Jetzt zählt nur noch eins

Ganz Brasilien hält den Atem an: Gelingt im Fussball-Final gegen Deutschland die Revanche für das «Massaker» von 2014? Schwarz-Rot-Gold schwellt schon mal die Brust.

Soll Brasilien von den Schmerzen der historischen Niederlage gegen Deutschland erlösen: Neymar Junior.

Soll Brasilien von den Schmerzen der historischen Niederlage gegen Deutschland erlösen: Neymar Junior. Bild: Fernando Bizerra Jr./Keystone

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Silber hat Brasilien auf sicher, aber das ist nicht genug. Noch nie konnte das Land im Männer-Fussball eine olympische Goldmedaille bejubeln, noch nie stand man so kurz davor. Nur noch einen Sieg braucht das Team um Superstar Neymar zur wichtigsten Goldmedaille. Einen Sieg gegen Deutschland – ausgerechnet Deutschland.

«Die grösste Schande
in der Geschichte.»
Titel der brasilianischen Sportzeitung «Lance!»
nach dem WM-Aus 2014

Der Vergleich mit dem aktuellen Weltmeister ist für die Brasilianer eine Sache der nationalen Ehre. Es geht um die Revanche für eine Schmach, die sie bis heute nicht vergessen haben: die epochale 1:7-Pleite gegen Deutschland im WM-Halbfinal im eigenen Land vor zwei Jahren. «Historisches Debakel. Von Deutschland massakriert», schrieb damals die Zeitung «Folha de São Paulo» – und übertrieb damit kein bisschen.

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Für die Brasilianer war die Niederlage eine Demütigung, ja die grösste Schande in der Geschichte des Fussballs. Sie hat sich dem Gedächtnis von Millionen eingeprägt, die auf den Rängen im Stadion und im ganzen Land vor den Bildschirmen sassen. Nun bietet sich im Olympiafinal am Samstagabend die Chance zur Revanche. Und die Hoffnungen Brasiliens ruhen auf einem Spieler: Neymar Junior.

Der Superstar des FC Barcelona fehlte 2014 bei der Mutter aller Niederlagen verletzt. Jetzt führt er die Seleção als Captain auf den Platz und soll sich quasi im Alleingang an den Deutschen rächen. «Neymar und die Last einer ganzen Nation», twitterte deshalb Fútbol Brasileño.

Auf dem Team und besonders auf den Schultern Neymars lastet ein unglaublicher Druck. Vor dem Olympiaturnier wurde nichts anderes als die Goldmedaille als Ziel vorgegeben. Nach harzigem Start steigerten sich die Brasilianer von Spiel zu Spiel. Zuletzt fegten sie Honduras im Halbfinal mit 6:0 vom Platz. Aber reicht das auch gegen einen Gegner wie Deutschland? Das ganze Land fürchtet sich, denn der 2. Rang käme in den Augen des so anspruchsvollen Publikums einem monumentalen Scheitern gleich.

Die Deutschen hingegen freuen sich auf den Final und erinnern sich natürlich nur allzu gern an den historischen Sieg vor zwei Jahren. Die Mannschaft des ehemaligen Nationalspielers und Europameisters Horst Hrubesch hat eine ähnliche Entwicklung hinter sich wie Brasilien: Nach schleppendem Turnierstart hat sie sich gefestigt und geht voller Selbstvertrauen ins Spiel.

«Wir haben denselben Teamspirit, wir kämpfen und rennen füreinander – wie 2014.»Matthias Ginter, deutscher Nationalspieler

Im Maracanã in Rio, wo es am Samstagabend zum Showdown kommt, wurden die Deutschen 2014 Weltmeister. Mit dabei war damals auch Matthias Ginter, der jetzt eine der Stützen des Olympiateams ist. «Wir haben denselben Teamspirit, wir kämpfen und rennen füreinander – wie 2014. Jetzt haben wir eine Medaille und freuen uns aufs Finale», lautete Ginters Kampfansage. Für Deutschland ist es ein Traumfinal, für Brasilien könnte es zum Trauma werden.

Erstellt: 18.08.2016, 09:56 Uhr

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