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Digitale Beauty-BehandlungSchön über Skype

Kann ein Beauty-Treatment auch per Videocall funktionieren? So ganz ohne Cremen, ohne Massage, ohne Körperkontakt? Wir haben es ausprobiert.

Anweisungen via Skype: Lara Schurter vom Naturkosmetikstudio Greenlane erklärt die Verwendung eines Gua-Sha-Massagesteins.
Anweisungen via Skype: Lara Schurter vom Naturkosmetikstudio Greenlane erklärt die Verwendung eines Gua-Sha-Massagesteins.
Foto: Priska Amstutz

Ich schwöre, vor Corona waren diese Fältchen noch nicht da. Über den Augenbrauen haben sich feine Linien gebildet, noch taufrisch, als würde ich die Brauen seit Ausbruch der Krise konstant fragend nach oben ziehen. Was ich vielleicht tatsächlich tue, wenn ich beispielsweise von intravenös verabreichtem Desinfektionsmittel lese, gleichzeitig Lehrpläne studiere und die Zutaten für Rezept 4538 notiere.

«Mimik!», beruhige ich mich, weil mir mal eine Kosmetikerin präzise den Unterschied zwischen hundskommunen Falten (wahlweise Zeichen der Zeit, in der jugendlichen Verblendung vernachlässigte Pflege oder fiese Gene) und Mimikfalten (Ausdruck eines intensiv gelebten Lebens voller ausgeprägter Emotionen, also irre charismatisch) erklärt hat. Wird mein Gesicht, ähnlich wie die Zeugnisse der Kinder, einen Corona-Stempel vorweisen können?

Schönheitsberatung auf dem Bildschirm?

Immerhin weiss ich, was ich sagen soll, als mich Lara Schurter beim Beratungsgespräch fragt, welche Probleme meine Haut zurzeit hat. Weniger Schminke findet die Haut super. Mehr Stress wegen Homeoffice, Homeschooling und konstantem Homeputzing mag sie hingegen nicht so – das zeigt sich etwa in einem kleinen Ausschlag am Kinn. Schurter betreibt seit 2015 das erfolgreiche Naturkosmetikstudio Greenlane bei der Zentralbibliothek.

Behandlungen bei ihr sind Monate im Voraus ausgebucht, auch ein Termin bei ihren Mitarbeiterinnen braucht etwas ­Geduld. Als wegen des Lockdown keine Behandlungen mehr möglich waren, erhielt die Unternehmerin viele Mails von Kundinnen, die ihr Fotos von Badezimmerschränken schickten und schrieben: «Jetzt hätte ich endlich Zeit, mich um meine Haut zu kümmern. Wo fange ich an?» Also stockte das Team den Onlineshop auf, und Schurter bot ­Beratungen via Skype an, in denen sie mit einer Kundin deren Anliegen besprach, die geeignetsten Produkte empfahl und konkrete Tipps gab. Ich will testen, wie sich so eine Kosmetik­behandlung via Skype anfühlt und vereinbare einen Termin.

Nicht nur wegen der Viren: Hände aus dem Gesicht

Die Verbindung steht, Lara Schurter trägt ein weisses Shirt, sie wirkt entspannt und aufgeräumt. Ihre optimistische Stimme zu hören, hat auf mich tatsächlich eine ähnlich beruhigende Wirkung, wie in ihrem Behandlungszimmer zu liegen. Sie macht eine ausführliche Anamnese, erklärt mir den Hautaufbau, betont, dass Cremen nur in der obersten Schicht wirken können, und gibt Tipps, mit welchen Massnahmen der oftmals aus der Balance geratene Säureschutzmantel in der zweiten Hautschicht aufgepäppelt werden kann. Diese Befunde sind bekannt, aber man kann sie wohl nicht genug hören: ausgewogene Ernährung, Stress vermeiden, viel Zeit an der frischen Luft verbringen.

Schurter fällt auf, dass ich mir immer noch oft in das Gesicht fasse. Eine Unart, die Corona eigentlich aus der Welt hätte schaffen sollen, die aber gerade bei Videokonferenzen aufblüht. Sie empfiehlt, auch neben dem Computer einen Desinfektionsspray aufzubewahren und sich damit regelmässig die Hände zu besprühen. Auch die Reinigung des Handys macht nicht nur wegen des Virus Sinn, auch wegen der Bakterien, die vom Bildschirm direkt auf die Haut am Kinn (aha!) transferiert werden. Ich erfahre, dass die Art, wie ich mein Gesicht reinige und pflege, nicht total falsch ist, aber eher auf den Winter ausgerichtet.

Um die Mimikfältchen anzugehen, werden mir Griffe für eine Gesichtsmassage mit einem Gua-Sha-Stein gezeigt: Angespannte Muskulatur kann so gelockert werden. Auf Instagram gibt es Tutorials. Nach einer Stunde sind wir durch, es hat gutgetan. Der Zauber liegt vermutlich darin, sich in dem Trubel mal die grundsätzlichen Fragen zu stellen: Wie geht es mir? Wie schlafe ich? Welche Jahreszeit haben wir?