Silberlauf in drei Akten

Nicola Spirig wird im olympischen Triathlon Zweite und scheitert im Duell mit der siegreichen Gwen Jorgensen.

Da liefen sie noch zusammen: Gwen Jorgensen (l.) gegen Nicola Spirig.

Da liefen sie noch zusammen: Gwen Jorgensen (l.) gegen Nicola Spirig. Bild: Reuters

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Nicola Spirig hat sie, ihre zweite Olympiamedaille. Auf Gold in London folgt Silber in Rio. Sie glänzt in einem Rennen, das ein einziger Steigerungslauf war. Eingeteilt in drei Akten, einer härter als der andere.

Schwimmen1. Akt – oder «Dranbleiben»

Was sind diese Wellen hoch in der Bucht vor der Copacabana. Eine nach der anderen brandet in Richtung Strand. Durch diese hindurch müssen die Athletinnen - während 1,5 km. Nicola Spirig hat ein einziges Ziel: nicht zu viel Zeit verlieren. Schwimmen ist ihre schlechteste Diszplin, für Rio hatte sie eigens den Schwimmstil geändert, sie crawlt mit höherer Frequenz – das soll gegen die Wellen helfen. Und sie beansprucht weniger die Beine – damit sie anschliessend schneller Rad fahren kann.

Sie und ihr Trainer Sutton haben ausgerechnet, sie dürfe maximal 45 Sekunden verlieren, um ihre Konkurrenten beim Fahren und Laufen noch ein- und überholen zu können. Doch es kommt noch besser, die Schweizerin verliert kaum Zeit, mit 11 Sekunden Rückstand auf die Spitze kommt sie in die Wechselzone, gleich schnell wie ihre Hauptkonkurrentin Gwen Jorgensen, diese brillante Läuferin.

Rad2. Akt – oder «Lass nach bitte»

Alle gegen Jorgensen, alle gegen die beste Läuferin, so erzählt sich die Geschichte auf der Radstrecke. Also versuchen die Fahrerinnen das Tempo hochzuhalten und die Amerikanerin Jorgensen abzuschütteln. Immer wieder ist Spirig ganz vorne, im Gegenwind draussen, und versucht das Tempo zu forcieren. Es wird einem Angst und Bang, sie verausgabe sich zu sehr. Doch Jorgensen bleibt dran. Es gibt diesen Moment als Jorgensen auf gleicher Höhe wie Spirig fährt, den Kopf dreht und die Schweizerin anlacht. Spirig lacht zurück. Psychospielchen von Triathletinnen.

Achtmal kommt dieser kleine Anstieg, 300 Meter lang und bis zu 20 Steigungsprozente steil. In St. Moritz hat sie beim Training das Rennen simuliert und einstudiert, Rio Hill nannte sie den Engadiner Hügel.

Das Feld zieht sich auseinander, Jorgensen fällt jeweils zurück, kann sich aber jedesmal wieder rankämpfen. Die Entscheidung wird im Laufduell fallen. Spirig und Jorgensen waren sich diese Saison im Rennen noch nie begegnet. Spirig hatte sich in Abu Dhabi verletzt, die Hand gebrochen, und sie mit 23 Schrauben reparieren lassen.

Laufen3. Akt – oder «Das Duell»

Spririg gelingt der Wechsel, sie geht als Zweite auf die Laufstrecke, Jorgensen stets im Rücken. Es ist das Duell, das alle erwartet haben. Spirig gegen Jorgensen, Schweiz gegen USA, Rot gegen Blau.

Jorgensen überholt und hält das Tempo hoch, überschüttet sich mit Wasser, will Spirig distanzieren und einem Schlussspurt ausweichen. Doch Spirig bleibt dran, alle andere fallen zurück. Jorgensens Mimik ist unverändert, entspannt halt. Spirigs Gesichtsausdruck hingegen ist von den Kilometern gezeichnet, doch man weiss, sie kann beissen. Trainer Sutton sagt, wenn das Rennen hart werde, sei Spirig die Beste. Spirig kann beim Verpflegungsposten noch trinken – ein gutes Zeichen, denkt, ja hofft man.

Irgendwann wird diese eine Tempoverschärfung von der Amerikanerin kommen, schwant einem Böses. Streckenposten feuern die Beiden an. Die Athletinnen sprechen gar kurz miteinander und kommen beinahe zum Stillstand, niemand will führen, niemand im Gegenwind laufen. Es erklingt die Glocke, letzte Runde.

Dann kommt sie, die Verschärfung, Jorgensen zieht an, Spirig kann nicht folgen, die Goldmedaille läuft ihr davon. Es wartet die silberne.

Erstellt: 20.08.2016, 18:22 Uhr

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