Zum Hauptinhalt springen

Digital Art Zurich FestivalSchönere Pixel haben Sie nie gesehen

5 Tage, 40 Kunstschaffende, 7 Locations: Das sind die Eckdaten des ersten Digital Art Zurich Festival, kurz DA Z.

Das Amsterdamer Studio Moniker macht ein Musikvideo zum interaktiven Cursor-Magneten: «Do Not Touch», 2013.
Das Amsterdamer Studio Moniker macht ein Musikvideo zum interaktiven Cursor-Magneten: «Do Not Touch», 2013.
Foto: Studio Moniker

QR-Code scannen, downloaden, bestellen. Wer in Corona-Zeiten auswärts isst, kennt das Prozedere mit der elektronischen Speisekarte. Was im Restaurant geht, müsste doch auch mit Kunst funktionieren, dachte sich der Belgier Dries Depoorter und präsentiert jetzt die App «Die with Me». Also: QR-Code scannen, downloaden, Kunst vorgesetzt bekommen.

Wer Depoorters Weg folgt, landet freilich nicht auf einer Menükarte, sondern in einem Chat-Room. Der Clou: Einloggen kann sich nur, wessen Smartphone weniger als fünf Prozent Akku hat. Daher auch der morbide Werktitel. Wer hier chattet, murkst gezielt sein Handy ab. Und hält am Schluss ein totes Grätli in der Hand. Willkommen in der Hölle (oder dem Nirvana?) der Unerreichbarkeit!

Viel näher am Puls der Zeit kann Kunst nicht sein. Bloss: Welche Galerie, welches Museum ist digital schon so auf Zack, das sie so etwas ausstellen könnte? Das ist das erste Problem. Das zweite: Selbst jene Galeristen, die coronabedingt statt realer Messestände schon Online-Viewing-Rooms betrieben, sagen: Es funktioniert nicht. Weil die reale Begegnung mit Gleichgesinnten, der unmittelbare Austausch vor dem Werk, fehlt.

Digitale Kunst, analog serviert

Wie also das Digitale mit dem Analogen verschränken? «Das haben wir uns auch gefragt. Und kurzerhand beschlossen, ein Festival ins Leben zu rufen, an dem ausschliesslich digitale Kunst serviert wird aber in analoger Form: als Screening, Installation, Performance», erzählt Tanja Hollenstein. Die 45-jährige Zürcherin hat eigentlich eine Firma für Kommunikationsberatung. Und machte dort im Laufe der letzten Jahre immer öfter die Beobachtung, dass herkömmliche Werbestrategien nicht mehr ziehen. «Kultur-Sponsoring-Events zum Beispiel, wo nach einer Ausstellungsführung alle brav beim Apéro zusammenstehen: Das ist vorbei.» Unternehmen, die avantgardistische Kunst unterstützen wollen, gibts immer noch, und interessiertes Publikum ebenso. Was fehlt, ist eine zeitgemässe Plattform, wo beide zusammenfinden.

Besser gesagt: fehlte. Vergangenheitsform. Denn 2019 gründete Tanja Hollenstein mit ihrem Geschäftspartner (der praktischerweise der Medienkünstler und Kunstwissenschaftler Hans Peter Riegel ist) den Trägerverein Digital Arts and Sciences Switzerland. Dessen erster Streich war eine Gruppenausstellung mit digitaler Kunst, die diesen Sommer in St. Moritz über die Bühne ging.

«Kultur-Sponsoring-Events, wo nach einer Ausstellungsführung alle brav beim Apéro zusammenstehen: Das ist vorbei.»

Tanja Hollenstein, DA-Z-Gründerin

Der zweite ist nun eben besagtes Festival. Dafür trommelte Hollenstein ein Grüppchen von Kunst- und Kommunikationsexperten zusammen, stellte sich auf ein zähes Ringen um Sponsoren und Ausstellungsorte einund erlebte eine Überraschung: «Teils kamen Veranstalter sogar auf uns zu und fragten, ob sie mitmachen dürften.» Wie die Wasserkirche, zum Beispiel, die nach ihrer Transformation vom Gotteshaus zum Kulturort nun auf der Suche nach einem neuen Publikum ist.

5 Tage, 40 Künstler(innen), 7 Locations

Wie würde Tanja Hollenstein das Digital Art Zurich Festival, kurz DA Z, in wenigen Worten zusammenfassen? «Fünf Tage, vierzig Kunstschaffende, sieben Locations.» Und wer soll kommen und sich das ansehen? «Kunstinteressierte Menschen mit digitalen Berührungsängsten. Und digital Affine, die glauben, nichts mit zeitgenössischer Kunst anfangen können.»

«Wen wir ansprechen wollen? Kunstinteressierte Menschen mit digitalen Berührungsängsten. Und digital Affine, die glauben, nichts mit zeitgenössischer Kunst anfangen können.»

Tanja Hollenstein, DA-Z-Gründerin

Gut möglich, dass sie eine Schnittmenge entdecken werden seis an einem Livekonzert (mit Maske, Sicherheitsabstand und desinfizierten Händen, natürlich), seis in Dries Depoorters virtuellem Smartphone-Hospiz. Und wer weiss: Vielleicht verabredet man sich gleich für kommendes Jahr wieder? Von nun an soll das DA Z nämlich jedes Jahr stattfinden.