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Unethisch gewonnenes MetallSchmutziges Gold kommt über Dubai in die Schweiz

Schweizer Raffinerien beziehen Gold über heikle Quellen aus den Arabischen Emiraten. Mit dabei sind Unternehmen, die im Verdacht stehen, Geschäfte in Konfliktregionen zu machen.

Ein Angestellter des Goldverarbeiters Valcambi in Balerna TI hält Tafelbarren in der Hand.
Ein Angestellter des Goldverarbeiters Valcambi in Balerna TI hält Tafelbarren in der Hand.
Foto: Michael Buholzer (Reuters)

Schweizer Goldraffinerien laufen Gefahr, Gold aus Minen mit Kinderarbeit und Konfliktregionen zu verarbeiten. Der Grund: Sie beziehen grosse Mengen Gold aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Eine neue Studie der Nichtregierungsorganisation Swissaid nennt zum ersten Mal die Namen jener Firmen aus den Emiraten, die substanzielle Mengen Gold in der Schweiz verarbeiten lassen. Die milliardenschweren Goldgeschäfte zeigen aus Sicht von Swissaid, dass die Kontrollen der Schweizer Goldeinfuhren zu lasch sind.

«Die Goldstudie wirft Licht auf eine kaum vorstellbare Beziehung zwischen einigen Schweizer Raffinerien (…) und gewissen emiratischen Unternehmen, deren fragwürdige Beschaffungspraktiken eine Verbindung zu Konfliktgold aufweisen», schreibt Swissaid.

Die Emirate sind laut Zollstatistik das wichtigste Herkunftsland der Schweizer Goldimporte: 149 Tonnen im Wert von 6,8 Milliarden Franken wurden hierzulande im vergangenen Jahr verarbeitet. Dubai hat sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für Gold entwickelt. Bis zu 40 Prozent des weltweit physisch gehandelten Goldes geht den Weg über das Wüstenemirat.

Laut der Studie stammte 2018 die Hälfte des Goldes, das Dubai passierte, aus Afrika. «Ein Grossteil dieses Goldes wird illegal aus afrikanischen Ländern exportiert, bevor es in den Vereinigten Arabischen Emiraten deklariert wird», schreibt Swissaid.

Metalor distanziert sich von Gold aus Dubai

Die Studie erbringt zwar keinen harten Beweis, dass Gold aus Konfliktregionen in Schweizer Raffinerien verarbeitet wird. Doch die nachgezeichnete Lieferkette zeigt, dass Goldlieferungen aus Dubai sehr hohe Risiken bergen. Die Schweizer Raffinerie Metalor hat daher nach eigenen Angaben schon «vor einigen Jahren» beschlossen, kein Gold mehr aus Dubai zu verarbeiten, da die Herkunft nicht zweifelsfrei geklärt werden könne.

Besonders kritisch sind gemäss der Studie Goldlieferungen der Unternehmensgruppe Kaloti, von der die Schweizer Raffinerie Valcambi in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 20 Tonnen Gold bezogen hat. Kaloti betreibt in den Emiraten selbst zwei Raffinerien. 2014 kam über ein geleaktes Audit der Wirtschaftsprüfer EY ans Tageslicht, dass die Unternehmensgruppe Goldanlieferungen im Wert von 5,2 Milliarden Dollar in bar bezahlt hatte, ohne nötige Herkunftskontrollen. Als Konsequenz verlor die Raffinerie von Kaloti den in Dubai geltenden DMCC Standard für seriöse Goldverarbeiter.

Gold aus der Konfliktregion Darfour?

Laut Report kauft Kaloti Gold zum einen über den lokalen Goldmarkt, den Gold-Souk. Dort gäbe es aber keine effektiven Kontrollen über die Herkunft des Edelmetalls, wie Swissaid bei einem Testbesuch von Kolatis Einkaufsschalter auf dem Gold-Souk feststellte.

Zum anderen sei Kaloti der wichtigste Kunde der Zentralbank des Sudan. Laut den Vereinten Nationen kauft die Zentralbank aber Gold aus den Konfliktregion in Darfour auf. Dort mischen sudanesische Milizen im Goldgeschäft mit.

Trotz dieser Risiken macht die Schweizer Raffinerie Valcambi Geschäfte mit Kaloti. «Wir waren selbst überrascht über das Ausmass dieser Beziehung», sagt Marc Ummel, einer der Autoren der Studie. Dabei sieht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Regeln für verantwortungsvolle Lieferketten in Risikoländern vor. Und dass eine Geschäftsbeziehung zu beenden ist, sobald handfeste Risiken bekannt werden, dass ein Lieferant direkt oder indirekt bewaffnete Milizen unterstützt.

Valcambi hat oft keine Ahnung, woher das Gold stammt

Laut der Studie bestreitet Kaloti, sich aus Bürgerkriegsregionen mit Gold zu versorgen. Die Schweizer Raffinerie Valcambi wollte zur Studie keine Stellung nehmen, da ihr das Papier nicht vorliegt.

Die Antwort überrascht, haben die Swissaid-Vertreter doch längere Schriftwechsel mit dem Management geführt. In einem Brief vom 18. Mai schreibt Valcambis Vizechefin Simone Knobloch, dass das Unternehmen «nicht direkt» mit Raffinierien in Dubai zusammenarbeite. Zudem habe Valcambi nie Gold aus Ländern bezogen, die mit internationalen Sanktionen belegt sind. Sprich Valcambi will kein Gold aus dem Sudan bezogen haben.

Die Studie zitiert indes aus Telefonaten mit Valcambi-Chef Michael Mesaric. Darin sagt dieser, dass das Unternehmen «in 85 bis 90 Prozent der Fälle» wisse, woher das Gold stammt. Sprich im Rest der Fälle hat man keine Ahnung. Valcambi liess eine Anfrage unbeantwortet, ob das Zitat zutrifft.

Bundesrat warnte schon 2018

Ein Sprecher der Raffinerie Argor-Heraeus erklärte: «Argor-Heraeus weiss, dass die Vereinigten Arabischen Emirate ein sensibler Markt für die Edelmetallindustrie sind. Es gibt jedoch Unternehmen, die sich strikt an Gesetze halten und persönlich Verantwortung übernehmen. Nur mit denen arbeitet Argor-Heraeus zusammen», versicherte er.

Ähnlich tönt es von der Credit Suisse: «Die Credit Suisse akzeptiert ausschliesslich LBMA-Good-Delivery-Goldbarren, welche die OECD-Anforderungen bezüglich Lieferketten von Mineralen erfüllen und auch die Problematiken Konfliktgold und Kinderarbeit berücksichtigen», sagt ein Sprecher.

Schon 2018 warnte der Bundesrat, dass die Lieferketten anfällig für Kinderarbeit, Umweltschäden und Geldwäscherei seien. Und erst vor kurzem hat die Eidgenössische Finanzkontrolle offiziell festgestellt, dass die Einfuhrkontrollen mangelhaft sind.

Die Finanzkontrolle schlägt nun vor, dass der Zoll und die zuständige Edelmetallkontrolle griffigere Kompetenzen und Sanktionsmöglichkeiten zur Überwachung der Sorgfaltspflichten der Edelmetallschmelzer bekommen. Zudem bedauern die Kontrolleure, dass der Ankauf von Schmelzgut nicht den Geldwäscheregeln unterliegt. Wer heute mit falsch deklarierten Goldbarren vom Zoll erwischt wird, riskiert nur eine Busse von 2000 Franken.

23 Kommentare
    P. Hablützel

    Ein Thema, dass sicherlich wichtig ist. Schön wäre es, auch mal aufzuzeigen, wo die Bestrebungen liegen, eine Alternative zu bieten. Denn es sind wie immer in solchen Fällen die Kleinen, die unter schlechter Presse leiden. Ich meine damit die Schmuckbranche, namentlich die kleinen Goldschmiede-Ateliers.

    Und gerade diese zeigen derzeit mit aller Kraft, aber leider ohne Lobby, dass es Alternativen gibt. Ich darf diese hier wohl nicht mit Namen nennen. Aber ich kann die Konsumenten auffordern, beim Goldschmied Ihres Vertrauens das Thema anzusprechen. Er wird sie gerne aufklären ;-)