Häme und Verbalprügel für Österreichs Rio-Pleite

Eine einzige Medaille holte unser Nachbar an Olympia bisher. Die Athleten werden zu Hause als «Olympia-Touristen» beschimpft. Ein «Trauerspiel» sei das.

Sinnbild für die Tristesse: Zehnkämpfer Dominik Distelberger.

Sinnbild für die Tristesse: Zehnkämpfer Dominik Distelberger. Bild: Keystone

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Was haben wir Schweizer gelitten, als noch Schnee lag. Wochenende um Wochenende fuhren uns die Österreicher davon – auf Skis natürlich (bös gesagt holte Lara Gut den Gesamtweltcup nur, weil die Österreicherin Anna Fenninger verletzt war). Nun, im Sommer, sieht das ein bisschen anders aus. Schweizer holen an den Olympischen Spielen Medaillen in allen Farben und die österreichischen Athleten üben den Krebsgang. Und mit ihnen die Funktionäre.

Tristesse hat sich im Lager der Nachbarn eingeschlichen. Mindestens drei Medaillen wollte man holen. Ein einziges Stück Metall ziert nun den Medaillenspiegel – was eine immense Verbesserung ist im Vergleich zu London, dort lautete die Bilanz null, zero. Ist da Schadenfreude? Mit Verlaub, eher Mitleid.

Der Sport ist die Sau, die durchs Land getrieben wird

Harsch gehen in diesen Tagen Medien und Experten gegen die Sportler vor. Neben dem Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten übten sich die Kritiker vor allem im Platzieren von Vorwürfen – einige subtil und ausgewogen, die meisten mit einer sonderbaren Dringlichkeit. Der Sport ist die Sau, die zurzeit durchs Land getrieben wird: «Unsere Athleten haben am Start die Hosen voll», sagt Steffi Graf, die ehemalige Leichtathletin und Silbermedaillengewinnerin in Sydney, es sei ein «Trauerspiel». Andere kleine Nationen wie Ungarn oder die Schweiz hätten Erfolg, Österreich aber, das sei unfähig.

Peter Schröcksnadel, an sich Präsident des Skiverbands, reiste offiziell als Koordinator des Projekts und ein bisschen auch als Hoffnungsträger nach Rio um «Kraft seiner Aura für Medaillen zu sorgen», wie die FAZ schrieb. Es klappte schlecht, lediglich bei den Seglern reichte es für eine Bronzemedaille. Schröcksnadel, der Schneespezialist, sagte, es sei im Sommer nicht schwieriger als im Winter, Erfolg zu haben. Man müsse nur professioneller werden. Ein versteckter Vorwurf? Agieren die Österreicher unprofessionell?

Schröcksnadel ging noch weiter und folgerte, dass in Rio nicht bei allen Athleten totaler Einsatz zu sehen war. Vorwürfe, deren Härte der «Krone»-Sportchef Robert Sommer übernahm. Er spricht von einem «Debakel», gar hämisch von «vielen Olympia-Touristen». Sportler also, die sich zum Ferienmachen an die Spiele bemüssigen. Empört wiesen die Athleten diesen Vorwurf von sich.

«Null Fachwissen in wichtigen Positionen»

Von zu viel Ehrfurcht und zu wenig Siegeswillen spricht Graf: «Es ist die typisch österreichische Mentalität: Die sind so gut und wir nur irgendwie dabei.» Die ehemalige 800-m-Läuferin weiss noch einen weiteren Krisengrund: «Die Wurzel des Übels sind die Fachverbände. Da sitzen grossteils Leute mit null Fachwissen in wichtigen Positionen, die ihnen politisch zugeschanzt wurden.» Als Beispiel nennt sie den Leichtathletikverband.

Und dann ist da noch das Geld. Nicht zu wenig hat es, nur sei es falsch verteilt. Schröcksnadel sagt, es gebe zu viele Töpfe, wo es versickert, die Mittel müssten zusammengezogen und gebündelt eingesetzt werden.

Dann, ja dann, kann es aufwärtsgehen.

Erstellt: 19.08.2016, 12:42 Uhr

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