio de Janeiro, beendet Jelena Isinbajewa ihre professionelle Karriere», sagte die Athletin etwas pathetisch. «Ich sage aber nicht dem Sport goodbye.»

Anstelle der Höhenflüge bis auf Weltrekordniveau will sie zukünftig für die Rechte der Sportler und vor allem um die Rehabilitierung des russischen Sports kämpfen, der durch enthülltes Staatsdoping in Misskredit geratenen ist. Isinbajewa, die selbst wegen des Ausschlusses der Leichtathleten Russlands durch den Weltverband IAAF nicht in Rio starten darf, hält den Bann und die Vorwürfe für unfair und falsch. «Alle Anschuldigungen basieren auf Vermutungen, nichts ist nachgewiesen. Ich will mehr Fakten sehen», erklärte sie.

«Ich bin eine saubere Athletin»

Ihre Rücktrittsankündigung nutzte sie mitten im olympischen Geschehen einmal mehr, um gegen diese Ungerechtigkeit zu wettern und sich als Opfer der IAAF-Willkür darzustellen. «Ich bin eine saubere Athletin», bekräftigte Isinbajewa. Bevor sie nach Rio abgeflogen sei, habe sie niemals vergeben wollen, «auf diese Weise» von den Spielen verbannt zu sein. Nach der Ankunft habe sie ihre Meinung über die IAAF und ihren Präsidenten Sebastian Coe geändert: «Das war unfair. Aber ich vergebe ihnen. Gott wird ihr Richter sein.»

Die IAAF hält Distanz zu Isinbajewa und nahm ihre Wahl in die Athletenkommission des IOC nur zur Kenntnis. «Kein Mitglied der IAAF hat mir gratuliert», berichtete Isinbajewa, die mit der viertbesten Stimmenzahl ins IOC einzog. «Athleten aus aller Welt haben mich gewählt. Das ist ein grosser Sieg und eine grosse Ehre für mich.» Ob auch Russlands Präsident Wladimir Putin zu den Gratulanten gehörte, verriet sie nicht: «Das bleibt ein Geheimnis.»

Die Karriere als eine der bekanntesten Athletinnen der Welt beendete Isinabjewa mit grosser Zufriedenheit. «Ich bin glücklich, meine Träume erfüllt zu haben», resümierte sie. «Ich habe alle möglichen Medaillen und Titel und weltweit das Vertrauen der Fans gewonnen.» (nag/si)

Erstellt: 19.08.2016, 20:09 Uhr

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