Von wegen Glück!

Giulia Steingruber und ihr Trainer haben sich die Bronzemedaille mit einer taktischen Meisterleistung verdient.

Giulia Steingruber erkämpfte sich im Sprungfinal die erste Olympiamedaille. Foto: Urs Jaudas

Giulia Steingruber erkämpfte sich im Sprungfinal die erste Olympiamedaille. Foto: Urs Jaudas

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Schmal ist der Grat nicht nur auf dem Zitterbalken. Auch an allen anderen Geräten lauern Fallen, die Turnerinnen ganz bewusst eingebaut haben. Aus gutem Grund: Je raffinierter diese Fallen, desto grösser die Chance, zu triumphieren. Der Schwierigkeitswert ist die Basis für jeden Erfolg.

Im Sprungfinal sind drei Turnerinnen an ihren Höchstschwierigkeiten gescheitert und haben so Giulia Steingrubers Weg bereitet zur ersten Olympiamedaille. Das könnte man Glück nennen, würde der Leistung der Ostschweizerin aber nicht gerecht. Im Umkehrschluss hätte es ja auch keiner Glück genannt, hätte Oksana Tschussowitina ihren Dreifachsalto gestanden. Ein solches Element entsteht über Jahre, im Fall der Usbekin Jahrzehnte.

«Jede muss erst turnen», sind geflügelte Worte, und die Logik hinter der Floskel ist: Ohne fehlerfreie Ausführung nützt die schwierigste Übung nichts. Steingruber und ihr Trainer Zoltan Jordanov haben früh entschieden, auf den neuen Sprung zu verzichten. Weil sie sich damit unsicher fühlt. Weil er ein Risiko ist.

Obwohl beide wussten: Bleiben alle Gegnerinnen schadlos, ist die Medaille ausser Reichweite. Die bewährten Sprünge sind vielleicht nicht ganz so schwierig, dafür sitzen sie. Es war eine taktische Meisterleistung: Steingruber nahm die Niederlage in Kauf und wurde mit Bronze belohnt.

Erstellt: 14.08.2016, 22:02 Uhr

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