Muskeln abtrainieren? Oder einfach am Strand liegen?

Was Sportler nach grossen Wettkämpfen wie Rio machen, wie sie sich am besten erholen und was es mit dem «Sportlerherz» auf sich hat.

Von der Anspannung in die Phase der Ruhe ist ein weiter Weg: Usain Bold nach seinem 4*100-Lauf in Rio. (20. August, 2016)

Von der Anspannung in die Phase der Ruhe ist ein weiter Weg: Usain Bold nach seinem 4*100-Lauf in Rio. (20. August, 2016) Bild: Reuters

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Es ist nicht leicht, Olympionike zu sein. Wer nicht Usain Bolt oder Michael Phelps heisst, sportelt jahrelang weitgehend im Verborgenen, kann sich von Zuwendungen der Sporthilfe kaum über Wasser halten - um dann kurz im Rampenlicht zu stehen und, wenn es blöd läuft, im Vorlauf auszuscheiden. Und statt anschliessend eine verdiente Pause zu geniessen, heisst es nach den Olympischen Spielen: Weitermachen, nicht nachlassen, sonst drohen Sportlerherz und andere Gefahren.

«Erholung ist wichtig. Nach so einem Ereignis müssen Körper und Geist regenerieren, damit irgendwann wieder gezielt Reize gesetzt werden können», sagt Bernd Wolfarth, Leitender Arzt der deutschen Olympia-Mannschaft. Ausserdem ermüden nicht nur die Muskeln, sondern auch die Psyche. Das 24-köpfige Ärzteteam in Rio weiss, dass Athleten meist zwei bis vier Wochen Pause machen und diese unterschiedlich gestalten. «Wir nennen keine Namen, aber der eine liegt im Liegestuhl, für andere bedeutet Pause machen, dass sie statt fünf Stunden nur zwei Stunden täglich trainieren», sagt Wolfarth.

Die Warnung vor dem Sportlerherz ist hingegen ein Mythos. «Es ist wissenschaftlich nicht belegt, dass Ausdauersportler ihr vergrössertes Herz abtrainieren müssen», sagt Martin Halle, Chef der Sportmedizin an der TU München. «Das Herz muss ja auch weiterhin permanent pumpen und bildet sich von allein in seiner Grösse zurück.» Zudem sind Leistungssportler nach Verletzungen ja manchmal vier Wochen oder länger ans Bett gefesselt, ohne dass dies Herz, Kreislauf oder anderen besonders trainierten Organsystemen schaden würde.

Von einem Tag auf den anderen mit dem Training aufzuhören, empfehlen Ärzte trotzdem nicht. «Top-Athleten sollten zumindest den auch für Laien empfohlenen Mindestumfang an Sport weitermachen, damit Kreislauf und Stoffwechsel gesund bleiben und sie diversen Leiden vorbeugen», sagt Andreas Niess, Chef der Sportmedizin an der Uni Tübingen.

Was sich Sportler antrainiert haben, bildet sich in Pausen rasch zurück. Der niedrige Ruhepuls der Ausdauersportler bewegt sich nach zehn Tagen Nichtstun um bis zu zehn Schläge nach oben. Die Kraft von Ringern und Gewichthebern lässt ähnlich schnell nach. Technische Fertigkeiten verlieren sich rasch, wenn man nicht täglich übt.

Pausieren Fussballprofis drei Wochen, sinken ihre Ausdauerwerte. «Nach vier Wochen Pause gelingt die Leistungssteigerung aber wieder schnell. Da ist es wichtiger, sich zwischendurch von Trainer und Übungstrott zu erholen», sagt Sportmediziner Halle. Medaillengewinner bei Olympischen Spielen leben statistisch gesehen länger, auch wenn sie den Sport nach dem grössten Triumph abrupt reduzieren.

Die grösste Gefahr ist jedoch, dass ehemalige Athleten nach der Karriere ihr Essverhalten beibehalten und verfetten - oder in ein tiefes Loch fallen. Auch deshalb wird reduziertes Training empfohlen. «Sinnhafte Rückbildung kann nach dem Ende der Karriere dabei helfen, sich damit auseinanderzusetzen, wie es jetzt weitergeht», sagt Olympia-Arzt Wolfarth. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 23.08.2016, 11:49 Uhr

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