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Gastbeitrag zur PandemiebekämpfungSchenken wir den Armen Corona-Impfstoffe

Offener Brief an Angel Gurría, den Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Drei glückliche Geimpfte in Los Angeles, USA: Arsenio Hall, Danny Trejo und Magic Johnson.
Drei glückliche Geimpfte in Los Angeles, USA: Arsenio Hall, Danny Trejo und Magic Johnson.
Foto: Gina Ferazzi (Getty)

Sehr geehrter Herr Gurría, jede Minute sterben fünf Menschen auf der Welt an Corona, weil sie nicht geimpft sind. Das private Eigentum an den Impfstoffpatenten verhindert deren universelle Verbreitung und damit die Rettung von Leben.

Albert Sabin, Erfinder des wohl wirkungsvollsten Impfstoffs der Welt, schrieb vor fünfzig Jahren: «Viele Leute haben darauf bestanden, dass ich meinen Polio-Impfstoff patentieren lasse, aber das wollte ich nicht. Es ist mein Geschenk an alle Kinder der Welt. Ein Virenspezialist hat die Pflicht, sein Wissen zum Wohle der Menschheit einzusetzen.»

Ich habe schon 1993 in meinem Fernsehprogramm vor 13 Millionen Zuschauern gesagt: «Einst gab es Wissenschaftler wie Albert Sabin. Sabin erfand den besten Polio-Impfstoff. Sie sagten zu ihm: Sollen wir ihn patentieren lassen? Sie könnten Milliardär werden. Er sagte: Um Gottes willen, spenden wir den Impfstoff der Menschheit.»

Mit seinem Polio-Impfstoff hat Albert Sabin keinen Reichtum für sich selbst geschaffen. Aber er hat Geschichte geschrieben.

Herr Gurría, bitte, handeln Sie jetzt.

Angel Gurría, auch Sie können Geschichte schreiben. Sie sind Vorsitzender der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die 37 Länder der OECD gehören zu den reichsten der Welt. Zusammen erwirtschaften sie 63 Prozent des weltweiten Reichtums. Auch die Schweiz gehört zu diesem exklusiven Club: Sie ist das drittreichste Land der Welt, gemessen an der Wirtschaftsleistung pro Kopf.

Herr Gurría, bitte, handeln Sie jetzt: Fordern Sie die Staats- und Regierungschefs auf, eine humanitäre Steuer zu erheben. Mit diesem Geld soll die OECD die Corona-Impfstoff-Patente zum Marktpreis erwerben, um sie den ärmsten Ländern der Welt zu schenken.

Denn die Pandemie kann nicht besiegt werden, wenn nur die Bevölkerung der reichsten Länder geimpft wird. Sollten die ärmsten Länder zum Virusreservoir werden, bedroht dies erneut die Gesundheit der Bevölkerung auf der ganzen Welt, auch bei uns, in den reichen Ländern. Dadurch sind auch unsere jetzigen Impfbemühungen gefährdet.

Private Konzerne existieren, um ihr eigenes Wohl zu fördern, nicht das Gemeinwohl. Richtig oder falsch, das ist Kapitalismus. Um das Gemeinwohl zu fördern, gibt es Regierungen und Institutionen wie die OECD. Richtig oder falsch, das ist Demokratie.

Die Feuerlöscher der globalen Pandemie sind heute die Impfstoffe.

Faire Steuern finanzieren das Gemeinwohl. Gerechte, progressive Steuern werden von Bürgern und Unternehmen entsprechend ihrer Zahlungsfähigkeit gezahlt, besonders in den schlimmsten Zeiten, wie bei Pandemien und Kriegen. Angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Tragödie der Pandemie ist es sowohl die ökonomischste als auch die menschenwürdigste Antwort, wenn die Wohlhabenderen mehr zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beitragen. Das liegt in ihrem eigenen Interesse.

Herr Gurría, der Kauf eines Feuerlöschers ist viel billiger als der Kauf eines Löschfahrzeugs. Die Feuerlöscher der globalen Pandemie sind heute die Impfstoffe. Wenn wir uns heute nicht um den Feuerlöscher kümmern, werden wir morgen die Feuerwehr brauchen. Meiner Meinung nach könnte heute nichts effektiver sein als eine globale Virus-Initiative, um Zusammenarbeit und Entwicklung zu verbessern – die eigentliche Bedeutung des Wortes OECD.

Wer wird in dieser Pandemie Geschichte machen? Wenn nicht Sie, Herr Gurría, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann?

11 Kommentare
    Hansjürg Mark Wiedmer

    Unbedigt. Die Schweiz könnten de ungeliebteb “AstraZeneca” verschenken, statt ihn zu versilbern. AZ ist - trotz des selbstverschuldeten PR-Desasters - eiin überaus sicherer Impfstoff und könnte Tausende um Tausende Leben retten. Aber die humanitäre Schweiz ist schon längst an der Schweizer-Fränkli-Mentalität zugrunde gegangen.