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Reaktionen zur TV-Debatte+++ Trump will rechte Gruppierung nicht kennen +++ Moderator Wallace ist enttäuscht

Der TV-Showdown im Wahlkampf ist vorbei, die Debatte darüber läuft jetzt heiss. Verfolgen Sie die neusten Entwicklungen im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem ersten TV-Duell läuft nun die Debatte über Sieger und Verlierer, aber auch über Sinn und Unsinn solcher Schlammschlachten.
  • Bekannte US-amerikanische TV-Grössen bezeichneten das Duell als «schrecklich». «Das war hoffentlich die erste und letzte TV-Debatte zwischen Joe Biden und Donald Trump», kommentierte Showmaster Jimmy Kimmel.
Unterbrechungen, Provokationen – und einige Kontraste: Die wichtigsten Momente des TV-Duells zwischen Donald Trump und Joe Biden im Video.

LIVE TICKER

Biden nach TV-Duell weiter vor Trump

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden liegt einer Umfrage von Reuters/Ipsos zufolge nach dem ersten TV-Duell weiter neun Prozentpunkte vor Amtsinhaber Donald Trump. Landesweit hätten sich 50 Prozent für Biden ausgesprochen, 41 Prozent für Trump, geht aus der Erhebung vor. Rund fünf Prozent der befragten Wähler sind demnach noch unentschlossen, welchem der beiden Kandidaten sie ihre Stimme gegeben wollten. Vier Prozent wollten für einen Kandidaten einer dritten Partei stimmen.

Liegt auch nach der TV-Debatte neun Punkte vor Donald Trump: Joe Biden.
Liegt auch nach der TV-Debatte neun Punkte vor Donald Trump: Joe Biden.
KEYSTONE

Bei der Wahl am 3. November ist die absolute Führung bei den Wählerstimmen nicht unbedingt ausschlaggebend für den Sieg. 2016 unterlag die Demokratin Hillary Clinton Trump, obwohl sie zwei Prozentpunkte vor dem Republikaner lag. Grund ist das Wahlsystem in den USA.

Trump setzt Angriffe auf Biden fort

Trump nutzte am Mittwochabend (Ortszeit) einen Wahlkampfauftritt in Duluth (Minnesota), um vor Anhängern seine Version der Debatte zu schildern und seine Angriffe auf Biden fortzusetzen. «Ich habe Joe Biden für seine 47 Jahre der Lügen, 47 Jahre des Verrats und 47 Jahre des Scheiterns zur Rechenschaft gezogen», sagte Trump zu Beginn seines Auftritts in Anspielung auf die lange politische Karriere seines Kontrahenten. «Joe Biden ist zu schwach, um dieses Land zu führen», behauptete Trump.

Biden schrieb auf Twitter: «Letzte Nacht hat untermauert, warum ich in dieses Rennen eingestiegen bin: Wir befinden uns in einem Kampf um die Seele dieser Nation – und es ist ein Kampf, den wir gewinnen müssen.»

Über 73 Millionen Zuschauer in den USA

Mehr als 73 Millionen Menschen haben in den USA die erste Debatte zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden im Fernsehen gesehen. Nach Angaben des Instituts Nielsen vom Mittwochabend (Ortszeit) waren das deutlich weniger Zuschauer als 2016, als schätzungsweise 84 Millionen Menschen die erste Debatte zwischen Trump und der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton schauten. Es war die meistgesehene aller bisherigen TV-Debatten zwischen US-Präsidentschaftskandidaten. Bei den diesjährigen Zahlen ist allerdings zu beachten, dass Nielsen nicht alle Online-Dienste erfasst, die die Debatte gestreamt haben.

Trump will rechte Gruppierung nicht kennen

Mehrere Republikaner haben sich nach der Weigerung Donald Trumps, rechte Gruppierungen eindeutig zu verurteilen, vom US-Präsidenten distanziert. Trump seinerseits versuchte sich in Schadensbegrenzung. «Ich weiss nicht, wer die Proud Boys sind», sagte Trump am Mittwoch im Garten des Weissen Hauses mit Blick auf eine gleichnamige Vereinigung aus dem rechten Spektrum, die am Vortag bei seiner TV-Debatte mit Herausforderer Joe Biden zum Thema geworden war. «Wer auch immer sie sind, sie müssen sich zurückhalten und die Strafverfolgungsbehörden ihre Arbeit machen lassen.»

Auf die Frage einer Reporterin, ob er «White Supremacists» – also Rechtsextremisten, die von einer Vorherrschaft von Weissen überzeugt sind – verurteilt, sagte Trump: «Ich habe immer jede Form (...), jede Form von so etwas verurteilt.» Das Wort «White Supremacists» nahm er nicht in den Mund.

Bei der TV-Debatte hatte Trump gesagt: «Proud Boys – haltet euch zurück und haltet euch bereit» (‹stand back and stand by›). Trump war gefragt worden, ob er bereit wäre, explizit Gruppen und Milizen zu verurteilen, zu deren Ansichten die Überlegenheit der Weissen gehört. Das tat er nicht. Kritisiert wurde er deswegen auch von Politikern seiner eigenen Partei.

«Ich weiss nicht, wer die Proud Boys sind»: US-Präsident Donald Trump äusserte sich im Weissen Haus zu einer umstrittenen Gruppierung.
«Ich weiss nicht, wer die Proud Boys sind»: US-Präsident Donald Trump äusserte sich im Weissen Haus zu einer umstrittenen Gruppierung.
KEYSTONE

Trump machte am Mittwoch erneut deutlich, dass er das eigentliche Problem nicht auf Seite der Rechten, sondern auf Seite der Linken sieht. Er forderte Biden auf, die Antifa zu verurteilen. «Antifa ist ein echtes Problem», sagte Trump.

Die Antifa hat weder Mitglieder noch eine zentrale Organisations- oder Führungsstruktur. Die Anhänger der Strömung aus der linken und auch linksradikalen Szene verbindet eine antifaschistische Ideologie. Trump hat ungeachtet dessen angekündigt, die Antifa als Terrororganisation einzustufen, sollte er die Wahl am 3. November gewinnen.

Werden den Kandidaten künftig die Mirkos abgedreht?

Moderator der Debatte, Chris Wallace, sprach sich am Mittwoch gegen Vorschläge aus, den Moderatoren bei den nächsten Debatten zu ermöglichen, den Kandidaten die Mikrofone abzudrehen. «Praktisch hätte der Präsident, selbst wenn sein Mikrofon abgeschaltet gewesen wäre, weiterhin unterbrechen können», sagte er. Ein solcher Schritt könne ausserdem Konsequenzen haben. «Zu viele Menschen vergessen, dass diese beiden Kandidaten die Unterstützung von Dutzenden Millionen Amerikanern haben.»

Die TV-Debatte am Dienstagabend in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio war die erste zwischen Trump (74) und Biden (77). Zwei weitere Debatten sind für den 15. Oktober in Miami (Florida) und am 22. Oktober in Nashville (Tennessee) geplant. Wallace riet den Moderatoren der nächsten Debatten – Steve Scully vom Sender C-Span und Kristen Welker vom Sender NBC – zu einer schnelleren Reaktion, als es bei ihm der Fall war. «Ich hatte diese Vorwarnung nicht.»

Moderator Wallace ist enttäuscht

Nach der chaotischen TV-Debatte zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden hat sich Moderator Chris Wallace enttäuscht über das Ergebnis gezeigt. «Für mich selber, aber viel wichtiger, ich bin enttäuscht für das Land, weil es ein viel nützlicherer Abend hätte werden können», sagte Wallace am Mittwoch der «New York Times». Die Debatte war von Chaos und persönlichen Angriffen dominiert worden. Vor allem Trump war bei der Debatte Biden, aber auch Wallace immer wieder ins Wort gefallen. Das TV-Duell glitt daraufhin ins Chaos ab.

«Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so aus dem Ruder laufen würde»: Moderator Chris Wallace zeigt sich nach der Debatte enttäuscht.
«Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so aus dem Ruder laufen würde»: Moderator Chris Wallace zeigt sich nach der Debatte enttäuscht.
KEYSTONE

Ihm sei nicht klar gewesen, «dass das die Strategie des Präsidenten sein würde, nicht nur für den Beginn der Debatte, sondern für die gesamte Debatte», sagte Wallace. Während der Debatte habe er gedacht: «Ich bin ein Profi. So etwas habe ich noch nie durchgemacht.»

Er fügte hinzu: «Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so aus dem Ruder laufen würde.» Auf die Frage, was er gefühlt habe, als er die Kandidaten zu weniger Unterbrechungen aufforderte, antwortete der Moderator: «Verzweiflung.»

Wallace kommt vom Trump-freundlichen Fernsehsender Fox News, ist aber als unabhängig respektiert.

Bolsonaro antwortet Biden

Der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro hat scharf auf die Äusserungen des US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden zum Amazonas-Gebiet reagiert. «Als Staatsoberhaupt, das seine Diplomatie mit den Vereinigten Staaten nach Jahrzehnten feindseliger Regierungen wieder vollständig aufgenommen hat, ist eine so katastrophale Erklärung schwer zu verstehen», schrieb Bolsonaro auf Twitter am Mittwoch. «Bedauernswert, Herr Joe Biden.»

Biden hatte in der ersten Fernsehdebatte zur US-Präsidentschaftswahl am Dienstag gesagt, er werde im Falle seiner Wahl als Teil einer grösseren Anstregung im Kampf gegen den Klimawandel Länder zusammenbringen und 20 Milliarden US-Dollar für den Schutz des Amazonas-Gebiets mobilisieren. Die weitere Zerstörung des Gebiets würde «erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen» haben, sagte der demokratische Herausforderer von US-Präsident Donald Trump. Der Republikaner Trump ist ein Verbündeter Bolsonaros.

«Katastrophale Erklärung»: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro kontert eine Aussage von Joe Biden.
«Katastrophale Erklärung»: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro kontert eine Aussage von Joe Biden.
KEYSTONE

Der brasilianische Staatschef, der die wirtschaftliche Ausbeutung des Amazonas-Gebiets befürwortet, ist wegen seiner Umweltpolitik und allen voran der verheerenden Brände im Regenwald immer wieder international in die Kritik geraten. Umweltschützer werfen ihm vor, die Brände geflissentlich in Kauf zu nehmen, um neue Flächen für die Landwirtschaft zu erschliessen. Zugleich hat Bolsonaro seit seinem Amtsantritt 2019 die Umweltbehörden gezielt geschwächt.

Trump fühlt sich als Sieger

Nach dem TV-Duell mit seinem Herausforderer Joe Biden hat sich US-Präsident Donald Trump zum Sieger der ersten Debatte vor der Präsidentschaftswahl erklärt. «Wir haben die Debatte gestern Abend nach jedem Massstab mühelos gewonnen», sagte der Republikaner am Mittwoch im Garten des Weissen Hauses. Mit Blick auf Biden – der am 3. November für die Demokraten in die Wahl zieht – sagte Trump: «Ich denke, dass er sehr schwach war. Er sah schwach aus, er jammerte.» Trump sagte, er wolle auch die nächsten zwei TV-Debatten gegen Biden bestreiten. Sollte sein Herausforderer nicht teilnehmen wollen, sei das dessen Entscheidung.

Trump sagte, er habe «ungefähr sechs» Umfragen gesehen, die ihn als Sieger bei der Debatte gesehen hätten. Es war unklar, auf welche Erhebungen er sich bezog. In manchen Twitter-Umfragen – die ohne wissenschaftliche Grundlage als unzuverlässig gelten – lag Trump zwar vorne. In Blitzumfragen der Sender CBS und CNN hielt dagegen eine Mehrheit Biden für erfolgreicher bei der Debatte als Trump.

(Lesen Sie auch: Selbst die hässlichste Debatte ist besser als keine).

Donald Trump lacht verschmitzt der ersten, chaotischen TV-Debatte.
Donald Trump lacht verschmitzt der ersten, chaotischen TV-Debatte.
Foto: Julio Cortez (AP/Keystone)
Änderung des Formats angekündet

Nach der chaotischen TV-Debatte zwischen US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden planen die Veranstalter Änderungen am Konzept. Der Ablauf des Duells habe deutlich gemacht, «dass das Format der verbliebenen Debatten zusätzliche Struktur braucht, um eine geregeltere Diskussion über die Themen sicherzustellen», teilte die Kommission für Präsidentschaftsdebatten am Mittwoch mit.

Das erste Streitgespräch von Trump und Biden in der Nacht zum Mittwoch war über weite Abschnitte im Chaos versunken. Trump fiel Biden immer wieder ins Wort und liess ihn seine Sätze nicht abschliessen. Biden redete auch dazwischen, aber etwas seltener. Der erfahrene TV-Journalist Chris Wallace als Moderator verlor immer wieder die Kontrolle über die Situation – und konnte die Kandidaten nur ermahnen, einander zu Wort kommen zu lassen.

Nach dem Konzept der Debatte hätten eigentlich sechs Themen in 15-minütigen Blöcken erörtert werden sollen. Zunächst sollten Trump und Biden jeweils zwei Minuten ungestört ihre Position darlegen, danach war eine freie Diskussion vorgesehen. Doch schon bei den Eröffnungsstatements gab es Unterbrechungen und die Kandidaten redeten gelegentlich gleichzeitig. Ausserdem wichen sie oft vom gerade vorgegebenen Thema wie Corona-Krise oder Wirtschaftslage ab.

Die zweite der drei Debatten zwischen Trump und Biden ist für den 15. Oktober Ortszeit (3.00 Uhr am Mittwoch MESZ) angesetzt. Sie ist ohnehin in einem anderen Format als die erste vorgesehen – als Fragestunde für Wähler. Die dritte Debatte ist nach jetzigem Stand wieder als 90-minütiges Rededuell mit einem Moderator geplant. Am 7. Oktober treffen zudem Vizepräsident Mike Pence und Bidens Vize-Kandidatin Kamala Harris aufeinander.

6 Aussagen von Trump und Biden auf dem Prüfstand

Sie fielen sich ins Wort, sie drohten und wurden ausfällig: US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden lieferten sich ein chaotisches TV-Duell. Es war schwierig, der Debatte inhaltlich zu folgen. Umso wichtiger ist es jetzt, das Gesagte unter die Lupe zu nehmen. Erfahren Sie in unserem Faktencheck, wo Donald Trump und Joe Biden recht hatten - und wo sie es mit der Wahrheit nicht so genau nahmen.

CNN-Aushängeschild: «Das könnte die letzte Debatte gewesen sein»

Auf CNN fand direkt nach der TV-Debatte eine Nachbesprechung statt. Die Teilnehmer der Diskussion waren sich einig: Dieser Showdown ging gehörig in die Hosen (Vier Erkenntnisse aus dem TV-Duell: Lesen Sie hier die Analyse unseres USA-Korrespondenten Alan Cassidy). Donald Trump liess sowohl seinen Kontrahenten Joe Biden als auch Moderator Chris Wallace kaum ihre Sätze beenden. Dies sei eine «Peinlichkeit für die Vereinigten Staaten von Amerika», sagte CNN-Urgestein Wolf Blitzer in der Sendung. Ein anderer CNN-Journalist, Jake Tapper, bezeichnete die Debatte unverblümt als «chaotisches Durcheinander in einem brennenden Müllcontainer nach einem Zugunglück».

Gastgeberin Dana Bash stimmte dem zu und nannte es eine «Scheissshow». Blitzer doppelte erneut nach: «Dies war eindeutig die chaotischste Debatte, die ich je gesehen habe.» Dieser Showdown werfe viele Fragen über die Zukunft von TV-Debatten auf. «Ich wäre nicht überrascht , wenn dies die letzte Präsidentendebatte zwischen Biden und Trump» war.

Später tat Daniel Dale von CNN sein Bestes, um eine «Lawine der Lüge von Präsident Trump» während der Debatte zu beschreiben.

Hillary Clinton stolz auf Joe Biden

Zufrieden mit Joe Biden ist Parteikollegin und frühere Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Sie sei stolz auf Biden, teilte sie auf Twitter mit:

Trump sorgt bei rechter Gruppierung für Begeisterung

US-Präsident Donald Trump hat mit Aussagen über eine rechte Gruppierung namens Proud Boys einem Medienbericht zufolge Begeisterung unter deren Anhängern ausgelöst. Die «New York Times» berichtete am Mittwoch, in privaten Kanälen auf sozialen Medien hätten Proud-Boys-Anhänger Trumps Kommentar als «historisch» gefeiert. In einem Kanal hätten Mitglieder der Gruppe die Aussage des Präsidenten als stillschweigende Billigung ihrer gewalttätigen Taktiken gewertet. In einer weiteren Nachricht heisse es, die Gruppe sehe bereits eine Zunahme der Zahl «neuer Rekruten».

Trump hatte sich am Dienstagabend in der TV-Debatte mit seinem Herausforderer Joe Biden vor der Präsidentschaftswahl geweigert, rechtsradikale Gruppen zu verurteilen. «Wen soll ich verurteilen?», fragte er Moderator Chris Wallace. «Proud Boys – haltet euch zurück und haltet euch bereit», sagte Trump danach («stand down and stand by»). Trumps Sohn Donald Trump Jr. sagte im Sender CBS, dass sein Vater sich wohl versprochen habe. Die «New York Times» zitierte Präsidentenberater Jason Miller, der sagte, Trump habe deutlich gemacht, dass die Proud Boys Gewalt beenden sollten.

Sehen in Trump einen Unterstützer: Mitglieder der rechten Gruppierung Proud Boys bei einer politischen Kundgebung in Portland.
Sehen in Trump einen Unterstützer: Mitglieder der rechten Gruppierung Proud Boys bei einer politischen Kundgebung in Portland.
Foto: Jim Urquhart (Reuters)

Die Bürgerrechtsorganisation ADL stuft die Proud Boys als unkonventionelle Strömung im rechten amerikanischen Extremismus ein. Die Gruppe könne unter anderem als gewalttätig, nationalistisch und islamophob beschrieben werden, heisst es auf der Seite der ADL. Ihre Anführer wiesen Rassismusvorwürfe aber zurück. Es sei bekannt, dass Mitglieder gewalttätige Taktiken anwenden. Mehrere Mitglieder seien wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden.

CBS-Blitzumfrage: Zwei Drittel von Fernsehdebatte genervt

Die erste Fernsehdebatte vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat eine grosse Mehrheit der Amerikaner vor allem als anstrengend empfunden. In einer Blitzumfrage des Senders CBS sah eine knappe Mehrheit den demokratischen Herausforderer Joe Bilden als Sieger im Schlagabtausch mit Präsident Donald Trump.

Befragt nach ihrem überwiegenden Gefühl beim Anschauen der Debatte antworteten in der CBS-Blitzumfrage mehr als zwei Drittel (69 Prozent), die Diskussion habe sie vor allem verärgert. Nur 31 Prozent fühlten sich davon unterhalten. In der Umfrage mit mehreren Antwortmöglichkeiten gaben zudem 19 Prozent an, sie seien nach der Sendung pessimistisch. Lediglich 17 Prozent erklärten, die Debatte sei für sie informativ gewesen.

Ein Drittel aller Befragten fand die TV-Debatte unterhaltsam - so offensichtlich auch diese Frauen bei einem Public Viewing in Kalifornien.
Ein Drittel aller Befragten fand die TV-Debatte unterhaltsam - so offensichtlich auch diese Frauen bei einem Public Viewing in Kalifornien.
Foto: Mike Blake (Reuters)

Den Ton der Diskussion, bei der vor allem der republikanische Amtsinhaber Trump seinem Herausforderer wiederholt ins Wort fiel, empfanden 83 Prozent der Befragten als negativ, nur 17 Prozent als positiv.

Auf die Frage, wer die Debatte gewonnen hat, nannten 48 Prozent Biden und 41 Prozent Trump. Rund zehn Prozent bewerteten den Ausgang als unentschieden.

Kimmel, Fallon, Noah: Late-Night-Stars zeigen sich enttäuscht

Jimmy Kimmel: «Es war eine schreckliche Debatte»

«Das war hoffentlich die erste und letzte TV-Debatte zwischen Joe Biden und Donald Trump», sagte Showmaster Jimmy Kimmel am Dienstag in Kimmel Live. «Es begann interessant: Sie haben eine Münze geworfen, um festzustellen, wer die erste Frage bekommen würde, aber als Trump die Münze in der Luft sah, sagte er: ‹Hey, so viel habe ich letztes Jahr an Steuern gezahlt›, und von dort ging es nur noch bergab.» Und Kimmel ärgert sich weiter: «Es war eine schreckliche Debatte – ich würde es gerne einen Albtraum nennen, aber bei einem Albtraum bekommt man wenigstens etwas Schlaf, so Kimmel weiter.

Jimmy Fallon: «War das für einen Amerikaner hilfreich?»

«Vor der Debatte sagte Moderator Chris Wallace, wenn er seinen Job richtig macht, wird es so sein, als wäre er nicht da», sagte Jimmy Fallon in der Tonight Show. «Nun, Mission erfüllt.» Doch dann fährt Fallon ernsthafter fort: «Was zum Teufel war diese Debatte? War das für einen Amerikaner hilfreich? Die einzige Person, die das genoss, war Wladimir Putin, während er eine Katze streichelte.»

Trevor Noah: «Was hat mir die Debatte gebracht? Ich weiss es nicht»

Auch Trevor Noah sinnierte in seiner Daily Show über die Sinnhaftigkeit der TV-Debatte und machte einige Vorschläge für den nächsten Moderator; zum Beispiel eine Sprühflasche: «Ich verspreche Ihnen, Trump wird ruhig sein, weil sein Haar sich in einen Gremlin verwandelt, wenn es nass wird.» Weiter macht er einen Vorschlag für einen Live-Faktencheck: «Ein Ziegelstein sollte nach jeder Lüge eines Kandidaten auf den Boden fallen, wissen Sie, wie Tetris. ... Trump wird fünf Minuten nach Beginn der Debatte endlich seine Wand haben.»

«Was nehme ich aus der Debatte mit? Ich weiss es eigentlich nicht. Schliesslich schwerzt Noah noch über Trump: «Jetzt wissen wir endlich, wie es wäre, wenn er seinen Twitter-Feed laut vorliest, und zweitens kann ich nicht glauben, wie stark sein Gehirn versagt hat, als sie ihn gebeten haben, sich von Rechtsextremen zu distanzieren.»

Trump appelliert an Rechtsextreme
In der Debatte mit Joe Biden wollte sich US-Präsident Donald Trump nicht von der rechtsextremen Organisation Proud Boys distanzieren. (Video: AP)

Analysten zum TV-Duell Trump/Biden – «Sieht nach Gleichstand aus»

Shane Oliver, Chef-Investmentstratege bei AMP Capital, Sydney

«Ich habe an der Politik-Front nicht viel gesehen, was die Dinge, die schon bekannt sind, fundamental ändert. Der Aktienmarkt hat es normalerweise lieber, dass der Amtsinhaber gewinnt. Die US-Futures stiegen anfangs – vielleicht, weil Trump ein paar Schläge ablieferte -, aber es war nicht genug, und ich fand, Biden hat sich ziemlich gut geschlagen. Und so ist es keine Überraschung, dass die US-Aktienmarkt-Futures jetzt unten sind, da sich Investoren wieder Sorgen machen um einen umstrittenen Wahlausgang, eine Verzögerung des Ergebnisses und darüber, ob Trump friedlich gehen wird, wenn er verliert.»

James Rosenberg, Finanzberater bei EL & C Baillieu, Sydney

«Regionale Investoren bleiben vor den Wahlen vorsichtig und erwarten mehr Volatilität, während die Rhetorik hochkocht. Viele glauben, dass dies kein gutes Ergebnis für die USA ist.»

Quincy Crosby, Chef-Marktstratege bei Prudental Finance, Newark

«Wenn der Versuch war, die Meinung von jemanden zu ändern, der unentschlossen ist, glaube ich nicht, dass diese Debatte, wie sie genannt wird, das hinbekommen hat. Sie war ausser Kontrolle.»

Masahiko Loo, Portofoliomanager bei Alliancebernstein, Tokio

«Die Märkte hatten keine grossen Hoffnungen. Am meisten lässt sich mitnehmen, dass Biden sich nicht als ‹Sleepy Joe› entpuppte und Bedenken zerstreute, dass er mit Debatten nicht fertigwerden könnte und das seine Gewinnchance verringern würde. (...) Es wird immer wahrscheinlicher, dass wir in der Wahlnacht keinen eindeutigen Gewinner haben werden und es ein paar Wochen eine umstrittene Phase geben könnte. Einige zukunftsorientierte Märkte wie VIX preisen dies ein, andere Märkte wie Aktien scheinen dies jedoch noch nicht vollständig berücksichtigt zu haben. Daher erwarte ich einen risikobehafteten Handel aufgrund von Sorgen über einen langen umstrittenen Zeitraum.»

Ayako Sera, Marktstrategin bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank, Tokio

«Im Moment sieht es nach Gleichstand zwischen Trump und Biden aus, daher ist es für die Märkte schwierig, sich zu bewegen. Worüber sich die Leute am meisten Sorgen machen, ist die Fairness der Wahlen und wie sie durchgeführt werden. Es besteht immer noch grosse Unsicherheit, so dass es schwierig ist, einen klaren Trend für den Dollar/Yen zu erkennen.»

TV-Duell verunsichert Anleger an asiatischen Börsen

Die teilweise chaotisch verlaufene erste TV-Debatte im US-Wahlkampf hat Anleger in Asien verunsichert. In Tokio fiel der 225 Werte umfassende Nikkei-Index am Mittwoch um 1,5 Prozent auf 23.185 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index sank um knapp zwei Prozent. Auch an den meisten anderen Handelsplätzen in Asien ging es bergab. Der Schlagabtausch zwischen Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Rivalen Joe Biden in der Nacht zu Mittwoch war geprägt von gegenseitigen Beleidigungen und persönlichen Angriffen.

«Worüber die Menschen am meisten besorgt sind, ist die Fairness der Wahl und wie sie durchgeführt wird», sagte Marktstratege Ayako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank. Trump liess weiter offen, ob er eine Niederlage am 3. November ohne weiteres hinnehmen werde, und warnte vor massivem Wahlbetrug im Zusammenhang mit der Briefwahl. Zudem rief er Rechtsextremisten auf, sich zurück-, aber auch «bereitzuhalten». Unter normalen Umständen hätten die positiven Wirtschaftsdaten aus China die Märkte nach oben gezogen, sagte Stratege Sera.

Beginn des Live Tickers

red

127 Kommentare
    Christina Brunner

    Wo genau ist denn der Unterschied zu den Demokraten, die Antifa ja als "myth" bezeichnen?