Zum Hauptinhalt springen

Eine Städterin auf dem Land

Ein Arm, der bis zur Schulter in der Kuh steckt? Wer einen Bauernhof besucht, darf nicht heikel sein. (Teil 1/4)

Daniela Bär, Commercial Publishing Tamedia
Wenn's grün ist, ist's nicht reif – die unteren Triebe der Apfelsträuche müssen weg: Die Autorin beim Beschneiden der Sträuche.
Wenn's grün ist, ist's nicht reif – die unteren Triebe der Apfelsträuche müssen weg: Die Autorin beim Beschneiden der Sträuche.
Giorgia Müller
Herzstück hinter Fliegengittertür – der Eingang zur Küche des altehrwürdigen Bauernhauses.
Herzstück hinter Fliegengittertür – der Eingang zur Küche des altehrwürdigen Bauernhauses.
Giorgia Müller
Das Reich der Bäuerin – Maja Hübschers Pflanzen-Paradies.
Das Reich der Bäuerin – Maja Hübschers Pflanzen-Paradies.
Giorgia Müller
Je nach Perspektive Bastel-, Rumpel- oder Wunderkammer – ein Töffli im Geräteschuppen.
Je nach Perspektive Bastel-, Rumpel- oder Wunderkammer – ein Töffli im Geräteschuppen.
Giorgia Müller
Mit beiden Beinen fest und barfuss auf dem Boden –  Maja Hübscher auf ihrem
Mit beiden Beinen fest und barfuss auf dem Boden – Maja Hübscher auf ihrem
Giorgia Müller
Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe – eins von Hübschers Tieren zwischen den Hochstämmen.
Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe – eins von Hübschers Tieren zwischen den Hochstämmen.
Giorgia Müller
Für Nachwuchs wird auch bei den Pflanzen gesorgt – Miniäpfel in der Baumschule.
Für Nachwuchs wird auch bei den Pflanzen gesorgt – Miniäpfel in der Baumschule.
Giorgia Müller
Eine Diwa will vor Hagel geschützt werden – Hübschers Spindelanlage umfasst mehrere Apfel-Sorten und einige Birnen.
Eine Diwa will vor Hagel geschützt werden – Hübschers Spindelanlage umfasst mehrere Apfel-Sorten und einige Birnen.
Giorgia Müller
Laktationskurve, Futterkalkulation und Kälberregistrierung – der moderne Bauer sitzt regelmässig vor dem Bildschirm.
Laktationskurve, Futterkalkulation und Kälberregistrierung – der moderne Bauer sitzt regelmässig vor dem Bildschirm.
Giorgia Müller
Dalla, Dachs und Dirke – Martin Hübschers Kühe auf einen Blick.
Dalla, Dachs und Dirke – Martin Hübschers Kühe auf einen Blick.
Giorgia Müller
Wer ist bald stierig, wer hat wann gekalbert? Der Brunstkalender zeigt die Zyklen aller Kühe.
Wer ist bald stierig, wer hat wann gekalbert? Der Brunstkalender zeigt die Zyklen aller Kühe.
Giorgia Müller
1 / 13

Nur sehr wenige Städterinnen und Städter kennen die Landwirtschaftsbetriebe, die in ihrer Nähe hochwertige Nahrungsmittel produzieren. Das wollen wir mit unserer vierteiligen Reportage über den Alltag auf einem Zürcher Bauernhof ändern. Wir haben eine Stadtzürcherin aufs Land geschickt, um bei einer Bauernfamilie mitanzupacken und darüber zu berichten. Heute Teil 1 von 4

Der Weg zur Bauernfamilie Hübscher in Liebensberg führt nicht über Winterthur, sondern über Oberwinterthur. Ich fahre nicht nur in ein Dorf bei Wiesendangen, sondern dabei an Wiesendangen Hinterdorf und Wiesendangen Oberdorf vorbei. Und schliesslich hält mein Bus nicht in Liebensberg – ich fahre durch Liebensberg hindurch und weiter nach Gundetswil, um anschliessend von da den gerade gefahrenen Weg zu Fuss rückgängig zu machen. Wenn man als Fussgängerin unterwegs und da kein Trottoir ist, ist man als Stadtkind definitiv auf dem Land angekommen.

«Isst du eigentlich alles?»

Der Hof von Martin und Maja Hübscher in Liebensberg bei Bertschikon, der letzte Zürcher Hof vor der Thurgauer Grenze, ist primär ein Graswirtschaftsbetrieb, Obst- und Ackerbau ergänzen die Milchviehhaltung. Als ich ankomme, schabt die gelernte Floristin Maja gerade die Dornen von roten Rosen – der Nachbar nimmt an der Europameisterschaft im Wettpflügen in Diessenhofen teil und braucht ein Blumengesteck in der gleichen Farbe wie sein Traktor.

Barfuss in den Dornen stehend erzählt Maya von der chinesischen Reisegruppe, die am Wochenende den Hof besucht hat – die Genossenschaft mooh, führende Milchhandelorganisation der Schweiz, hat den Absatzmarkt in China entdeckt und bringt damit die Chinesen nach Liebensberg. Ich sei ja schon mutig, meint Maja, als sie mir mein Zimmer im ersten Stock des grossen, verwinkelten Bauernhauses zeigt. „Isst Du eigentlich alles?“ Ich nicke, und nehme mir vor, tatsächlich alles zu essen, was am nächsten Tag serviert wird.

Der Arm steckt bis zur Schulter in der Kuh

Ein Hofrundgang ist der letzte Programmpunkt jedes Tages. Neben dem Beobachten der allgemeinen Stimmung unter den Kühen suchen wir heute, nach einem kurzen Blick auf den Brunstkalender im kleinen Büro zwischen Kuh- und Kälberstall, Nummer 29. Ob eine Kuh stierig ist oder nicht, kann an ihrem Verhalten beobachtet oder aber direkt in ihrem Hinterteil abgetastet werden.

Bis zu seiner Schulter steckt Martin Hübschers Arm in der Kuh, als er mir erklärt, dass der ideale Zeitpunkt für die Besamung zwölf bis vierundzwanzig Stunden nach der Brünftigkeit liegt. Der entsprechende Samenkatalog liegt griffbereit im Büro – vielleicht Genox-Boy für 42 Franken? Die Idealwahl optimiert die Merkmale der Kuh, ihren Euter beispielsweise, aber auch ihr Sprungelenkswinkel oder ihre Beckenneigung.

Unter fluoreszierendem Sternenhimmel

Inzwischen ist Carla, Tochter der Hübschers, nach Hause gekommen. Für Marco, einen von zwei Lehrlingen auf dem Hof und im dritten Lehrjahr, hat sie einen McFlurry mitgebracht. Michi, der andere, trinkt ein Bier. Bei Mangoglacé diskutiert man Weizensorten: Sind sie krankheitsanfällig? Wie ist der Ertrag? Die beiden Lehrlinge haben soeben ihre vorgezogene Praxisprüfung bestanden: Michi musste melken, Marco die Stallapotheke erklären.

Der Tag, der für die anderen am Tisch um fünf Uhr angefangen hat, endet um halb elf. Wer in der Stadt Zürich erzählt, dass er auf einem Bauernhof übernachtet, lässt andere an Schlafsack im Stroh mit Blick in den Sternenhimmel denken. Die fluoreszierenden Stern-Kleber an der Zimmerdecke sehe ich erst, als ich mein iPhone ausschalte.

Die weiteren Teile der Reportage:

Teil 1. Eine Städterin auf dem Land

Teil 2. Zum Zmorge gibt’s Saures

Teil 3. folgt am Montag, 18.9. 2017: Von Klischees und Ritualen

Teil 4. folgt am Montag, 25.9. 2017: Baumkronen und Melkcomputer

Diesen Beitrag hat Commercial Publishing Tamedia in Zusammenarbeit mit der Züspa erstellt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch