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Geldberater: Der Marktschrei(b)erRoche hat gute Aussichten

Orell Füssli punktet mit Exotik +++ Phoenix Mecano setzt auf China +++ bei Swiss Steel ist nur der Namen neu +++ Chubb verbessert sich.

Sars-CoV-2-Testungen des Universitätsspitals Zürich in einem Laborgerät von Roche:  Die Diagnostik-Division profitiert, weil Roche-Systeme für Virustests gefragt sind.
Sars-CoV-2-Testungen des Universitätsspitals Zürich in einem Laborgerät von Roche: Die Diagnostik-Division profitiert, weil Roche-Systeme für Virustests gefragt sind.
Foto: Christian Beutler/Keystone

Roche: Kaufen

Corona hat auch Roche Schlag­zeilen beschert. Dem Börsenkurs hats wenig genützt. Es ist vor allem die Diagnostik-Division, die profitiert, weil ihre Geräte und Systeme für Virustests gefragt sind. Sie ist aber viel kleiner und weniger profitabel als das Pharma­geschäft. In Letzterem ist der Umsatz ins Stocken geraten. Allerdings nicht unbedingt wegen Corona: Aus meiner Sicht sind es die sogenannten Biosimilars, die Roche das Leben schwerer machen. Dabei handelt es sich um Nachahmerprodukte von teuren, gentechnisch produzierten Originalpräparaten. Vor drei Jahren begannen Biosimilars, die drei lukrativsten Medikamente des Basler Konzerns zu bedrängen, die damals über 20 Milliarden Franken Umsatz brachten. Unterdessen sind ihre Patente auch in den USA abgelaufen. Dieses Jahr dürfte Roche gegen 5 Mil­liarden Umsatz an Biosimilars verlieren, im kommenden Jahr mindestens 3,5 Milliarden. Danach nimmt der Effekt aber deutlich ab. Ich traue Roche zu, dass sie dann dank neuer Produkte gehörig an Fahrt gewinnen wird. Kaufen

Orell Füssli: Dosiert kaufen

Sicherheitsdruck, Buchhandel und Verlagswesen: Orell Füssli (OF) ist eines der wenigen übrig gebliebenen Konglomerate an der Schweizer Börse. Was unter Investoren häufig verpönt ist, hat sich in der Krise als Vorteil erwiesen. Die unterschiedlichen Geschäftsbe­reiche haben das Risiko verteilt, sodass die Anfang Jahr ausgerufenen Finanzziele erreicht werden dürften. Netter Nebeneffekt im Corona-Jahr: Der digitale Buchhandel wird sich auf einem höheren Niveau einpendeln. 85 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Notendruck und dem Buchhandel, wo sonst wenig Wachstum stattfindet. Aber der neue Chef Daniel Link wagt sich vermehrt in dynamische Zukunftsgebiete wie digitale Identitäten und Onlinebildung vor. Mir gefällt das atypische Geschäftsmodell von OF. Es ist etwas langweilig, aber sehr robust, und die neuen Kooperationen sorgen für Pep. Die Bilanz ist stark und die ­Liquidität hoch, was eine attrak­tive Dividende bringt. Daneben ermöglichen die Grossaktionäre SNB und Dieter Meier eine langfristige Perspektive. Die Aktien sind aus meiner Sicht eine exotische Depotbeimischung. Dosiert kaufen

Phoenix Mecano: Halten

Auch der Komponentenhersteller Phoenix Mecano schmiedet Pläne für die Zukunft. Das Unternehmen stellt unter anderem Antriebs­systeme für verstellbare Komfortmöbel und Bürotische her – ein boomendes Geschäft. In den USA, aber zunehmend auch in Asien, gehört zum Netflix-Abend ein Sessel mit allen Annehmlichkeiten, von der verstellbaren Rücken­lehne bis zum gekühlten Getränkehalter. Das Möbelgeschäft läuft daher wie geschmiert. Weil der Bereich mehr Platz braucht, investiert Phoenix Mecano viel Geld in einen Industriekomplex in China. Um dieses Geld hereinzuholen, will das Unternehmen einen Minderheits­anteil seines Möbelgeschäfts an der Tech-Börse in Shanghai kotieren. In China sei das Geschäftsmodell bekannter als in der Schweiz, sagte Präsident Benedikt Goldkamp. Dadurch könne mit höheren Bewertungen gerechnet werden. Phoenix kann so günstiger frisches Geld hereinholen, was für die bestehenden Aktionäre positiv ist. Aktuell sind die Titel nicht mehr günstig. Längerfristig haben sie aber Potenzial. Halten

Swiss Steel: Meiden

Der Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach hat sich ja vor kurzem in Swiss Steel umbenannt, um die unrühmliche Vergangenheit hinter sich zu lassen, geprägt von Machtkämpfen und Vernichtung von Aktionärswert. Was nicht überrascht: Der neue Name nützt nichts, es geht weiter wie bisher. Hauptaktionär Martin Haefner sieht sich als Retter – durchaus berechtigt – und schaltet und waltet, wie er will – alles andere als berechtigt. Der zweite Grossaktionär, beherrscht von dem von den USA sanktionierten Russen Viktor Vekselberg, sowie einige Kleinaktionäre sind beleidigt und können oder wollen die von Haefner geplante Kapitalerhöhung nicht mittragen. Sie klagen bei der Übernahmekommission, mit eher geringen Erfolgschancen. Die Aktien halte ich deshalb weiterhin für wenig attraktiv. Allfällige Zuckungen nach oben, in der Hoffnung auf ein Übernahmeangebot, dürften sich als sehr kurzlebig herausstellen. Die operative Lage – der Hersteller von Spezialstahl beliefert die Autoindustrie, den Maschinenbau und den Bau – hat sich zwar entspannt, der Auftragseingang erholt sich. Doch die Risiken sind viel zu hoch. Meiden

Chubb: Halten

Den Versicherer Chubb würde kaum jemand für schweizerisch halten. Doch der an der New York Stock Exchange kotierte und in den USA auch führende Grossunternehmenversicherer hat das juristische Domizil seit 2008 an der Bärengasse in Zürich. In vielem ist Chubb ähnlich wie Zurich Insurance, etwa im Börsenwert von rund 60 Milliarden Franken und gemessen an den Jahreseinnahmen von 40 bis 50 Milliarden. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Verwendung des Gewinns. Die Chubb-Gruppe zahlt wenig Dividende. Konzernchef Evan Greenberg begründet die spröde Dividendenpolitik damit, das Unternehmen kapitalkräftig zu halten für die Finanzierung organischen Wachstums. Von den Pandemiefolgen ist Chubb dieses Jahr heftig betroffen, weshalb das Management die Preise für neue Policenabschlüsse anhebt. Daraus folgere ich, dass das Unternehmen im kommenden Jahr die Einnahmen und die operative Marge verbessern kann. Gemessen an der Gewinnschätzung für 2020 notieren die Aktien zum Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13, womit sie im globalen Versicherungssektor auf durchschnittlicher Bewertungshöhe notieren. Halten

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.